ASV-Trainer im Interview

Niels Pfannenschmidt sieht Potenzial für den Aufstieg

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Das Dessert hat sich Niels Pfannenschmidt verdient: Mit dem ASV Hamm-Westfalen belegte der Coach Platz fünf.

Hamm - Die Saison in der 2. Handball-Bundesliga ist Geschichte – und für den ASV Ham-Westfalen die sportlich erfolgreichste seit dem einjährigen Gastspiel in der 1. Liga. Für Niels Pfannenschmidt kein Grund zum Ausruhen. Im Gespräch mit Günter Thomas äußert sich der ASV-Trainer zu Höhepunkten und Enttäuschungen der abgelaufene Saison – und zur Zukunftsplanung.

Herr Pfannenschmidt, Sie haben nun ein Jahr ASV hinter sich – wie fühlt sich das an? 

Niels Pfannenschmidt: Ja, das war ein sehr turbulentes Jahr. Aber auch eines mit vielen Höhepunkten. Ich bin sehr zufrieden, um auf das Sportliche zu kommen. Wir haben den fünften Platz erreicht, das war die beste Platzierung seit der Einführung der eingleisigen zweiten Liga. Wir hatten die jüngste ASV-Mannschaft und den besten Zuschauerschnitt. Daran sieht man, dass die Fans das veränderte Spielsystem angenommen haben. Deswegen bin ich sehr zufrieden, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir sehr viele unglückliche Ausfälle hatten – mit Fuchs, Macke und Zdrahala, die lange gefehlt haben.

Sie hatten vor Saisonbeginn prophezeit, dass der Start holprig werden könnte – aufgrund von Verletzungen und Nationalmannschaftsabstellungen. So ist es gekommen. 

Pfannenschmidt: Holprig – wenn man es an den Punkten ausmacht – ist für mich keine Überraschung gewesen, zumal wir ohne Orlowski, Zdrahala, Gudat und Huesmann gestartet sind. In der kompletten Vorbereitung fehlte Zintel, der bei der Junioren-Nationalmannschaft war. Deswegen war das normal. Ich hatte mir ein System überlegt, das ich installieren wollte. Ein Abwehrsystem, weil ich da das größte Potenzial erkannt habe. Das bedarf einer gewissen Zeit. Am Ende hat es mir Recht gegeben, von meinem Kurs nicht groß abzuweichen, auch wenn wir schlechtere Spiele einkalkulieren und Rückschläge in Kauf nehmen mussten.

Auch im Umfeld hat es eine Zeit gedauert, bis sich alle Beteiligten aneinander gewöhnt haben. Wann hatten Sie das Gefühl, endgültig angekommen zu sein? 

Pfannenschmidt: Eigentlich schon die ganze Zeit. In meinem Team mit Physio Christopher (An. d. Red. Altehenger) und Athletiktrainer Thomas Isdepski, der ein sehr wichtiger Ansprechpartner für mich war – da hatte ich die ganze Zeit über ein gutes Gefühl. Im Laufe der Saison hat es sich auch mit den Fans sehr gut entwickelt. Da mussten wir uns erst annähern. 

Manager Kay Rothenpieler ist im Laufe der Saison aus seinem Amt ausgeschieden. Was hat sich für Sie dadurch verändert? 

Pfannenschmidt: Nicht so viel. Ich habe meinen sportlichen Part gehabt, die Spieler waren verpflichtet. Ich habe mich auf meine Aufgaben konzentriert. Ich habe Kay sicher nicht gefragt, wie ich gegen Erlangen spielen muss. Daher betraf das eher die Geschäftsstelle und nicht mich.

Welche Spieler haben aus Ihrer Sicht den größten Entwicklungssprung gemacht? 

