Boll und Ovtcharov feiern Auftaktsiege bei Olympia-Test in Hamm

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Fast volles Haus zum Auftakt in der Sporthalle der Friedensschule: Patrick Franziska (links) startete gegen Kou Lei mit einem Sieg.

Hamm - Nur noch drei Wochen sind es bis zum ersten Ballwechsel des olympischen Tischtennis-Turniers in Rio, und zumindest die Temperaturen erinnerten am Freitagabend zum Start des großen Formchecks der europäischen Asse in der Sporthalle der Friedensschule bereits an Brasilien.

„Am liebsten hätte ich mir nach jedem zweiten Ballwechsel die Hand abgetrocknet“, sagte Timo Boll mit einem Lächeln und zeigte seine schweißnasse linke Schlaghand. Nur wenige Minuten zuvor hatte er in der vielleicht sehenswertesten Partie des ersten Turniertages den griechischen Verteidiger Panagiotis Gionis aus dem Wettbewerb geworfen.

Ähnlich entspannt hatte Rekord-Europameister Boll ausgesehen, als er eine halbe Stunde vor Turnierstart in die Halle geschlendert kam, einen Rollkoffer hinter sich herziehend. Er unterhielt sich auf der Tribüne lange mit Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf. Eile hatte er keine – als einer der vier Gruppenköpfe kam er erst später zum Einsatz.

600 Zuschauer gaben dem vom TTC GW Bad Hamm ausgerichteten Olympia-Vorbereitungsturnier einen würdigen Rahmen. Sie sahen in der jeweils ersten Partie der vier Gruppen, wie eng es hinter der absoluten Weltspitze zugeht. Mit den Engländern Paul Drinkhall (gegen den Katarer Li Ping) und Liam Pitchford (gegen Gionis) sowie dem Deutschen Patrick Franziska (gegen den Ukrainer Kou Lei) setzten sich in den Auftaktbegegnungen die in der Weltrangliste jeweils schlechter platzierten Akteure durch. Besonders eindrucksvoll war der Sieg Drinkhalls, der sich mit Li großartige Ballwechsel lieferte und ohne Satzverlust durchsetzte. Einzig Bastian Steger, Numer drei im deutschen Team für Rio, wurde seiner Favoritenrolle gegen den jungen Engländer Samuel Walker gerecht – wenn auch nur mühsam nach 1:2-Satzrückstand. „Im Moment fehlt ein bisschen die Frische“, sagte der Weltranglisten-24. nach der Partie.

Olympia-Vorbereitungsturnier der Tischtennis-Weltklasse in Hamm

Etwas deutlicher wurden die Spiele, als im zweiten Gruppendurchgang die Elite Europas an die Tische ging: der Weißrusse Vladimir Samsonov (Nr. 9 der Welt) zerlegte Lei (Nr. 43) in drei Sätzen. Auf ähnlich gutem Wege war die große deutsche Medaillenhoffnung Dimitrij Ovtcharov (Nr. 5), der bei einer 2:0-Satz-Führung gegen Li wie der sichere Sieger aussah, dann aber Abschnitt drei verlor, ehe er sich im vierten Durchgang nach Abwehr von zwei Satzbällen zum 12:10 kämpfte. „Das war keine Glanzleistung“, meinte Ovtcharov, dem es offenbar wie Steger ging: „Nach dem langen und intensiven Trainingslehrgang haben die Frische und das Timing gefehlt.“ Sagte es und widmete sich den jungen Autogrammjägern.

Für einen sportlichen Höhepunkt sorgte etwas später an der selben Platte Timo Boll, der nur einmal an diesem Abend kurzzeitig etwas unentspannt wirkte, als sein ehemaliger Düsseldorfer Teamkamerad Gionis den ersten Satz mit 11:5 für sich entschied. Beim Stand von 2:2 im zweiten Durchgang korrigierte der frühere Weltranglisten-Erste in zwei aufeinander folgenden Ballwechseln fair und zu seinen Ungunsten Schiedsrichter-Entscheidungen – und dominierte fortan die Partie mit seiner Vorhand.

Nach einer Nacht im Mercure-Hotel geht es für die Favoriten am Samstag richtig los: Der Weg zum Turniersieg führt über die letzte Gruppenpartie (ab 11 Uhr), das Halbfinale (14 Uhr) und das Endspiel (15.30 Uhr).

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