Erster Einsatz im Beachhandball-Nationalteam

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Jakob Macke

HAMM - Während sich seine Teamkollegen irgendwo in der Welt am Strand sonnen, kann Jakob Macke auch in seiner Freizeit nicht ganz vom Handball lassen. Der Kapitän des Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen ist seit kurzem Mitglied der deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft – und vereint damit seinen Sport und das Strandfeeling perfekt.

Am Freitag macht sich der ASV-Abwehrchef gemeinsam mit Bundestrainer Kai Bierbaum auf nach Prag, um dort an einem Vorbereitungsturnier für die 2017 in der kroatischen Küstenstadt Umag (23. Juni bis 02. Juli) stattfindende Europameisterschaft teilzunehmen. „Der Kontakt ist über den Bundestrainer gekommen“, sagt Macke. „Ich kenne Kai noch von früher, als wir gemeinsam Beach gespielt haben. Und im Juni hat er mich zu einem Sichtungstraining eingeladen.“

Dabei hatte der Student seit 2011 gar nicht mehr auf dem ungewohnten Untergrund gespielt und stattdessen seine Hallen-Karriere vorangetrieben. Doch als der Anruf von Bierbaum kam, war die Lust auf das Beachen sofort wieder da. „Die Nationalmannschaft ist erst im vergangenen Jahr nach längerer Pause wieder ins Leben gerufen worden“, sagt Macke. „Und der DHB hat das Ziel, diesen Sport wieder mehr aus der Versenkung zu holen, der im Moment ja noch als Funsport verschrien. Aber das ist nicht der Fall – definitiv nicht.“

Zwei Lehrgänge haben die zwölf Spieler, die derzeit zum Nationalkader gehören absolviert. Dazu kommt das Turnier in Prag. „Für mich wird es das damit schon wieder gewesen sein“, sagt Macke. „Denn in der nächsten Woche beginnt die Hallensaison ja schon.“

Der Deutsche Handball-Bund (DHB) plant jedoch, für das Spiel auf Sand künftig eine Sommerserie aufzubauen: „Beim Beachvolleyball kamen die Strukturen auch erst ab dem Zeitpunkt, als es olympisch wurde, und wir befinden uns auf der Zielgeraden dahin, dass es vielleicht 2024 klappen kann. Ich hoffe daher, dass sich in den nächsten ein, zwei Jahren einiges ändern und das Beachen einen rasanten Aufstieg nehmen wird“, sagt Bierbaum. Das Spiel an sich habe ähnlich wie der Volleyballsport im Sand großes Potenzial, um auch publikumswirksam zu werden.

Dass er Macke für seinen Kader ausgewählt hat, hat für Bierbaum einen einfachen Grund. „Das Interesse war da. Und er bringt alle Voraussetzungen im athletischen Bereich mit“, lobt Bierbaum den Hallen-Abwehrspezialisten. „Jakob hat bei der Sichtung gezeigt, was er früher schon konnte und sich als Handballer sogar deutlich verbessert. Und er ist flexibel einsetzbar, was ihn noch wertvoller macht.“

Dass Macke überhaupt dabei sein kann, verdankt er aber auch seinem Verein, dem ASV, „der sich sehr kooperativ gezeigt hat“, freut sich der Bundestrainer. Das ist längst nicht überall so. Nicht zuletzt aus diesem Grund finden sich auch kaum Erstligaspieler im Kader. Dominik Weiß aus Stuttgart ist da derzeit mit dem Göppinger Daniel Rebmann die Ausnahme. „Auch vom 2006-Weltmeister Dominik Klein hatten wir im vergangenen Jahr schon Grünes Licht. Aber dann kam bei ihm ein Kreuzbandriss dazwischen“, ärgert sich Bierbaum.

Das Regelwerk ist dabei schon um einiges vom Hallenhandball entfernt. Gespielt wird mit drei Feldspielern und einem Torwart, der sich im Angriff ins Spiel einschaltet. „Torwarttore zählen doppelt, ein Kempa auch“, erklärt Macke. „Und wenn der Schütze vor dem Wurf eine 360-Grad-Drehung macht, zählt das auch doppelt – und das Wichtigste: gespielt wird ohne Körperkontakt. Das ist schon spektakulär anzusehen.“

Gespielt wird zwei Mal zehn Minuten, wobei jede Halbzeit für sich gewertet wird. Steht es nach zwei Sätzen 1:1, gibt es ein „Shootout“. „Das geht schon schnell, und es fallen viele Tore“, sagt Macke, der aber einräumt: „Vom Profitum sind wir in Deutschland meilenweit entfernt – da sind andere Nationen wesentlich weiter. Aber da ist etwas im Aufbau. Und es ist echt spannend zu verfolgen, ob es klappt.“

In Prag trifft das deutsche Team ab heute auf Mannschaften aus Australien, der Slowakei, Norwegen und Tschechien. Wie seine eigene Truppe dort abschneiden wird, vermag Bierbaum noch nicht zu sagen. „Aber ich bin ein Typ. der immer gewinnen will.“ Eine Eigenschaft, die er mit Jakob Macke zumindest schon einmal gemeinsam haben dürfte.

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