Pfannenschmidt sieht neue Handballregeln kritisch

+
Dieses Bild könnte nach Einführung der neuen Handballregeln der Vergangenheit angehören: ASV-Trainer Niels Pfannenschmidt (Mitte) beordert Linksaußen Fabian Huesmann (rechts) als siebten Feldspieler ins Spiel. Gekennzeichnet ist er mit einem modifizierten Torwarttrikot.

Hamm - Ein siebter Feldspieler ohne Leibchen, sechs Pässe bei Zeitspiel und die blaue Karte – seit Anfang Juli gelten in der Handballwelt neue Regeln. ASV-Trainer Niels Pfannenschmidt und sein Linksaußen Joscha Ritterbach sehen die Neuerungen durchaus kritisch. 

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro treten die fünf neuen Regeln erstmals offiziell in Kraft, erprobt wurden sie in den vergangenen Jahren bereits bei Turnieren der Junioren-Nationalmannschaften. Ritterbach kam im vergangenen Jahr bei der U21-Weltmeisterschaft in Brasilien mit dem angepassten Regelwerk in Berührung. „Die Änderungen sind gewöhnungsbedürftig, an vielen Stellen muss man umdenken“, sagt er. 

Positiv bewertet der Linksaußen, dass es ab sofort eine klare Regelung in Sachen Zeitspiel gibt. Geht der Arm der Unparteiischen nach oben, sind noch sechs Pässe erlaubt. „Das hilft auch den Schiedsrichtern“, meint Ritterbach. 

Pfannenschmidt bereitet sich vor

Pfannenschmidt beschäftigen die Neuerungen schon länger, auch in der Saisonvorbereitung des Zweitligateams werden sie Raum einnehmen. „Wir haben sechs Wochen Zeit. Da können wir nicht auf alle neuen Regeln eingehen – gerade wenn sich der komplette Rückraum einspielen muss“, erklärt Pfannenschmidt. Bei der Jugend-WM hat sich der ASV-Trainer die Umsetzung angeschaut. Wenn es um Olympia-Gold geht, sitzt Pfannenschmidt wieder vor dem Fernseher. 

„Ich bin noch nicht so sicher, was ich davon halten soll. Ich habe schon mit mehreren Trainern diskutiert“, sagt er. Vor allem der Änderung, die den siebten Feldspieler betrifft, sieht Pfannenschmidt gespannt entgegen. Nach dem neuen Regelwerk des Weltverbandes IHF muss dieser nicht mehr mit einem Leibchen gekennzeichnet werden. Folglich kann nach einem abgeschlossenen Angriff jeder Feldspieler gegen den Torwart ausgetauscht werden. „Das könnte den Handball verändern. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das so viel Gutes hat“, meint der Trainer. „Vielleicht regel ich das auch weiterhin mit einem Leibchen.“ 

"Quasi wie eine Zeitstrafe"

Bundestrainer Dagur Sigurdsson und Alfred Gislason, Trainer des THW Kiel, gingen mit den neuen Regeln hart ins Gericht. Vor allem die Regelung, dass ein auf dem Feld behandelter Spieler zukünftig drei Angriffe seines Teams verpasst, kritisieren sie scharf. Pfannenschmidt stimmt zu: „Drei Angriffe auszusetzen, ist quasi wie eine Zeitstrafe.“

Es trifft für Pfannenschmidt an dieser Stelle schlicht den Falschen: Strafe sollte sein, aber nicht für den Gefoulten. Vor dem Hintergrund der neuen Regeln rückt er in der Vorbereitung die Abwehr in Unterzahl, Freiwürfe und die Offensive mit sieben Feldspielern in den Fokus.

Die neuen Regeln im Überblick

  • Siebter Feldspieler: Tauscht der Trainer den Torwart gegen einen Feldspieler aus, muss dieser ab sofort nicht mehr mit Trikot oder Leibchen gekennzeichnet werden. 
  • Pause nach Behandlung: Verletzte Spieler sollen möglichst außerhalb des Feldes behandelt werden. Erfolgt die Behandlung auf dem Platz, muss der verletzte Spieler drei Angriffe seines Teams aussetzen. Torhüter nach Kopftreffern sind ausgenommen. Ebenso findet die Regel keine Anwendung, wenn der Gegner für das Foulspiel mindestens die Gelbe Karte erhält. (Diese Regel gilt als einzige nicht im Amateur- und Jugendbereich.) 
  • Sechs Pässe bei Zeitspiel: Zeigen die Schiedsrichter Zeitspiel an, darf die ballbesitzende Mannschaft noch sechs Pässe spielen. 
  • Die letzten 30 Sekunden: Grobe Regelwidrigkeiten eines Abwehrspielers werden in den letzten 30 Sekunden mit Roter Karte und Siebenmeter geahndet. 
  • Blaue Karte: Schiedsrichter dürfen nach einer Roten eine Blaue Karte zeigen. Es folgen Zusatzbericht und die Entscheidung der Disziplinarkommission.

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare