Im Interview 

Stadtsportbund-Präsident Dennis Kocker will einiges bewegen

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Dennis Kocker hat als Chef des Stadtsportbundes ein schweres Erbe angetreten.

Hamm - Seit April ist der SPD-Fraktionsvorsitzende Dennis Kocker ehrenamtlicher Präsident des Stadtsportbundes Hamm. In einem Gespräch mit Peter Schwennecker berichtet der 36-Jährige über seine ersten Wochen im Amt, über die allgemeine Situation in der Sportstadt Hamm und das, was er als oberster Vertreter der heimischen Vereine bewegen möchte.

Sie sind Mitglied der Fußball-Verbandsjugendspruchkammer, Vorsitzender der Bezirksspruchkammer. Das ist mit dem Beruf des Rechtsanwaltes durchaus in Einklang zu bringen. Aber wie wird man dann Präsident des Stadtsportbundes Hamm? 

Dennis Kocker: Ich bin schon länger im Stadtsportbund vertreten, im Anfang als Beisitzer, danach als Geschäftsführer, weil mich die lokale Sportszene extrem interessiert. Ich war immer in den heimischen Vereinen aktiv. Zunächst beim SV 26 Heessen, inzwischen bereits über 15 Jahre bei der Hammer SpVg. Der Stadtsportbund hat den Vorteil, dass er sich nicht nur um die Sportförderung kümmert. Den Fußballern wird immer nachgesagt, dass sie sich um nichts anderes kümmern. Das ist bei mir nicht so. Meine Frau ist im Badminton-Club Herringen aktiv. Wir sind sportlich breit aufgestellt. Deshalb finde ich es auch wichtig, sich lokal zu engagieren. 

Vorgänger Fritz Corzilius war 41 Jahre im Amt und hat sehr große Fußstapfen hinterlassen. Wie kann man diese überhaupt ausfüllen? 

Kocker: Diese Fußstapfen kann man nicht füllen, das will ich auch gar nicht. So wie Fritz Corzilius den Stadtsportbund geprägt hat, ist das eine Ära für sich. Ich glaube, dass sich der Sport gewandelt hat. Es kommen neue Herausforderungen auf uns zu. Meine Rolle ist auch nicht ganz die, die Fritz Corzilius hatte. Zu seiner Zeit lag die Geschäftsführung des Stadtsportbundes beim Vorstand. Das haben wir durch die Hauptamtlichkeit abgestellt. Die meiste Arbeit wird jetzt im SSB-Büro geleistet. Das Präsidium ist für die Repräsentation zuständig, gibt die groben Linien vor. Deswegen kann nicht mehr alles so laufen, wie das unter Fritz der Fall war. 

Hamm wird immer als Hauptstadt des Breitensports oder der Randsportarten bezeichnet. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in unserer Stadt, was Breiten- und Spitzensport betrifft? 

Kocker: Ich sehe die aktuelle Situation in Hamm recht positiv. Ich will aber nicht sagen, dass wir nur eine Stadt des Breitensports sind. Wir sind eine Stadt des Sports. Da ist der Anteil des Spitzensports in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Uns gelingt es gut, eine Mischung zwischen den Breitensport-, Allgemeinsport- und Spitzensport treibenden Vereinen hinzukriegen. Wo wir ein bisschen aufpassen müssen ist, dass wir den Spitzensport nicht ganz vergessen, was die Förderung angeht. Wir tun eine Menge für den allgemeinen und Vereinssport. Doch wir müssen überlegen, wie wir das auf Dauer mit dem Spitzensport hinbekommen. Auch den Anforderungen im Bereich Kanu, Tischtennis oder Rollhockey müssen wir gerecht werden. Die steigen weiter. Da muss der Sport Antworten finden, wie man das unterstützt. Das ist für uns eine wichtige Aufgabe, der wir uns stellen müssen.

