Nach Rüdigers Verletzungs-Aus

Löws Favorit ist Mustafi

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Jogi Löw und Skodran Mustafi beim Training.

Evian les Bains – Jonathan Tah ersetzt Antonio Rüdiger im Kader – spielen wird er am Sonntag aber noch nicht.

Jonathan Tah ist strebsam. Die Saison in der Bundesliga ist längst vorbei – doch er hat die vergangenen drei Wochen, in denen die Kollegen in den Ferienclubs der Welt abtauchten, gearbeitet. „Individuell, er hat sich einen Trainer genommen – aus eigener Initiative“, sagt Joachim Löw. Das ist dem Bundestrainer wichtig, mitzuteilen: „Das geschah nicht auf Anordnung von uns.“ Es gibt keine geheime Liste mit Nachrückerkandidaten, falls sich aus dem EM-Kader von 23 Mann bis zum ersten deutschen Spiel am Sonntag (21 Uhr) gegen die Ukraine noch jemand verletzt.

Wie am Dienstag Antonio Rüdiger, mit dem Löw zumindest für die Vorrunde Stammkraft-Pläne gehabt hatte. Doch die erledigten sich in dem Augenblick, als Rüdiger im Gleich-nach-der-Ankunft-Training in Evian mit Thomas Müller zusammenprallte. Aus der Ahnung Kreuzbandriss wurde eine erste im Teamhotel vorgenommene Diagnose, die sich am Mittwochvormittag im Krankenhaus bestätigte. Löws Assistent Marcus Sorg hatte da bereits Jonathan Tah von Bayer Leverkusen in Gang gesetzt.

"Er hat eine Basis"

„Der Gedanke war, die Position eins zu eins zu ersetzen“, erklärt Löw. Also brauchte er einen Innenverteidiger. Tah, über den U21- Nationaltrainer Horst Hrubesch sagt: „In zwei Jahren ist er absolute Weltklasse“, war im März getestet worden. Er kam bei einer 2:0-Führung gegen England in der Halbzeit rein, Deutschland verlor 2:3, Tah war an nichts schuld, sah aber halt auch nicht gut aus. Im vorläufigen 27-Spieler-Kader, den Löw am 17. Mai in Berlin bekannt gab, fehlte der Leverkusener.

Rüdiger geht, ...

Von den ersten 31 Bundesligaspielen Bayers in dieser Saison hat er 29 gemacht, einmal hatte sich ein Muskel verhärtet, einmal blieb er auf der Bank. An den Spieltagen 32 bis 34 stand Tah wegen einer Lebensmittelvergiftung nicht zur Verfügung. Er hatte nach seiner Gesundung also noch Energie übrig (und außerdem eine Olympia-Teilnahme im August in Rio im Sinn). Jonathan Tahs letztes Wettkampfspiel war am 23. April, aber Löw glaubt, „dass er eine Basis hat und wir ihn in wenigen Tagen oder einer Woche in einen Zustand bringen, der es erlaubt, eingesetzt zu werden“.

Für Sonntag wird es nicht langen, fürs Ukraine-Spiel hat Löw andere Pläne. Wer neben Jerome Boateng, dem Abwehrdirektor, antreten wird? „Zwei Optionen“ sieht der Bundestrainer. Die erste: Shkodran Mustafi. „Er hat Erfahrung, kennt die Mannschaft.“ Den Spanien-Legionär hat Löw in den Tests gegen Slowakei und Ungarn nicht eingesetzt, und seine Millionen Bundestrainerkollegen in Deutschland erinnern sich daran, wie sie vor zwei Jahren während der WM-Vorrunde auf Mustafi schimpften, den sie als damaligen Rechtsverteidiger für überfordert hielten. 

Ehrlisches, aber kurzes Bedauern

Allerdings: In Valencia spielt Shkodran Mustafi gut und regelmäßig und bei seinen DFB-Partien hat er zuletzt geliefert: 1:0 in Spanien, 4:1 gegen Italien, die besten Spiele zwischen WM ’14 und EM ’16 – jeweils mit ihm. „Die zweite Option“, fährt Löw fort, „ist, Benedikt Höwedes nach innen zu ziehen. Jerome Boateng und er haben in der U 21 zusammen verteidigt.“ Jedoch hat der Schalker von allen Kandidaten am wenigstens Spielpraxis, in der Saison 2015/16 tauchte er in der Liga nur 15 Mal auf, dazu kamen drei Europa League-Einsätze, ein Pokalspiel. Und Löw hätte ihn lieber auf der rechten Seite. Mit Höwedes innen wäre rechts jedoch die Bahn frei für den Münchner Joshua Kimmich.

... Tah kommt: Der Nachrücker (r.) hat bisher ein halbes Länderspiel.

„Er hat Dynamik und einen großartigen Willen“, das wollte Joachim Löw zu Antonio Rüdiger noch gesagt haben. Ehrliches, aber kurzes Bedauern, Ausfälle gehören zum Geschäft der Sporthochleister. „Man muss dann eben schnelle Lösungen finden“, sagt der Bundestrainer, „an den Zielsetzungen fürs Turnier ändert sich nichts.“ 1a-Lösung in der Abwehr ist eh Mats Hummels. Er, seine Wade und deren Muskelfasern trainierten gestern erstmals wieder mit Ball.

Bilder: Das ist der DFB-Kader für die Fußball-EM 2016

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