Radsportler aus Hamm nach der DM im Interview

Aaron Grosser genießt Platz elf nach "viereinhalb Stunden nur Hektik"

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Der Moment der Zieleinfahrt: Aaron Grosser (Dritter von links, graues Trikot) wird bei der DM in Erfurt Elfter.

Hamm - Mit seinem elften Platz bei der deutschen Straßenmeisterschaft der Elite-Radrennfahrer in Erfurt hat der Hammer Aaron Grosser für große Aufmerksamkeit gesorgt. Wie das Rennen für ihn lief und welche Pläne er nun für die Zukunft hat, verriet der 19-Jährige vom Team Sauerland NRW in einem Interview mit Patrick Droste.

Herr Grosser, war dieses Ergebnis der größte Erfolg Ihrer noch jungen Karriere? 

Aaron Grosser: Das kann man so sagen. Nachdem ich eine Woche vorher bei der Deutschen Meisterschaft der U23 in Berlin gestürzt war, hatte ich mich im Vorfeld des Rennens in Erfurt selbst unter Druck gesetzt. Denn ich wollte bei der Elite unbedingt ein gutes Resultat einfahren. Das ist mir gelungen. Und damit ist auch der Sturz von Berlin vergessen.

Gab es nach dem Ziel viele Glückwünsche? Sind vielleicht Teamleiter anderer Mannschaften oder die Sprintstars wie Andre Greipel, Marcel Kittel oder John Degenkolb, der nach Ihnen ins Ziel gekommen ist, auf Sie aufmerksam geworden? 

Grosser: Über Facebook habe ich schon viele Glückwünsche erhalten. Und auch nach dem Rennen haben mir in Erfurt zahlreiche Fahrer gratuliert. In wie weit in das Visier von anderen Teams gekommen bin, weiß ich nicht, das kann ich nur hoffen. Ich war jedenfalls bester Fahrer meines Jahrgangs. Angesprochen hat mich keiner von den Topfahrern. Ich denke mal, wenn die sich die Ergebnisliste anschauen, dann wird schon auffallen, dass einer aus dem Jahrgang 1996 so weit vorne war. Es lief am Sonntag einfach alles perfekt für mich, es war ein schönes Rennen.

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Beschrieben Sie mal, wie Sie das Rennen erlebt haben. 

Grosser: Es war viereinhalb Stunden nur Hektik. Es waren immer wieder Gruppen weg, die dann wieder eingefangen wurden. Es ging hin und her, es war kein taktisches Rennen wie zuvor bei „Rund um Köln“. Es gab keine Ruhepausen, das waren viereinhalb Stunden Vollgas. Ich habe 210 Watt über diese viereinhalb Stunden getreten.

Ihre Beine haben das aber gut mitgemacht? 

Grosser: Es war teilweise richtig hart. Aber ich wusste, dass ich in perfekter Form war, so dass es für den Kopf und für den Körper kein Problem war. Das hohe Tempo sorgte auch dafür, dass einige Fahrer vorher aussteigen mussten. Dadurch waren im Finale nur noch rund 120 Leute dabei. Das hat die Sache etwas einfacher gemacht.

Video beim MDR vom Straßenrennen in Erfurt

Wie war das Finale für Sie als Sprinter? Hat Ihr Team Sie gut in Position gebracht? 

Grosser: Auf jeden Fall, die Jungs haben klasse gearbeitet. Zwei Kilometer vor dem Ziel habe ich die aber verloren, da habe ich mich alleine durch das Feld geboxt. Ich habe vor allem darauf geachtet, dass ich ohne Sturz um die letzte Kurve komme und habe noch mal alles rausgehauen. Dass ich Elfter geworden bin, war einfach unglaublich.

Und im Ziel haben Sie dann kräftig gefeiert? 

Grosser: Nein. Ich habe mich erst einmal auf den Boden gesetzt, weil ich Sterne gesehen habe. Und dann habe ich was getrunken. Anschließend ging es zum Teambus und zur Dusche, ehe ich mit meiner Familie im Auto nach Hause gefahren bin. In Hamm haben wir noch gegrillt und auf den elften Platz angestoßen – ich natürlich ohne Alkohol.

Wie geht es für Sie in dieser Saison noch weiter? 

Grosser: Am Mittwoch geht es nach Frankfurt/Oder, wo von Donnerstag bis Sonntag eine Rundfahrt mit fünf Rennen inklusive Einzeltzeitfahren an vier Tagen auf dem Programm steht. Danach habe ich zwei Tage Pause, ehe wir nach Vancouver fliegen. Dort werden wir innerhalb von 14 Tagen acht oder neun Rennen bestreiten. Ich hoffe, dass ich da meine gute Form bestätigen und ich mich vielleicht für ein noch besseres Team empfehlen kann. Der elfte Platz in Erfurt war ein guter Anfang, aber es kommt auch auf die Restsaison an.

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