Pfannenschmidt: Vorweg: Wir haben es erstmals geschafft, unsere Ausfälle ohne teure Nachverpflichtungen zu kompensieren. Wir haben das mit jungen, talentierten Spielern geschafft. Auch das Saisonende hat mir gefallen, als wir mit 10:0 Punkten aus der Serie gegangen sind. Heimschwäche habe ich nur bedingt empfunden. Es gab ruckelige Spiele, aber wir haben im Endeffekt 25:15 Punkte und Platz neun in der Heim-Tabelle. Um auf die Spieler zu kommen, weiß ich gar nicht, ob wir so viele herausheben können. Man sieht das in der Torschützenliste, wo wir oben gar nicht so vertreten sind. Wir hatten Phasen, da war der eine gut, dann welche, da war es der andere. Okay, Ondrej Zdrahala war, wenn er gespielt hat, schon bestimmend, fehlte aber oft. Stephan Just hatte auch Phasen, wo er uns geholfen hat. Erfreulich die Entwicklung von Fabian Huesmann, gerade in der Abwehr, wenn man bedenkt, dass er als Außenspieler in Minden im Innenblock gedeckt hat und danach auf Halb eine feste Größe war. Natürlich ist der Innenblock mit Macke und Fuchs hervorzuheben.

Und vorne? 

Pfannenschmidt: Da hat vor allem zum Ende hin Lukas Blohme einen großen Schritt gemacht. Auch zusammen in Verbindung mit Joscha Ritterbach waren die beiden Außen eine Waffe in Sachen Tempospiel. Aber insgesamt waren wir sehr ausgeglichen. Das war die wichtigste Erkenntnis.

Was hat Sie enttäuscht? 

Pfannenschmidt: Diese Niederlage in Nordhorn, auch wenn da viele fehlten, war mir deutlich zu hoch. Auch gegen Bad Schwartau zuhause. Das hat man dann auch am Torverhältnis gesehen. Aber dann gab es diese Erfolge gegen hoch gehandelter Mannschaften. Gegen Erlangen, in Minden – insgesamt überwiegt schon das Positive.

Jetzt verlassen einige Spieler den Verein, und es wird einen großen Umbruch geben. Wie lange, glauben Sie, wird es dauern, bis sich das neue Team gefunden hat? 

Pfannenschmidt: Das ist schwer zu sagen. Wir machen zwei Trainingslager. Björn Zintel wird wieder bei der Nationalmannschaft sein, ist Mitte August wieder da. Hinten werden wir es hinkriegen, denn der Innenblock ist da. Aber vorne müssen wir das System neu installieren, weil viele Spieler weg sind.

Glauben Sie, die Abgänge durch die Neuzugänge entsprechend kompensiert zu haben? 

Pfannenschmidt: Natürlich, ich habe diese Leute ja mit verpflichtet und bin von ihnen überzeugt. Wir haben mit Fanner Fridgeirsson einen Führungsspieler verpflichtet, der Erfahrung mitbringt, Bundesliga gespielt hat und Abwehr spielen kann. Denn ich habe darauf geachtet, dass die Neuen das können und wir diesen Angriff-Abwehr-Wechsel nicht mehr haben. Fanner kann sowohl Innenblock als auch auf der Halbposition decken. Er ist etwas kompletter, vorne strukturierter und leitet das Spiel mehr als Ondrej, der mehr individuelle Fähigkeiten besitzt. Christoph Neuhold ist ein sehr interessanter Mann aus Österreich, Nationalspieler, jung. deckt dort im Innenblock. Ich bin in Kontakt mit dem Nationaltrainer. Christoph hat auch vorne eine gute Saison in der österreichischen Liga gespielt. Ich glaube, das ist so ein Geheimtipp. Felix Storbeck ist schon bekannt, der wird seine Rolle hier finden. Und Daniel Eggert ist als Pendant zu Julian Possehl auch gut, weil er einfach ein anderer Spielertyp ist. Etwas größer, wurfkräftiger – und er deckt auf der Halbposition, was mir sehr wichtig war. So glaube ich, haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Abgänge ganz gut kompensiert. Aber trotzdem ist es wieder ein Neuanfang – vielleicht aber auch eine Chance.

Fanner Fridgeirsson hat Ihren Ligakonkurrenten Hagen vorzeitig verlassen. Wissen Sie um die Beweggründe? 

