Hoffnungsträger auf Raten: Fridgeirsson deutet sein Können an

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Patient ASV: Fannar Thor Fridgeirsson (rechts, wird hier von Physiotherapeut Christopher Altehenger behandelt), gilt als Hoffnungsträger in der jungen Zweitliga-Mannschaft. Nach langer Verletzung befindet er sich auf dem Weg zu alter Form.

Rostock - Mittelmann Fannar Thor Fridgeirsson war einer der wenigen Lichtblicke während der Pleite des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen beim HC Empor Rostock. Trainer Niels Pfannenschmidt weiß, dass der Isländer und sein junges Team noch Zeit brauchen - doch gerade die fehlt. 

Fannar Thor Fridgeirsson tankte sich halbrechts an den Kreis durch, stand frei vor Rostocks Paul Porath und traf mit seinem Wurf genau den Keeper der Gastgeber. Eine Minute und 40 Sekunden vor dem Ende avancierte der Isländer in den Reihen des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen zum tragischen Helden – und doch gehörte der Mittelmann zu den wenigen Lichtblicken während der enttäuschenden 26:28-Niederlage beim Schlusslicht HC Empor Rostock. 

Mit bedrückter Miene schlenderte Fridgeirsson rund eine halbe Stunde nach Spielende durch den Kabinengang der Rostocker Ospa Arena. 37 Minuten lang hatte er zuvor von der Bank aus verfolgt, wie dem ASV die Partie beim bis dato sieglosen HC Empor nach ordentlicher erster Hälfte aus den Händen geglitten war. Dann hatte Trainer Niels Pfannenschmidt die Zeichen erkannt und den mit 29 Jahren ältesten Handballer im Hammer Kader auf das Feld beordert. 

Isländer sorgt spürbar für Struktur

Fridgeirsson führte sich mit einem feinen Zuspiel auf Lukas Blohme ein, das der Rechtsaußen zum 16:18 nutzte. Anschließend lenkte er die Angriffe des ASV, verlieh dem Spiel der Gäste deutlich mehr Struktur und traf selbst noch zweimal. Die Ausgleichschance nach zwischenzeitlichem Fünf-Tore-Rückstand ließ er jedoch wie erwähnt ungenutzt. „Das war einfach schlecht“, sagte der Isländer selbstkritisch. „Wir machen derzeit zu einfache Fehler, und das können wir uns nicht leisten.“ 

Ähnlich sah der Trainer die Leistung seiner Formation. „Ich hatte das Gefühl, dass wir mit angezogener Handbremse gespielt haben“, haderte Pfannenschmidt. „Wir hatten wie in Saarlouis viele Fehlwürfe und fangen erst an Handball zu spielen, wenn die Partie fast vorbei ist.“ 

Schulter schmerzt nicht mehr

Dem letztlich entscheidenden Fehlschützen wollte der ASV-Coach keinen Vorwurf machen: „Mit Fannar kam die Wende. Er hat uns neue Impulse gegeben – auch in der Abwehr.“ Den 23-minütigen Einsatz zog Fridgeirsson nicht an einem Stück durch, Pfannenschmidt verordnete ihm zwischenzeitlich eine kurze Pause zum Durchatmen. 

„Ich habe Bock, muss aber noch viel arbeiten“, weiß der Isländer, der seine letzte Partie über die volle Distanz im Dezember des vergangenen Jahres bestritt. Seit März war für ihn aufgrund einer Schulterverletzung gar nicht mehr an Handballspielen zu denken, so verpasste Fridgeirsson große Teile der Vorbereitung. „Ich spüre an der Schulter keine Schmerzen mehr, aber sie ist noch etwas verkrampft“, beschrieb er. 

"Brauchen Zeit, die wir aber nicht haben"

Pfannenschmidt baut in einer ansonsten sehr jungen Mannschaft auf Fridgeirsson – das war für den Mittelmann ein wesentlicher Beweggrund für die Unterschrift in Hamm. „Man sieht schon jetzt, wie wertvoll er für uns ist“, erklärte der Trainer. „Gerade wenn es hektisch wird, fehlt uns einer, der das Team führt.“ 

Für den Hoffnungsträger gilt, was derzeit wohl für das ganze Team zuzutreffen scheint. „Die zwei Auswärtsspiele in dieser Saison waren nicht in Ordnung. Die junge Mannschaft braucht noch Zeit, die wir aber eigentlich nicht haben“, sagte Pfannenschmidt zähneknirschend. Die nächste Aufgabe in Liga zwei wartet schon am kommenden Sonntag auf den ASV: Die TSG Ludwigshafen-Friesenheim ist zu Gast in Hamm.

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