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Sportförderung wird doch nach dem Gießkannenprinzip betrieben. Wir haben in Hamm aktuell etwas 150 Vereine, und jeder möchte doch aus dem Topf etwas abschöpfen. Gibt es zu viele Vereine in Hamm? 

Kocker: Das glaube ich nicht. Wir haben in Hamm eine sehr gute Vereinslandschaft. Ich war in der vergangenen Woche zu einem Antrittsbesuch beim Präsidenten des Landessportbundes in Duisburg. Und der hat mit Begeisterung darüber geredet, wie wir die Sportförderung in Hamm organisieren. Ich würde das nicht als Gießkannenprinzip bezeichnen. Lediglich im Jugendbereich könnte man das so sehen. Da erhält jeder flächendeckend den Obolus, den er haben muss. Darüber hinaus haben wir auch eine Finanzierung, was kleine und größere Baumaßnahmen betrifft. Wir schauen individuell, prüfen, wo es Probleme gibt, wo wir helfen müssen. Wir sind, was die Sportförderung angeht, allen anderen Städten um uns herum deutlich voraus. Deshalb halte ich diesen Weg für richtig, gerade mit Blick auf die knappe Haushaltslage. 

Der Sportentwicklungsplan hat im heimischen Bereich einiges bewirkt, vor allem, was Fusionen angeht. Sehen Sie diese Entwicklung positiv?

Kocker: Das muss man individuell sehen. Ich bin insbesondere ein Freund der kleineren Vereine. Das war immer mein Credo, zu sagen, Großvereine sind gut und wichtig, doch man darf die kleinen Vereine nicht vergessen, weil sie wirklich den Sport vor Ort bedienen. Fusionen sind gut, wenn sie sinnvoll sind. Ich halte es auch nicht für richtig, dass die Klubs in dem Glauben sind, dass sie eine bessere Förderung erhalten, wenn sie fusionieren. Das hat verschiedene Aspekte. Man findet ja leider nur schwer Vorstände. Zudem hat der Sportentwicklungsplan gezeigt, dass immer mehr Individualsport losgelöst von den Vereinen passiert. Und da müssen die Vereine eine Antwort drauf finden. Dass sie sich breiter aufstellen, in die Schulen gehen und vielleicht auch den Fitnessstudios das Wasser abgraben. Auch die Vereine können Gesundheits- und Breitensport anbieten. Das ist natürlich ein Vorteil der großen Vereine und der Fusionen. 

Sie haben direkt nach Ihrer Wahl im April im Heessener Bürgersaal gesagt, dass Sie als Präsident des Stadtsportbundes besonders für die kleinen Vereine in den Ortsteilen da sein wollen. Wie wollen Sie das umsetzen? 

Kocker: Die großen Vereine verfügen über viel Manpower im hauptamtlichen Bereich. Das ist sinnvoll und gut. Die wissen genau, wie man Förderanträge stellen muss, wie Mitgliederverwaltung betrieben wird. Da sehe ich den Stadtsportbund als Dienstleister für die Vereine, die das nicht können. Der SSB hat eine gute hauptamtliche Struktur. So verstehe ich auch die Aufgaben unserer Mitarbeiter, dass sie als Ansprechpartner, gerade für die kleinen Klubs, zur Verfügung stehen. Ich finde es wichtig, dass der Stadtsportbund eine Stimme für die kleineren Vereine ist. Die großen Vereine sind natürlich auch wichtig, doch die kleinen freuen sich vielleicht gerade über solche Hilfe. 

In Hamm gibt es immer noch ein gewisses Bezirksdenken. Kann man da überhaupt von einer großen Sportstadt sprechen? 

Kocker: Das ist in Hamm nicht nur im Sport so. Die Menschen denken wohnortbezogen, nicht einmal bezirksbezogen. Deswegen ist es wichtig, dass die Leute auch nahe an ihrem Wohnort Sport treiben können. Das Bezirksdenken wird sich auch in naher Zukunft in unserer Stadt nicht so leicht ändern. Deswegen müssen wir sehen, dass wir in jedem Bezirk ein gleichmäßiges Angebot haben. 

