Fannar Thor Fridgeirsson tritt beim ASV in große Fußstapfen

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Geht im Training stets voran:-Neuzugang Fannar Thor Fridgeirsson. ASV

Hamm – An die Begrüßung dürfte sich Fannar Thor Fridgeirsson schon gewöhnt haben. Wo der Neuzugang des ASV Hamm-Westfalen derzeit auftaucht, das „Húh!“, das die isländischen Fans während der Fußball-EM in Frankreich zu einem Klatsch-Rhythmus zelebriert haben, bekommt er oft zu hören. Für mindestens zwei Jahre macht Fridgeirsson Station beim Hammer Handball-Zweitligisten. Und er hätte nichts dagegen, wenn ihn die Fans in der Westpress-Arena künftig ähnlich unterstützen würden wie die Isländer ihr Fußball-Team.

Fridgeirsson weiß, dass er beim ASV auf der Spielmacherposition in große Fußstapfen tritt. Denn er soll Ondrej Zdrahala, der in den vergangenen drei Jahren auf Rückraum Mitte Dreh- und Angelpunkt des Hammer Offensivspiels war, ersetzen. Vergleichen möchte er sich mit dem zum schweizerischen Erstligisten St. Gallen abgewanderten tschechischen Nationalspieler allerdings nicht. „Ich kenne ihn ja als Gegner. Er ist auch ein toller Spieler“, sagt Fridgeirsson. „Aber es ist nicht mein Ziel, seine Rolle zu übernehmen. Ich bin ein komplett anderer Typ mit anderen Qualitäten und Schwächen. Ich werde einfach meinen Job machen – und das hoffentlich so gut wie er.“ Der erste Isländer im ASV-Trikot sieht sich ohnehin als Mann für viele Positionen. „Zdrahala ist als Angriffsspieler überragend. Ich bin eher ein Allrounder“, sagt der 29-Jährige. „Ich kann von Rückraum Mitte bis Linksaußen jede Position spielen. Und Abwehr mache ich auch gerne.“

Gerade seine Qualitäten in der Defensive sind für ASV-Coach Niels Pfannenschmidt ein starkes Argument gewesen, um den Rechtshänder, der in der vergangenen Saison noch beim Ligakonkurrenten Eintracht Hagen unter Vertrag stand, zu verpflichten. „Fannar ist ein sehr kompletter Spieler, der auch in der Deckung sehr stark ist, sehr giftig in den Zweikämpfen“, sagt der Coach. „Vorne ist er dagegen eher ein Stratege. Er soll meine rechte Hand auf dem Spielfeld werden, bringt einiges an Erfahrung und Spielverständnis mit, und er soll die Mannschaft führen.“

Bis 2010 spielte Fridgeirsson, den Pfannenschmidt als sehr sympathischen und trainingseifrigen Spieler bezeichnet („Er bringt einen neuen Geist mit, ist immer ganz vorne zu finden.“), in seiner Geburtsstadt für Valur Reykjavik, ehe er für zwei Jahre ins Münsterland zum TV Emsdetten ging. Nach einem Jahr in Liga eins bei der HSG Wetzlar wechselte er zum TV Großwallstadt. „Langfristig bei einem Verein zu bleiben war mein Plan in Großwallstadt, aber dann ging der Club in die Insolvenz, und ich musste eine schnelle Lösung finden, weil meine Freundin Kathrin schwanger war“, sagt der Mittelmann. „Dann kam Hagen.“ Auch dort lief es nicht wie geplant. Im März trennten sich Verein und Spieler. Einvernehmlich, betont Fridgeirsson. Es bleibt dennoch ein Kapitel, über das der Isländer nicht mehr viel reden mag. „Das hat nicht gepasst, und dann haben wir diese Lösung getroffen“, sagt er. „Und in Hamm habe ich ja schon frühzeitig unterschrieben.“

Daher ließ er es in den vergangenen Monaten handballerisch ruhiger angehen, hielt sich im Fitnessraum und beim Erstligisten Bergischer HC fit. Und beendete vor allem sein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit der Bachelor-Arbeit. „Ansonsten habe ich diese Zeit genossen. Ich habe ein elf Monate altes Kind zuhause und ein bisschen Urlaub gemacht. Und jetzt bin ich froh, dass ich mich zu 100 Prozent auf Hamm konzentrieren kann.“

Sein erster Eindruck vom neuen Verein ist gut. „Der Verein hat, als ich nach Deutschland gekommen bin, in der ersten Liga gespielt“, sagt Fridgeirsson. „Nach einem Abstieg ist es immer schwierig, aber die haben sich hier gut entwickelt. Das ist ein sehr professioneller Verein mit vielen Zuschauern in der Halle – wie man es sich wünscht.“

Seine persönlichen Ziele hat der 29-Jährige eng mit denen der Mannschaft verknüpft. „Wenn man hart arbeitet, hilft man seiner Mannschaft. Und wenn alle 100 Prozent Gas geben, können wir hoffentlich auch alle froh sein am Ende“, sagt er. „Das ist einfach eine junge Truppe hier, eine hungrige Mannschaft, die sich noch mehr zeigen will. Und für mich wäre es nicht schlecht, wenn ich ein bisschen näher an die Nationalmannschaft kommen kann.“ In der spielte er bei der WM 2013 schon einmal. Und dorthin möchte er gerne zurück – um vielleicht einmal eine ähnliche Euphorie in seiner Heimat zu entfachen wie die Kollegen vom Fußball.

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