Einstiger WM-Held in der Oberliga

Hammer SpVg stellt David Odonkor als Sportlichen Leiter vor

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Hamm - Es war alles vorbereitet für den hohen Besuch. Auf der Anzeigetafel des Stadions prangte sein Name in großen Buchstaben, nicht weit davon entfernt, im Vip-Raum, stand ein Fernseher, der in Endlosschleife Szenen mit ihm zeigte, die sich in das kollektive deutsche Fußball-Gedächtnis eingebrannt haben – Fotos von der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. 

Das Gesicht auf diesen Bildern und der Name gehörten zu David Odonkor. Und er ist nicht mehr nur zu Besuch bei der Hammer SpVg. Er ist jetzt ihr Sportlicher Leiter. Die Nachricht vom Engagement des einstigen WM-Helden in der westfälischen Fußball-Oberliga war zu Beginn der vergangenen Woche bundesweit auf Interesse gestoßen. Am Montagabend waren es gut 70 Neugierige, die in den Container des Clubs im Schatten der Tribüne kamen, um sich den Neuen anzusehen – den Neuen, den jeder bereits zu kennen glaubt. Als Profi von Borussia Dortmund und Betis Sevilla. Als den Spieler, den der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann überraschend in den WM-Kader berief, und der es mit der Flanke zum wichtigen 1:0-Sieg gegen Polen dankte. Als den Mann, der vor zwei Monaten die Sympathien eines Millionenpublikums und damit die dritte Staffel des TV-Formats „Promi Big Brother“ gewann.

Wie ein WM-Star oder gar ein Promi führte sich Odonkor am Montag nicht auf. Ganz im Gegenteil. Der 31-Jährige, der seine aktive Karriere wegen Verletzungen bereits 2013 beenden musste, rutschte bei seiner offiziellen Vorstellung auf dem Hocker hin und her und nestelte immer wieder am Kragen seines weißen Hemdes. Der große öffentliche Auftritt ist seine Sache nicht, das wurde deutlich. Doch der gehört laut HSV-Sportchef Achim Hickmann auch nicht zu Odonkors Aufgaben. „David bringt ein unwahrscheinliches Fachwissen über Fußball mit. Er weiß, wie man professioneller an gewisse Dinge herangeht. Er soll seine Erfahrung, sein Wissen, seine Präsenz hier in allen Bereichen einbringen. Und das allein wird schon dazu beitragen, dass wir uns um einige Prozent verbessern“, so Hickmann, der von den Gesprächen mit Odonkor offenbar angetan war: „Mit jedem weiteren Wort, jedem weiteren Satz habe ich gesehen, es passt besser und besser. Und es reifte die Entscheidung, dass wir es zusammen probieren.“

Vorstellung: David Odonkor wird Sportlicher Leiter der Hammer SpVg

Für Odonkor, der in Bielefeld lebt, ist die HSV nach zwei Stationen als Co-Trainer (Herford, Verl) sowie einem Trainer-Intermezzo beim letztjährigen Westfalenligisten TuS Dornberg die erste Station als Sportlicher Leiter. Er soll sich im Hammer Osten um das erste und zweite Herrenteam sowie die Koordination mit dem Nachwuchsbereich kümmern. Und natürlich auch um neue Spieler. Erst in der vergangenen Woche wurden durch Auflösung der Verträge mit Marcel Ramsey und Dursun Akdag zwei Plätze im Oberliga-Kader frei. Plätze, die in der Winterpause wohl neu besetzt werden.

Mit wem, das sagte Odonkor nicht. Er verwies kurz auf seine Kontakte in Jugend- und Herrenbereiche von Bundesligisten, betonte später aber: „Wenn ich weiß, der Spieler hat Qualität, dann ist die Liga egal. Wichtig ist nur, dass er die Mannschaft weiterbringt. Ich werde mich mit dem Trainer zusammensetzen und schauen, was fehlt, wo wir uns verbessern können. Und ich versuche, den Spieler hierhin zu lotsen und Erfolg zu haben.“ Auch bei seinen Zielen mit der HSV blieb er vage und verwies auf das bevorstehende Heimspiel gegen Schlusslicht Zweckel (Samstag, 14.30 Uhr). „Das wird keine leichte Aufgabe. Wir möchten oben dran bleiben und die Saison noch spannender machen.“

Nach nur elf Minuten war der offizielle Teil der Vorstellung vorbei. Der WM-Held von 2006 beantwortete freundlich noch ein paar Fragen, zog sich dann die Jacke über und ging hinüber zu den Kabinen. Zum Treffen mit Mannschaft und Trainer.

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