Handball: ASV-Akteure im Testlabor

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Fannar Fridgeirsson

Münster - Leistungstests sind für Niels Pfannenschmidt nichts Neues. „Ich habe auch früher schon mit Universitäten zusammengearbeitet“, sagte der Trainer des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen am Rande des Tests, dem sich seine Spieler bei den Sportwissenschaftlern der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster unterzogen. „Bisher habe ich mit der Uni Paderborn zusammengearbeitet. Aber so ausgiebig wie hier, habe ich das noch nicht gemacht.“

Elf verschiedene Stationen musste jeder Akteur durchlaufen, die unterschiedliche motorische und geistige Anforderungen an die Prüflinge stellten. Als erstes ging es in ein Nebengebäude der Sporthalle, wo unter anderem Wahrnehmungsgeschwindigkeit, peripheres Sehen und Reaktionsgeschwindigkeit untersucht wurden. „Das ist für mich etwas ganz Neues“, erklärte der ASV-Coach. Aber auch Buchstaben- und Zahlenreihen mussten unter Zeitdruck miteinander verbunden werden, ohne Auslassungs- und Verwechslungsfehler zu begehen. Auf den ersten Blick ungewöhnlich für einen sportlichen Leistungstest.

„Ich verstehe, dass das ungewohnt ist“, räumte Professor Dr. Karen Zentgraf ein, die eine Professur für Leistung und Training im Sport am Institut für Sportwissenschaft innehat. „Aber in den vergangenen Jahren hat sich einiges verändert. Gute Handballer unterscheiden sich deutlich darin, wie gut sie Spielsituationen lesen können und daraufhin die richtigen motorischen Antworten geben. Stellen wir fest, dass Spieler im Wahrnehmungsbereich deutliche Schwächen gegenüber ihren Mitspielern aufweisen, dann kann das ins Training mit einfließen, um die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung unter körperlicher Belastung zu steigern.“

Klingt komplex. Ist es auch, macht die Professorin deutlich. Deshalb sammelte sie zusammen mit elf Mitarbeitern einen Tag lang individuelle Daten der einzelnen Spieler. Schweiß lief in Strömen. In der Turnhalle wartete Athletiktrainerin Ronja, die Macke und Co. Beine machte. 20-Meter-Sprints, Agility-Test, ein Schnelligkeitsparcours mit Richtungswechseln, Abstopp- und Beschleunigungselementen in maximalem Tempo sowie Ausdauerüberprüfung und Sprungtests im Speziallabor rundeten das Programm ab. Die Spieler wurden an Füßen und Rücken mit Sensoren versehen und mussten Sprünge auf speziellen, druckempfindlichen Messplatten ausführen. Sechs Infrarotkameras erfassten die Bewegungsabläufe, die im Computer analysiert wurden.

Eine Woche braucht das Forscherteam, um die Daten auszuwerten. Am Ende erhält Pfannenschmidt ein Buch mit individuellen Leistungsdaten seiner Spieler. „Ich bin gespannt, was da drin steht“, sagte er lachend. Aber viel wichtiger ist ihm, Informationen zu bekommen, in welchen Bereichen Defizite vorliegen. „Dann können wir gezielt daran arbeiten“, fügt er hinzu. Denn Ziel ist es, jeden Einzelnen besser zu machen und durch gezieltes Training das Verletzungsrisiko zu minimieren.

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