Der Hammer Kanute Jonas Ems beendet seine Karriere

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Jonas Ems jubelt am 12. August 2007 bei der Kanu-WM in Duisburg nach dem Sieg im Kajak-Einer der Männer.

Hamm - Jonas Ems hat in diesen Tagen eine Menge zu tun. Und das auf eher ungewohntem Terrain. Der 30-Jährige bricht gerade seine Zelte in Essen ab, räumt seine Wohnung in der Nähe des Baldeneysees aus und zieht mit seiner Freundin Friederike Leue und den beiden gemeinsamen Töchtern im Alter von zweieinhalb Jahren und zwei Monaten zurück nach Hamm, in seine Heimatstadt. „Meine Familie ist hier vor Ort, da ist das im Gesamtpaket einfacher“, sagt der Kanurennsportler, der am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften in Brandenburg sein letztes Rennen bestritt und damit in Sachen Kanurennsport seine beeindruckende Karriere beendet hat.

Jahrelang hatte ihm sein Arbeitgeber, die Berufsfeuerwehr in Essen, den Rücken freigehalten, um an Trainingslagern teilzunehmen, das umfangreiche Vorbereitungsprogramm durchzuziehen und bei Rennen überall auf der Welt zu starten. „Dreiviertel des Jahres war ich unterwegs“, sagt Ems. „Das war alles großartig, zumal ich Orte bereist habe, die ich sonst vielleicht nie gesehen hätte, und ich habe Freunde fürs Leben gefunden. Aber es wird jetzt auch mal schön sein, die Füße hochzulegen.“

Bei der DJK Wassersport an der Schleuse am Datteln-Hamm-Kanal hatte Ems seine ersten Paddelerfahrungen gesammelt und hätte sich in seiner Anfangszeit, als er oft im Zweier zusammen mit Andreas Baum unterwegs war, nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorstellen können, was er im Kanu alles erreichen wird. 2008 in Peking und 2012 in London nahm er an zwei Olympischen Sommerspielen teil, 2007 wurde er im spanischen Pontevedra Europa- und dann in Duisburg Weltmeister über 200 m. „Das war eine sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte“, erinnert sich Ems. „Ich habe bei den Weltcups, bei Welt-, Europa- und bei Deutschen Meisterschaften einige Medaillen gefangen, da ist gut was zusammen gekommen. Der WM-Sieg 2007 war dabei natürlich eine besondere Hausnummer, zumal es ja beim Heimspiel auf der Wedau war.“

In diesem Jahr hatte er dann aber im Mai die Qualifikation für die Spiele in Rio de Janeiro verpasst und anschließend sein Pensum bei der KG Essen reduziert. „Schade, dass es nicht zum dritten Mal für Olympia gereicht hat“, sagt Ems, der anschließend nicht mehr sieben Tage pro Woche trainierte, sondern nur noch viermal. „Da geplant war, dass ich bei den Deutschen in Brandenburg im Zweier und Vierer fahre, wollte ich die anderen Jungs nicht hängen lassen, für sie war das ja der Jahreshöhepunkt. Ich habe dann nur noch das Nötigste getan. Aber ich habe schon gemerkt, dass es mit dem geringeren Trainingsumfang nicht mehr ganz so leicht ging.“

Dennoch waren die Meisterschaften für ihn ein toller Abschluss seiner Laufbahn. Im Zweier wurde er zusammen mit Christopher Weiland Sechster, im NRW-Vierer ergatterte er noch einmal eine Silbermedaille (der WA berichtete). „Das war eine feine Sache. Aber es war auch das offizielle Ende meiner Karriere. Sicher werde ich noch mal ein Paddel in die Hand nehmen, um abzutrainieren oder bei der DJK Wassersport ein bisschen zu fahren. Aber es sind keine Trainingslager oder große Rennen mehr geplant“, sagt Ems, der nun mehr Zeit für andere Dinge hat. Zum einen für seine junge Familie, zum anderen aber auch für seinen Arbeitgeber, denn Ems wird weiter seine Brötchen bei der Feuerwehr in Essen verdienen, nun aber in Vollzeit.

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