Pfannenschmidt: Keine Ahnung. Aber alle, die ihn trainiert haben, reden von einem super otivierten Profi, der immer alles gibt. Wandschneider, Kubes loben seine professionelle Einstellung. Ich bin froh, dass wir ihn haben. Das ist einfach ein guter Typ.

Sie sind bekannt dafür, gerne mit jungen Spielern zu arbeiten. Sehen Sie im ASV-Nachwuchs ein Talent, das den Sprung in den Bundesliga-Kader schaffen kann? 

Pfannenschmidt: Jan Pretzewofsky trainiert ja schon bei uns. Er wird in der Vorbereitung komplett dabei sein, weil Lars Gudat ja weiter ausfällt. Da probieren wir schonmal, einen aus dem eigenen Stall zu integrieren. Dann habe ich Julius Herbert noch dazu geholt aus Lemgo, der sicherlich ein Talent ist. Vincent Saalmann war letztes Jahr schon dabei. Das sind ein paar Kandidaten, die wir heranführen wollen. Dann haben wir neben dem jungen Torhüter Patrick Krömer noch Dustin Mechelhoff aus Minden dazu geholt. Der ist gebürtig aus Lengerich, wo ich bei einem Handballcamp zu Gast war. Ein sehr talentierter Torwart. So versuchen wir, diese Verbindung Oberliga, A-Jugend, Bundesliga weiter zu intensivieren. Auch mit individuellem Training, das ich dann leite.

Die neue Saison wird einige Neuerungen bringen. Die einschneidendste ist für Sie, dass der zusätzliche Feldspieler kein Leibchen mehr tragen muss. Warum?

Pfannenschmidt: Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Wenn das alle so verfolgen, wird es den Handballsport verändern. Denn du spielst ständig in Unterzahl. Das musst du lernen. Das sind nicht mehr diese 1:1-Geschichten. Ich beschäftige mich auf jeden Fall damit und denke, dass das die anderen Trainer auch machen werden. Alles andere wäre fahrlässig. Ich glaube, dass gerade die unteren Mannschaften gegen die höheren dadurch eine größere Chance haben werden. Ich bin gespannt, wie sich das durchsetzt, wer es macht und wer nicht.

Sie erhoffen sich, mit dem neuen Kader über einen längeren Zeitpunkt arbeiten zu können. Wie sehen denn Ihre eigenen sportlichen Zukunftspläne aus? 

Pfannenschmidt: Ich habe noch ein Jahr Vertrag, und dann muss man sich da mal drüber unterhalten. Für mich ist es wichtig, wo der Verein hin will. Sind die Rahmenbedingungen für 2-5-1 da. Sonst macht es mir Spaß. Ich kann mir gut vorstellen, hier zu bleiben. Aber wie bei fünf, sechs Spielern, deren Verträge auslaufen, muss man sich da frühzeitig Gedanken machen, damit man dann planen kann. Da wären Gespräche mit dem Trainer auf jeden Fall das Erste.

Das 2-5-1-Motto des ASV – in fünf Jahren von der zweiten in die erste Liga – geht nun in seine dritte Saison. Ist das Last oder Motivation für Sie als Trainer? 

Pfannenschmidt: Ich werde halt immer wieder darauf angesprochen. Eine Last ist es eigentlich nicht. Wir konzentrieren uns auf das Sportliche, wollen eine ähnlich gute Rolle spielen wie im vergangenen Jahr. Vielleicht geht mehr, vielleicht werden wir Siebter. Wenn wir wieder wie in diesem Jahr eintrudeln, wäre das ein Riesenerfolg. Für 2-5-1 müssen halt irgendwann die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden.

Glauben Sie, dass der ASV das Potenzial hat, noch einmal in die erste Liga aufzusteigen – und sich dort zu halten? 

Pfannenschmidt: Das Potenzial, aufzusteigen, haben wir. Dann muss aber alles passen. Wir dürfen aber nur wenig Verletzte und Glück mit dem Terminkalender haben. Dann haben wir eine Chance, ganz oben mitzuspielen. Aber sollte der Fall des Aufstiegs einmal eintreffen, müssen wir noch ein paar Hausaufgaben machen, um in der ersten Liga bestehen zu können.

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