Fuchs warnt vor Neuss: "Gefährlichstes Spiel der Saison"

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Bislang ein Bild mit Seltenheitswert: ASV-Abwehrspezialist Markus Fuchs soll in der kommenden Saison häufiger im Angriff eingesetzt werden.

Hamm - Defensivspezialist Markus Fuchs geht in sein viertes Jahr beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen. Vor der ersten Runde im DHB-Pokal zieht er im Interview eine Vorbereitungsbilanz, spricht über Probleme in der Vorsaison und warnt vor dem Neusser HV. 

Seit 2013 spielt Markus Fuchs für den ASV Hamm-Westfalen und hat sich während dieser Zeit vor allem in der Deckungszentrale fast unersetzlich gemacht. Im Gespräch mit Günter Thomas zieht der Rechtshänder, der Donnerstag seinen 25. Geburtstag feiert, seine persönliche Bilanz zur Saisonvorbereitung, die am Samstag mit den Erstrunden-Gruppenspielen um den DHB-Pokal gegen den Neusser HV (19 Uhr) und – im Falle eines Sieges – einen Tag später gegen den Gewinner der Partie zwischen dem THW Kiel und dem VfL Fredenbeck (17 Uhr) in der Westpress-Arena endet.

Sie gehen in Ihre vierte Saison beim ASV. Wie würden Sie die Vorbereitung im Vergleich zu den Vorjahren bewerten? 

Markus Fuchs: Sportlich und mannschaftlich war es sehr gut. Da sind wir zum jetzigen Zeitpunkt weiter als im vergangenen Jahr. Wir haben uns in den Vorbereitungsspielen – mit Ausnahme der Partie in Dormagen – gut entwickelt. Als Mannschaft sind wir vor allem durch das Trainingslager in Polen schnell zusammengewachsen. Die Bedingungen dort waren nicht die besten. So hatte man im Grunde immer etwas zu erzählen und ist dadurch, dass wir den ganzen Tag zusammen waren, mit den Neuen schneller ins Gespräch gekommen.

Auch in der laufenden Vorbereitung haben wichtige Spieler gefehlt...

Fuchs: Verletzungen und Ausfälle haben andere auch – das gehört dazu. Solange es nur in der Vorbereitung ist, ist mir das lieber, als in der Saison. 

"Finale gegen Kiel wäre nur eine Zugabe"

Sie selbst sind auch betroffen, haben zuletzt verletzungsbedingt pausieren müssen. Wie stehen die Chancen auf einen Einsatz am Pokalwochenende? 

Fuchs: Wir gucken am Ende der Woche nochmal, wie es sich entwickelt hat. Ich würde schon gerne spielen, aber das letzte Wort haben da der Trainer und der Arzt. Wenn es aus deren Sicht geht, spiele ich gerne. Ich behaupte mal, dass ich Freitag mittrainiere. Und wenn es geht, werde ich mich Samstag gerne warmlaufen und spielen. Sollte nur eine Begegnung am Wochenende möglich sein, wäre das dann die Partie am Samstag gegen Neuss – auch wenn es schön wäre, gegen Kiel anzutreten. 

Wie haben Sie dieses Pokallos aufgenommen? 

Fuchs: Ich fand die Auslosung top. Es ist ja nicht alltäglich, dass eine Mannschaft wie der THW bei uns vorbeikommt. Solange wir das Halbfinale gewinnen, ist alles gut. Das Finale wäre dann nur eine Zugabe für uns. Wäre es ein leichterer Gegner geworden, hätten wir dann wahrscheinlich in der nächsten Runde einen guten Erstligisten gekriegt. Das hätte ein Spiel mehr Belastung bedeutet, und wir würden wahrscheinlich in der nächsten Runde rausfliegen. Deswegen ist das schon optimal gelaufen. 

Zumindest wäre diese Partie eine gute Generalprobe für die anstehende Saison.

Fuchs: Das wäre ein sehr guter Test – wenn auch keine Standortbestimmung, weil Kiel eine andere Liga ist. Wobei der THW jetzt auch viele Leute nicht an Bord hatte und gerade noch gegen Flensburg mit elf Toren verloren hat. Warum sollten wir nicht an einem guten Tag gegen die gewinnen, wenn sie uns unterschätzen? Ich sehe es jetzt nicht, dass wir da zwingend untergehen müssen. 

"Leader wurden vielleicht nicht von allen akzeptiert"

Wie beurteilen Sie die Team-Chemie im Kader, in dem ja doch einige neue Akteure stehen? 

