Umstrittener Neuling in der Bundesliga

Trotz Gegenwind: "RB Leipzig lässt sich nicht verbiegen"

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RB Leipzig spielt erstmals in der 1. Bundesliga - sehr zum Unmut vieler Fans anderer Vereine.

Leipzig/München - RB Leipzig schlug beim Pokal-K.o. am vergangenen Samstag in Dresden großer Hass entgegen. Der Bundesliga-Neuling will sich aber im Oberhaus davon nicht beeindrucken lassen.

Ein abgetrennter Bullenkopf, geschmacklose Protest-Banner und großer Hass: Fußball-Bundesligist RB Leipzig spürt sechs Tage vor seiner Erstliga-Premiere bei 1899 Hoffenheim wie erwartet deutlichen Gegenwind und zeigt sich dennoch gelassen. "Man muss uns nicht mögen, aber niemand wird uns von unserem Weg abbringen", sagte Sportdirektor Ralf Rangnick. Ähnlich lautete der Tenor bei RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff: "RB Leipzig lässt sich nicht verbiegen und geht den Weg unbeirrt weiter."

RB Leipzig ist für viele Fußball-Fans das Sinnbild von Kommerz und damit ein Feindbild. Beim Bundesliga-Emporkömmling hängt sehr viel vom Geld des österreichischen Brause-Milliardärs Dietrich Mateschitz ab. Dank der Millionen des 72-Jährigen schaffte es RasenBallsport seit der Gründung 2009 bis ins Oberhaus - und muss seither mit heftigen Anfeindungen leben.

RB Leipzig: Abgetrennter Bullenkopf beim DFB-Pokal in Dresden

Diese erlebten ihren Höhepunkt am vergangenen Samstag im brisanten DFB-Pokalduell bei Dynamo Dresden. Während des Sachsenderbys warfen Dynamo-Fans einen abgetrennten Bullenkopf in den Innenraum des Stadions und protestierten auf diese widerwärtige Art gegen die Roten Bullen. Fan-Banner mit den Aufschriften "Bullen töten" und "Red Bull verdient Prügel" waren weitere Belege für die mehr als aufgeheizte Stimmung.

"Das ist einfach nur geschmacklos und passt damit auch genau zu dieser völlig überholten, von nur wenigen geführten, klischeebehafteten Debatte über RB Leipzig, die bei uns ins Leere läuft", sagte Mintzlaff dem SID und ergänzte: "RB Leipzig lässt die Probleme anderer Klubs mit eigenen, vereinzelten Fangruppierungen nicht auf sich abwälzen."

So seien die Vorschläge im Vorfeld des Pokalspiels, Leipzig solle doch in einem neutralen Bus anreisen und auch nicht in Dresden übernachten, nicht hinnehmbar. Man lasse es nicht zu, "dass man uns auf Klischees hebt, die längst überholt sind - und feindselige Chaoten werden niemals den Weg von RB Leipzig vorgeben", so der Klub-Chef.

RB Leipzig will nicht als Retortenclub wahrgenommen werden

Seit Jahren kämpft RB darum, vom Image des Retortenklubs wegzukommen. "Unsere Philosophie ist der Weg zum Erfolg, nicht das Geld", betonte Mateschitz. Auch in Leipzig werfe man nicht mit Geld um sich, so der Klub-Besitzer, "die Anfeindungen uns gegenüber nehmen weiter ab und betreffen eine kleine Anzahl an Fangruppierungen".

Mit dieser Einschätzung liegt der 72-Jährige nach einer Studie der Firma Intelligent Research In Sponsoring (IRIS) zumindest richtig. Diese belegt, dass sich die Imagewerte des sächsischen Klubs seit Sommer 2015 deutlich verbessert haben. Mintzlaff: "Das unterstreicht, was wir seit Monaten sagen und spüren: Wir sind längst salonfähig."

Watzke über RB Leipzig: "Dieser Klub ist nicht meine Lieblingskonstruktion"

Nichtsdestotrotz: Die Herzen von Fußball-Deutschland wird der Bundesliga-Aufsteiger nicht so schnell erreichen. "Dieser Klub ist nicht meine Lieblingskonstruktion und wird auch nie meine Lieblingskonstruktion werden", sagte BVB-Klub-Chef Hans-Joachim Watzke in der Sport Bild, "aber ich habe zu viel Respekt vor den Fans in Ostdeutschland, als dass ich das Ganze in der Öffentlichkeit verurteilen würde." Gleich in seinem ersten Bundesliga-Heimspiel wird der RB Leipzig übrigens auf Borussia Dortmund treffen.

Beim zweiten Aufsteiger SC Freiburg geht es sechs Tage vor der Bundesliga-Rückkehr gegen Hertha BSC dagegen weitaus ruhiger zu. Seit Jahren genießen die Breisgauer das Image des sympathischen Außenseiters.

Für die Roten Bullen werden Proteste, Kommerz-Vorwürfe und Fan-Boykotte anderer Klubs hingegen zum Liga-Alltag gehören. Immerhin: Beim Auftaktgegner Hoffenheim dürften die Anfeindungen glimpflicher ausfallen. Auch die TSG, Bundesliga-Aufsteiger 2008, trägt den Stempel eines Retortenklubs, der auf die Zuwendungen des Milliardärs Dietmar Hopp bauen kann. Ein abgetrennter Bullenkopf als Bundesliga-Willkommenspräsent für RBL ist eher unwahrscheinlich.

SID

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