Vor Partie gegen Nordirland

Müller: "Man muss sich nicht um 180 Grad drehen"

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Thomas Müller bei der Pressekonferenz am Sonntag.

Evian-les-Bains - Thomas Müller ist noch nicht in Thomas-Müller-Form. Der Top-WM-Torjäger wartet auf seinen EM-Moment - und sogar noch auf eine Torchance. Beunruhigt ist der Bayern-Star deswegen ebenso wenig wie Bundestrainer Löw.

Ohne Müller-Tore geht es einfach nicht. Neun von 24 deutschen Treffern in der EM-Qualifikation gingen auf das Konto des Bayern-Stars. In der EM-Saison ist er mit fünf Toren auch die erfolgreichste deutsche Offensivkraft. Trotz hervorragender Vorleistungen findet sich der 73-malige Nationalspieler vor dem letzten Gruppenspiel des Weltmeisters am Dienstag gegen Nordirland im Fokus einer Angriffsdebatte wieder.

„Man muss sich nicht um 180 Grad drehen, es ist nicht alles falsch, was man macht“, entgegnete Thomas Müller. „Man muss weiter hungrig sein und weiter dahin gehen, wo es weh tut und versuchen, diesen einen Schritt schneller am Ball zu sein als der Gegenspieler.“ Dann könne er sicher bald wieder von „glücklicheren Spielen“ berichten.

Am freien Samstag traf Müller den Ball beim Golfen mit Bastian Schweinsteiger gekonnt. Am Sonntag kickte er den größeren Fußball beim Training locker ins Minitörchen. Auf den Turnierplätzen in Frankreich warten alle noch auf einen ersten großen Müller-Moment. Im Gegensatz zur Weltmeisterschaft in Brasilien, als der Bayern-Star gleich zum Start mit drei Treffern gegen Portugal furios losballerte, gab es bei der EM nicht einmal eine Torchance für den Münchner.

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„Das ist ungewöhnlich für ihn“, räumte auch Joachim Löw ein. „Aber bei Thomas Müller weiß man ja, dass er plötzlich wieder da sein kann.“ Ähnlich klang Teammanager Oliver Bierhoff. Er erinnerte am Sonntag an das 4:2 im Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus Turin: „88 Minuten sieht man ihn nicht - und dann schlägt er zu.“

Beachtliche zehn Tore stehen bei zwei Weltmeisterschaften in Müllers Statistik. Damit ist er in der von Miroslav Klose (16 Tore) angeführten Rangliste trotz seiner erst 26 Jahre schon die deutsche Nummer vier. Bei seiner zweiten EM wartet er dagegen weiter auf ein erstes Erfolgserlebnis. „Egal, ob man in den Himmel gelobt wird oder ein bisschen kritisiert wird, man darf das beides nicht zu sehr an sich ranlassen. Sonst ist man in zu vielen Wellentälern unterwegs“, erklärte der Münchner.

Müller ackerte gegen Polen viel nach hinten, aber in der Offensive steckt er besonders in einem Dilemma. Als Freigeist ist er nicht der Spieler, der durch Eins-gegen-Eins-Aktionen die Löcher reist. Sondern Müller ist der Akteur, der genau in diesen Lücken die Anspiele verwertet. Selbst das Spiel mit feinen Dribblings zu machen, ist nicht die Welt des Thomas Müller. „Er kann auch mal ein Spiel ohne Chance wegstecken“, sagte Löw. Der Bundestrainer glaubt, dass Müllers Zeit in Frankreich noch kommt: „Er ist einfach auch ein Entscheider.“

Müller ist schließlich ein Torschütze par excellence. Mit 20 Saisontoren stellte er in der vergangenen Bundesligasaison eine persönliche Bestleistung auf. Mit acht Champions-League-Treffern baute er seinen ersten Platz als bester deutscher Torjäger in der Königsklasse weiter aus. Und im DFB-Pokal war er mit vier Toren der beste Bayer. „Er hat einfach ein Näschen“, sagte Löw über seinen besten Torschützen. Das soll Müller schon gegen Nordirland beweisen

Alle Entwicklungen rund um die EM 2016 finden Sie in unserem Live-Ticker vom Sonntag.

dpa

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