Derbysieg in Rhynern: Die HSV zeigt mehr Willen und Leidenschaft

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Nach Spielschluss feierte die Hammer SpVg vor den eigenen Fans ihren Auswärtssieg in Rhynern.

Hamm - Es war die entscheidende Szene des Spiels. Doch Sven Hozjak, Trainer der Hammer SpVg, schaute in der 81. Minute im prestigeträchtigen Derby der Fußball-Oberliga beim SV Westfalia Rhynern gar nicht hin. Der Coach drehte sich einfach weg, blickte ins Leere und bekam daher gar nicht mit, wie der kurz zuvor eingewechselte Yakup Köse der HSV per Handelfmeter den überaus verdienten 2:1 (1:1)-Sieg sicherte.

„Wir haben viel Wille und Leidenschaft gezeigt. So ein Derbysieg bringt uns nicht nur Punkte, sondern Euphorie obendrauf“, freute sich Hozjak, der sich in der 81. Minute übrigens erst dann wieder zum Spielfeld umgedreht hatte, als er durch den lauten Jubel der Fans Gewissheit hatte, dass der Ball im Netz lag.

Und so feierten die Gäste nach insgesamt 95 intensiven und interessanten Minuten zurecht ausgelassen und glücklich einen Erfolg, den sie sich erarbeitet und auf den sie durch ihre spielerische Überlegenheit auch ein Anrecht hatten. „Unser Matchplan ist aufgegangen“, bilanzierte Hozjak nach der Partie. Denn er wollte das Zentrum dicht machen, früh pressen, immer wieder Druck auf die letzte Kette der Rhyneraner ausüben, durch Positionswechsel mehr Ballbesitz haben und nach vorne immer wieder Nadelstiche setzen – all das hatte seine Mannschaft perfekt umgesetzt.

Fußball Oberliga: HSV gewinnt Derby gegen Rhynern 2:1

Und während es nach der Begegnung vor 1368 Zuschauern am Papenloh aus der Kabine der Gäste lautstark „Derbysieger, Derbysieger“ hallte, herrschte bei den Westfalia-Akteuren und Trainer Björn Mehnert großer Frust. Sie waren im Ortsduell das klar unterlegene Team gewesen, hatten in dieser noch jungen Saison die dritte Niederlage in Folge kassiert und müssen den Blick in der Tabelle – ähnlich wie vor einem Jahr – erst einmal nach unten richten. 

Und so redete Rhynerns Coach auch nicht um den heißen Brei herum, sondern nahm sich seine Akteure zur Brust. „Das war ein verdienter Sieg der Hammer SpVg. Wir haben zu oft mit langen Bällen operiert, während die HSV Fußball gespielt hat. Ich bin sehr enttäuscht“, stellte der Coach klar. „Wir hatten zu wenig Leidenschaft, so kann man kein Derby gewinnen. Wir hatten mit dieser Leistung nicht einmal einen Punkt verdient. Jetzt liegen wir am Boden.“

Dabei hatte die Begegnung für die Platzherren perfekt begonnen. Oder, wie Mehnert später meinte: „Der Sieg lag für uns auf einem goldenen Tablett.“ Denn nach exakt 109 Sekunden zappelte das Spielgerät im Netz der HSV. Nach einem langen Einwurf von Michael Wiese kam Adrian Cieslak 16 Meter vor dem Gehäuse an den Ball, zog ab und traf unhaltbar zum 1:0 (2.). Und dieser Treffer war verdient, denn die Westfalia hatte furios begonnen, fast jeden Zweikampf gewonnen und viel Aggressivität gezeigt, während die Gäste zuerst gar nicht wussten, wo ihnen der Kopf stand. Doch spätestens nach 20 Minuten änderte sich das Geschehen grundlegend. Die Gäste übernahmen das Kommando, zeigten dabei viel Übersicht und spielerische Klasse. Der Lohn war der Ausgleich in der 32. Minute, als der sehr agile Mike Pihl von der rechten Seite scharf flankte und Nils Kisker am langen Pfosten das 1:1 markierte.

Der Treffer zeigte Wirkung – auf beiden Seiten. Während die Platzherren immer weiter abbauten, bestimmte die HSV auch in der Folgezeit fast nach Belieben das Geschehen. Nichts war mehr zu sehen von eigensinnigen Einzelaktionen oder Tempoverschleppung wie in den vergangenen Jahren. Die HSVer drückten aufs Tempo, standen in der Defensive bombensicher, beeindruckten mit ihrer Ballsicherheit und ließen Ball sowie Gegner immer wieder geschickt laufen. Logische Folge war der 2:1-Siegtreffer in der 81. Minute – auch wenn er überaus glücklich zustande gekommen war.

Nach einem Foul von Pihl an Thanh-Tan Tran am Rhyneraner Strafraum entschied Schiedsrichter Sören Storks auf Vorteil. Doch die Westfalia hatte den Ball nur unter Bedrängnis nach außen spielen können, so dass sich die HSVer das Leder sofort zurückeroberten und auf Giacomo Serrone passten. Dessen Flanke wehrte dann Tim Neumann ab, so dass Köse den fälligen Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer verwandelte. „Egal, wie dieser Strafstoß zustande gekommen ist, es war einfach zu wenig, was wir gezeigt haben. Mir ist es fast lieber, dass wir dieses Spiel verloren haben als dass wir noch einen Punkt geholt haben“, sagte ein zerknirschter Mehnert, während Hozjak seinen ersten Sieg im ersten Derby sichtlich genoss. „Gerade nach der 0:3-Niederlage eine Woche zuvor zuhause gegen Lippstadt ist dieser Erfolg doppelt hoch zu bewerten“, strahlte der Coach. „Wir hatten im Derby ein Team auf dem Platz, das den Sieg ein Stück weit mehr wollte als der Gegner.“

Und zumindest beim Schlusspfiff hatte Hozjak seinen Blick wieder auf das Spielfeld gerichtet, genoss genauso wie seine Akteure die spontane Party auf dem Rasen des Papenlohs.

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