Hammer Eisbären unter neuer Leitung

Gabriele Dittko: Eine Chefin für die harten Eishockey-Jungs

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Neue Sportliche Leiterin der Hammer Eisbären: Gabriele Dittko.

Hamm - Gabriele Dittko ist eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten im NRW-Eishockey. Die 66-Jährige ist als Frau eine Ausnahme-Erscheinung in einem Sport, bei dem sich harte Männer wechselseitig in die Bande rammen und hin und wieder die Faust ins Gesicht. Und sie ist so etwas wie der heimliche Königstransfer der Hammer Eisbären: Dittko ist neue Sportliche Leiterin des Eishockey-Regionalligisten.

Es waren aus Sicht der Eisbären glückliche Umstände, die Dittko zu ihnen führte. Sie arbeitete für den Liga-Konkurrenten Eisadler Dortmund, den sie 2013 mitgegründet hatte. Im Herbst verließ sie ihn jedoch. Schnell kamen die Anfragen von den Dinslaken Kobras und den Hammer Eisbären, ob sie bei ihnen nicht die Sportliche Leitung übernehmen wolle. Dittko entschied sich für Hamm. Wegen der kürzeren Fahrten, vor allem aber wegen der guten Gespräche mit Werner Nimmert und Jan Koch.

Die beiden Eisbären-Verantwortlichen freuen sich über ihren Fang. Dittko ist erfahren im Umgang mit Spielern, gilt als durchsetzungsstark und kennt sich im Paragraphendschungel der Verbände aus. Nicht zuletzt eröffnet sie dem Verein durch ihre guten Kontakte neue Möglichkeiten auf dem Spielermarkt. Dittko ist Netzwerkerin. Das war sie schon lange bevor dieser Begriff im Duden stand. Wer im nordrhein-westfälischen Amateur-Eishockey und auch darüber hinaus etwas zu sagen hat, der kennt sie. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sein Name in einem ihrer Adressbücher auftaucht. Eishockey ist ein wichtiger Teil ihres Lebens.

Erfahrung

Dass es einmal so kommen würde – daran hatte Dittko nicht gedacht, als sie vor fast 40 Jahren beim damaligen ERC Westfalen den Job des zurückgetretenen Jugend-Obmanns übernahm. 15 Jahre lang arbeitete sie in Dortmund in der Jugendabteilung, später wechselte sie in den Seniorenbereich, noch später nach Dorsten, Lünen und schließlich wieder zurück nach Dortmund.

In all diesen Jahren wuchs ihr Netzwerk. Und wuchs. Vereine kontaktieren sie regelmäßig und bitten um Hilfe bei der Spielersuche. Benötigt Dittko einen schussstarken Verteidiger, schaut sie in ihren Notizbüchern nach. „Und wenn ich einen Kanadier brauche, rufe ich halt in Kanada an“, sagt Dittko. Akzeptanzprobleme in der rauen Welt des Eishockeys hatte sie nie, sagt sie: „In so einer Männergesellschaft fällt schon mal das eine oder andere Wort. Da habe ich kein Problem mit.“

Kennenlernen

Einige Spieler des Eisbären-Kaders kennen ihre neue Sportliche Leiterin bereits – aus Dortmund etwa brachte sie Andre Kuchnia, Tommy Kuntu-Blankson, Marvin Cohut und Kai Domula mit. Wer sie noch nicht kennt, wird das spätestens nach dem 1. Juli tun. Für diesen Tag hat sie die Akteure per Whatsapp-Gruppe zum Einkleiden einbestellt. Dittko wird die Gelegenheit nutzen und ihnen ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg geben: Abmeldung bei Krankheit, Handyverbot in der Kabine, Aufräumen – bei Regelbruch freut sich die Teamkasse. „Ich führe kein hartes Regiment, aber es muss schon Zug drin sein“, sagt sie.

Im Moment herrscht noch Ruhe; es ist die Zeit zwischen Kaderzusammenstellung und Saisonstart. Aus Training und Coaching wird sich Dittko heraushalten. Das ist allein Sache von Trainer Daniel Galonska. „Ich mische mich erst ein, wenn sich ein Spieler ungebührlich verhält oder ein Problem mit anderen hat. Oder Hilfe braucht. Ich bin wie ein Kummerkasten“, sagt Dittko: „Ich habe Spaß daran, mich mit den Spielern zu unterhalten und sie zu führen. Ich schließe sie in mein Herz. Aber wenn es sein muss, knallt es. Die Chefin bin ich.“

Zukunft

Sie kennt das Hammer Eishockey – wenn auch bislang vor allem aus der Gegnerperspektive. Von ihrer neuen Wirkungsstätte hat sie einen guten Eindruck. „Sie haben hier einen Wahnsinnsjob mit der Eishalle gemacht. Bei der Rettung ging es ja nicht nur um Eishockey, sondern auch um Freizeitmöglichkeiten für die Kinder“, lobt die 66-Jährige. Die sportliche Perspektive will sie aber nicht aus den Augen verlieren: „Ich kann sicher dazu beitragen, dass die Eisbären in die richtige, vernünftige Oberliga aufsteigen. Vorausgesetzt, das finanzielle Risiko ist nicht zu hoch. Versuchen sollte man es, denn es kann ja nicht Sinn und Zweck sein, um die Goldene Ananas zu spielen.“

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