Nach UEFA-Reform

Rummenigges ECA nimmt Abstand von Superliga-Drohung

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Karl-Heinz Rummenigge, Vorsitzender der European Club Association, ist zufrieden mit der UEFA-Reform.

Genf - Nach den Zugeständnissen der UEFA gegenüber den Forderungen der Klubvereinigung ECA zeigen sich Karl-Heinz Rummenigge und seine Klub-Kollegen zufrieden.

Es gibt mehr Geld - und plötzlich haben sich alle lieb: Die UEFA und die einflussreiche Klub-Vereinigung ECA mit Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge haben endgültig ihren Burgfrieden geschlossen. Statt der vorherigen Drohungen, eine eigene "Superliga" zu gründen, verschickte die ECA nach ihrer Generalversammlung am Dienstag in Genf nette Worte - und feierte ihren stärkeren Einfluss im Europa-Verband.

"Wir sind extrem zufrieden, wie sich das Verhältnis zur UEFA seit der Gründung der ECA im Jahr 2008 entwickelt hat", sagte Rummenigge. Die Neuerungen in der Champions League und Europa League, die ab der Saison 2018/19 vor allem die Top-Klubs noch reicher machen werden, seien "keine Revolution, sondern eine Evolution". Eine Superliga braucht deshalb niemand mehr.

Bereits Ende August hatte die aktuelle UEFA-Führung noch vor der Präsidentschaftswahl (14. September) die Modifizierung verabschiedet. Auch die Bundesliga durfte feiern. Künftig bekommen die vier besten Ligen des Kontinents vier feste Startplätze in der Gruppenphase der Königsklasse. Seit Jahren gehören ausschließlich Spanien, Deutschland, England und Italien zu den Top-4. Sie stellen künftig immer mindestens 16 der 32 Teilnehmer - plus eventuell den Titelverteidiger.

Zudem rechnet die UEFA mit einer "signifikanten" Steigerung der Einnahmen aus allen Klub-Wettbewerben: Über drei Milliarden werden wohl künftig verteilt, und dank des neuen Verteilerschlüssels, der sogar die Titel aus längst vergangenen Zeiten berücksichtigt, bekommen die Reichen noch mehr vom Kuchen.

Die Reform begrüßte auch FIFA-Präsident Gianni Infantino, früher UEFA-Generalsekretär. "Ich sehe die Reform positiv, denn im Großen und Ganzen ist es wichtig, gemeinsam Lösungen zu finden, um den Wettbewerb besser zu machen", betonte der Schweizer. Im Fußball werde es immer Überraschungen geben. Bisher habe noch kein Klub die Champions League zweimal hintereinander gewonnen, "und das zeigt doch, wie hoch die Qualität und wie ausgeglichen die Spitze ist", sagte Infantino.

Eine neue Kommission, in der zu gleichen Teilen UEFA-Offizielle und Abgeordnete der ECA sitzen, wird spätestens ab Ende 2016 die Entscheidungen zur Zukunft der Klub-Wettbewerbe treffen und die Details der Neuerungen erarbeiten. "Das ist ein Beweis dafür, dass die Stimme der Klubs im europäischen Fußball gehört und respektiert wird", sagte Rummenigge.

Die Klubs hatten ihren Druck zuletzt immer weiter erhöht, und die UEFA machte mit. An den Einnahmen aus der EURO 2016 in Frankreich werden 659 europäische Vereine beteiligt. Insgesamt 150 Millionen Euro sollen als Abstellungsgebühren in die Kassen der Klubs fließen - 100 Millionen Euro für die EM-Endrunde und weitere 50 Millionen Euro für die Qualifikation. Nach der EURO 2012 in Polen und der Ukraine hatten 575 Vereine insgesamt 100 Millionen Euro erhalten.

"Dieses Geld wird mit Sicherheit dazu beitragen, die Entwicklung des Fußballs auf dem gesamten Kontinent weiter voranzutreiben", sagte UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti. Allein die Bayern dürften von der UEFA für die Abstellung von fünf deutschen und vier ausländischen Nationalspielern für die EM-Endrunde eine Summe von rund zwei Millionen Euro kassieren.

SID

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