Fuchs: Es ist in diesem Jahr einfacher, weil wir alle ungefähr in einem Alter und auf einem Nenner sind. Im vergangenen Jahr hattest du die älteren Akteure, die diese Leaderrolle einnehmen wollten, was vielleicht nicht von allen akzeptiert wurde. 

Wie groß ist die Gefahr, dass sich das im Laufe der Serie ändert, wenn die ersten Spieler unzufrieden werden, weil sie vielleicht weniger Einsatzzeiten bekommen als erhofft?

Fuchs: Das ist Leistungssport. Alle, die hier spielen, kennen das nicht anders. Ich habe Mannschaften erlebt, da haben die Konkurrenten es dem Mitspieler nicht so gegönnt, wenn er eine gute Partie gemacht hat. Aber diesen Eindruck hatte ich in Hamm noch nie. Hier freut sich einer für den anderen, was am meisten bei den Torhütern auffällt.

"Wir haben Rückstand"

Gerade auf das Defensivverhalten wurde bei den Neuen geachtet. Sehen Sie als Abwehrspezialist das Team hier besser aufgestellt? 

Fuchs: Auf jeden Fall. Durch Christoph Neuhold etwa, der auf Halb einen stabilen Eindruck macht. Fannar Fridgeirsson kenne ich noch aus früheren Jahren als Gegner, da hat er auch auf Halb sehr gut gedeckt. Hier konnten wir es bisher leider nicht so bewerten. Das wird er aber auch nicht verlernt haben. Deshalb fallen vielleicht mal ein, zwei Wechsel weg. Und wir hatten letztes Jahr mit Ondrej Zdrahala und Apollo Just wirklich Spieler, die nicht decken konnten. Die musstest du notgedrungen immer rausnehmen. Das fällt jetzt nicht weg, aber wenn ein Abwehrspezialist mal eine Pause braucht, dann gibt es halt einen, der qualitativ ähnlich gut decken kann. 

Auf der Spielmacherposition waren die Probleme dadurch, dass Fridgeirsson verletzt und Björn Zintel wegen seines Junioren-Nationalmannschafts-Engagements gefehlt haben, ähnlich schwierig wie im Vorjahr. 

Fuchs: Ja, aber Christoph ist echt variabel, kann Halb und Mitte spielen und hat das gut gemacht. Für Björn ist das ja nichts Neues, er kennt die Spielzüge. Aber das Zusammenspiel mit den neuen Nebenleuten muss jetzt noch kommen, da haben wir vielleicht zwei, drei Wochen Rückstand. Aber das haben andere Mannschaften auch.

"Geplant, dass ich auch im Angriff spiele"

Wie sehen Sie Ihre Rolle in der neuen Saison? Hoffen Sie auf mehr Spielanteile vorne? 

Fuchs: Abwehr macht mir sehr viel Spaß. Es ist auch einfach, wenn man sich auf eins konzentrieren kann und da seine volle Energie reinlegt. Geplant ist aber auch, dass ich Angriff spielen kann. Das war vergangenes Jahr im Grunde durch die Entzündung im Knie, als ich nicht mehr richtig springen konnte, nicht möglich. Alles auf zwei Beinen konnte ich fast schmerzfrei machen. Aber jetzt ist das Knie wieder bei 90 Prozent, und geplant ist, dass ich auch wieder im Angriff spiele. 

Wie sieht Ihr persönliches Saisonziel aus? 

Fuchs: Man will immer besser werden. Die Liga ist ausgeglichener. Es gibt keine Überflieger mehr wie Erlangen oder Minden. Ich persönlich würde gerne oben mitspielen. Und wenn sich die Chance ergibt, dass da Platz eins, zwei oder drei frei ist, wäre ich der letzte, der diese Chance nicht ergreifen würde.

"Neuss ist absolut gefährlich"

Um am Sonntag gegen Kiel spielen zu dürfen, müssen Sie am Samstag zunächst Drittligist Neuss ausschalten. Wie schwierig sehen Sie diese Aufgabe? 

Fuchs: Das ist absolut gefährlich. Mit 3. Liga hat diese Mannschaft nicht viel zu tun. Neuss hat viele ehemalige Zweitligaspieler im Kader und einen starken kroatischen Torhüter, der bei internationalen Topclubs gespielt hat. Das wird für uns das gefährlichste Spiel der Saison, weil wir der erklärte Favorit und fast zum Gewinnen verdammt sind. Aber wenn alles normal laufen sollte und wir Neuss nicht im Unterbewusstsein unterschätzen, sehe ich kein Hindernis, um gegen sie zu gewinnen.

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