"Der Reiz ist das Drumherum" / Das WA-Sport-Interview

Rhynerns Lennard Kleine und Emre Demir von der HSV freuen sich aufs Derby

Hamm - Beide stammen aus der eigenen Jugend, schafften direkt den Sprung in die erste Mannschaft und sind mit ihren Offensivaktionen wichtige Bestandteile ihrer Teams: Am Mittwoch (19.30 Uhr) treffen der 22 Jahre alte Lennard Kleine von Westfalia Rhynern und der ein Jahr jüngere Emre Demir von der Hammer SpVg im Derby der Fußball-Oberliga am Papenloh aufeinander. Welche Erwartungen sie für dieses Spiel und welche Pläne sie für die Zukunft haben, verrieten sie Patrick Droste und Simon Stock.

Lennard Kleine: „Wir wollen die Nummer eins in Hamm bleiben.“

Sie sind beide noch recht jung, in Sachen Derby aber schon alte Hasen. Was war für Sie das schönste, was das bitterste Ortsduell?

Lennard Kleine:
Das schönste Duell? Wir haben zuhause mal 4:0 gegen die HSV gewonnen. Am Papenloh ist das immer etwas Besonderes, denn da ist die Derbystimmung einfach besser. Es ist da alles sehr eng. Ah, stopp: Wir haben vor zwei Jahren in Wiescherhöfen mit 5:0 das Kreispokalfinale gegen die HSV gewonnen, das war auch genial. Aber das bitterste Derby? Jede Derby-Niederlage gegen die HSV ist gleich schlimm.

Emre Demir:
Ich habe vier, fünf Derbys gegen Rhynern gespielt, davon zwei in der A-Jugend. Mehr sind es nicht, weil ich ein paar mal verletzt war, so wie im Hinspiel. Am schönsten war mein erstes Derby bei den Herren. Ich war 18 und habe das 1:0 geschossen. Am Ende hieß es 2:2. Ich erinnere mich auch deshalb gerne daran, weil ich davor noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt habe. Das bitterste war das 0:5 im Pokalendspiel. Auch wenn ich damals verletzt war: Es war das absolut schlimmste Derby.

Was macht den Reiz dieser Aufeinandertreffen aus?

Demir: Ich gehe in das Spiel eigentlich wie in jedes andere auch. Aber man merkt an den Zuschauern, dass das Derby etwas Besonderes ist. Der Reiz ist das Drumherum. Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei den Herren mal weniger als 900 Zuschauer gab. Je mehr da sind, desto besser. Die Fans erwarten ein gutes Spiel und viel Kampf. Und zumindest Kampf gibt es meistens auch. Die Rivalität ist auf dem Platz zu spüren.

Kleine: Es treffen nun mal die beiden besten Fußball-Mannschaften von Hamm aufein- ander. Das war auch in der Jugend so, da war die Konkurrenz auch schon groß. Man kannte sich damals aus der Kreisauswahl und wollte zeigen, dass man besser ist. Das wollen wir jetzt auch beweisen und die Nummer eins Hamm bleiben.

Herr Kleine, Sie sind quasi Rhyneraner durch und durch. Sie haben nie in einem anderen Verein gespielt, Ihr Bruder ist bei Ihnen in der Mannschaft, Ihr Vater ehemaliger Spieler und jetzt Vorsitzender der Westfalia. Was macht Ihren Klub aus? Was bedeutet Ihnen der Klub?

Kleine: Der Verein bedeutet für mich alles. Ich wohne nur 500 Meter vom Platz entfernt, kenne das komplette Umfeld. Es wird in Rhynern nicht so auf das Geld gesetzt, sondern auf Teamgeist, also darauf, dass da eine Einheit auf dem Platz steht. Auch nach dem Training sitzen wir noch zusammen.

Können Sie sich vorstellen, immer in Rhynern zu bleiben? Oder was muss passieren, dass ein anderer Verein Sie vom Papenloh weglocken kann?

Emre Demir: „Die Rivalität ist auf dem Platz zu spüren.“

Kleine: Es ist ganz schwer für mich, mich von der Westfalia zu lösen. Es müsste ein Verein sein, der strukturell ähnlich aufgebaut ist wie der in Rhynern. Ich müsste mich da direkt geborgen fühlen. Geld würde da eine nebensächliche Rolle spielen. Zumal ich ja auch hier in Hamm studiere. Und dieses Studium ist mir auch sehr wichtig. Für mich ist es einfach optimal, dass ich hier Fußball spielen kann und dass mein Heimatverein in der Oberliga spielt.


Ist ein Vereinswechsel für Sie überhaupt vorstellbar?

Kleine:
Vorstellbar ist das. Denn mal einen anderen Verein kennen zu lernen, würde mir von der Persönlichkeit sicher sehr gut tun. Ich denke auch, dass ein Spieler von außerhalb ganz anders wahrgenommen wird und vielleicht auch einen anderen Stellenwert hat.

Herr Demir, Sie sind einer der wenigen im Kader, die schon in der Jugend für die HSV gespielt haben. Spüren Sie da besonderen Druck, gut zu spielen?

Demir: Ich bin seit der C-Jugend bei der HSV. Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Fans freuen, wenn ich gut spiele. Dass sie voll hinter mir stehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich alter HSVer bin. Aber ich sehe mich nicht mehr als Jugendspieler, sondern als gestandenen Oberliga-Spieler. Ich habe echt hart gearbeitet, um den Sprung zu den Herren zu schaffen.

Und bald der nächste Sprung? Mit 21 hat man noch Träume.

Demir: Klar, die hab ich. Ich weiß, dass die Luft oben dünner wird. 1. oder 2. Liga ist sehr schwer, da bin ich Realist. Aber warum sollte die 3. Liga nicht funktionieren? Wenn man in der Regionalliga ist, kann es sehr schnell gehen, wenn man eine gute Saison spielt.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Das klingt ein wenig nach Abschied von der HSV.

Demir: Das kann sein. Das ist noch nicht entschieden. Ich suche eine neue Herausforderung. Ich bin jung und will noch lernen.

Lesen Sie die ausführliche Fortsetzung des Interviews am Dienstag in der Printausgabe Ihres Westfälischen Anzeigers.

Rubriklistenbild: © Mroß/Stock

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