Hamm ans Wasser ist eines Ihrer Lieblingsprojekte. Wie wird sich das für die Wassersportvereine auswirken? 

Kocker: Die Kanuvereine müssen das letztlich selbst entscheiden. Ich glaube schon, dass die Vereine, das haben die Gespräche gezeigt, an einem Strang ziehen wollen. 

Es soll also ein Zentrum am Kanal für möglichst viele Vereine geben, also auch für Kanu- und Ruderclubs? 

Kocker: Wenn die Vereine das wollen. Das kann sein, muss aber nicht. Ich würde es für falsch halten, wenn wir als Politiker oder als Sportfunktionäre den Vereinen vorgeben würden, jetzt müsst ihr das aber machen. Es muss am Ende geguckt werden, ob es eine gemeinsame Lösung geben wird. Das hängt auch vom Standort ab. Wenn dem einen Verein der Standort nicht gefällt, denn geht er vielleicht nicht mit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es uns gelingen wird, einen Standort zu finden. Die Gespräche sehen derzeit so aus. Und dann muss man hinsichtlich der Nutzung sehen, ob man alle unter einen Hut bekommt. Die westlichen Herringer werden wohl nicht mitgehen, denn die haben gerade erst ein neues Zentrum am Kanal gebaut. 

Hamm hat jetzt den Zuschuss für das Landesturnfest und die Special Olympics 2019 erhalten. Was kommt da auf die heimischen Vereine zu?

Kocker: Für die Vereine ist es eine Chance, wenn sie denn mitmachen wollen, sich zu präsentieren. Der NRW-Tag war ähnlich gestrickt, da hat der Stadtsportbund ja viel gemacht. Es gab eine breite Bühne für die Vereine. So soll es auch 2019 laufen. Der HSC engagiert sich besonders, nicht nur, weil er aus dem Turnbereich kommt, sondern weil er auch über die hauptamtlichen Strukturen verfügt. Was die Organisation angeht, wird sich der HSC, die Stadt und der Stadtportbund stark einbringen. Alle anderen Vereine können, wenn sie wollen, mitmachen. Ich bin mir sicher, dass es uns gelingen wird, die Stadt Hamm als Sportstadt darzustellen. 

Was wollen Sie in naher Zukunft mit dem Stadtsportbund bewegen? 

Kocker: Es gibt noch Bereiche, in denen sich der Stadtsportbund entwickeln muss. Ich habe ja schon erwähnt, dass der SSB Dienstleister der Vereine im organisatorischen Bereich sein muss. Ich habe aber bei meinem Besuch beim Landessportbund in Duisburg erfahren, dass Hamm eine Paraderolle im LSB einnimmt, was Modellprojekte angeht. Mit dem Projekt „Bewegt älter werden“ haben wir gerade eins vorgestellt. In den nächsten Monaten stellt die Stadt das Projekt „Konzept gegen Radikalismus“ vor. Da wird der Sport ein wesentlicher Bestandteil sein. Die Stadt wird verdeutlichen, wie wichtig die Vereine sind, um im Handlungskonzept gegen Rechts aktiv zu werden. Der Stadtsportbund kann gesellschaftspolitisch durchaus mehr machen, als er es ohnehin bisher schon getan hat. Wir sind engagiert im Offenen Ganztag, im Projekt „Bewegt älter werden“. Wenn es uns jetzt auch noch gelingt, im Handlungskonzept „Gegen Rechts“ aktiv zu werden, dann sind wir als Sport in dieser Stadt, der seine gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnimmt, ganz weit vorn. Da versuche ich den Stadtsportbund in den kommenden Jahren weiter zu entwickeln. Das ist ein Schwerpunkt, den ich mir gesetzt habe.

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