Dem FIFA-Boss droht neuer Ärger

Blatter legt Einspruch gegen Sperre ein

FIFA, Sepp Blatter
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Sepp Blatter wurde von der FIFA-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt. 

Zürich - Joseph S. Blatter und Michel Platini können nach Zustellung der Begründungen für ihre Sperren die nächsten Schritte planen. Blatter droht allerdings zusätzlicher Ärger.

Die Akten Joseph S. Blatter und Michel Platini sind für die Ethik-Kommission des Fußball-Weltverbandes FIFA erwartungsgemäß noch lange nicht geschlossen. Der für acht Jahre gesperrte FIFA-Boss Blatter (Schweiz) muss womöglich wegen der Affäre um den suspendierten FIFA-„General“ Jerome Valcke (Frankreich) ein neues Verfahren fürchten.

Zunächst kündigte aber der Anwalt des 79-Jährigen, Richard Cullen, am Sonntagabend nach Zustellung der Begründung einen Einspruch an. Zuvor hatte bereits Blatters ebenso lange gesperrter Kollege Platini (Frankreich) vom Europa-Verband UEFA für Montag schon eine Berufung in Aussicht.

Für Blatter zeichnet sich unterdessen nach dem Einspruch ein Kampf an zwei Fronten ab. Denn mittlerweile soll die Ermittlungskammer der Ethik-Kommission Angaben der Welt am Sonntag zufolge neue Untersuchungen gegen den Walliser wegen mutmaßlicher Verletzung seiner Kontrollpflicht gegenüber Valcke vorbereiten. „Es ist offensichtlich, dass auch Blatter bei dieser Sache mit im Boot ist“, zitierte das Blatt einen FIFA-Mitarbeiter. „Wir kommentieren keine Spekulationen“, erklärte Kammer-Sprecher Andreas Bantel dazu auf SID-Anfrage.

Sperre gegen Valcke beantragt

Valcke, einst Blatters rechte Hand, soll sich nach Erkenntnissen der Ermittler beim Ticketverkauf für WM-Endrunden persönlich bereichert haben. Zeugen zufolge hatte der 55-Jährige außerdem im Rahmen von Verhandlungen schon vor der Vergabe der WM-Endrunde 2022 an Katar erklärt, dass der Zuschlag für den Wüstenstaat bereits feststehen würde. „Er hätte Valcke stoppen müssen“, erläuterte der FIFA-Angestellte der WamS Blatters mutmaßliches Versäumnis.

Für Valcke hatten die Ethik-Fahnder in der vergangenen Woche eine neunjährige Sperre beantragt. Würde gegen Blatter, der nach der Millionen-Zahlung von 2011 an Platini angeblich für frühere Berater-Tätigkeiten wie der Franzose wegen mehrerer Verstöße gegen den FIFA-Ethikcode aus dem Verkehr gezogen ist, eine weitere Sperre verhängt, würden beide Auszeiten addiert.

Ohne zusätzlichen Ballast rüstete Platinis Lager am Wochenende nach Eingang der Urteilsbegründung „in der Nacht zum Samstag“, so sein Anwalt Thibaud d'Ales, zum Kampf um die Rehabilitierung des Idols. „Wir werden die Begründung genau durchlesen, analysieren und am Montag Einspruch vor der FIFA-Berufungskommission Einspruch einlegen“, sagte d'Ales der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Auch Platini kündigt Einspruch an

Für die schriftlich begründeten Einsprüche bei der FIFA-Berufungskommission haben Blatter und Platini, der am vergangenen Donnerstag aus Zeitgründen seine Kandidatur für Blatters Nachfolge bei der Wahl auf dem FIFA-Kongress am 26. Februar in Zürich zurückgezogen hatte, sieben Tage Zeit. Im Fall einer Bestätigung der Sperren wäre der internationale Sportgerichtshofs CAS die nächste Instanz.

Sowohl Platini als auch Blatter hatten schon nach Verkündung ihrer Sperren Einsprüche bis zur letzten Instanz angekündigt. Beide pochen trotz der angeblich jahrelangen Verzögerung auf die vermeintliche Rechtmäßigkeit der Zahlung als Honorar für Platini und drängen auf eilige Verfahren: Blatter möchte auf dem FIFA-Kongress noch einmal gefeiert werden können, und Platini hofft wenigstens noch für die EM-Endrunde in seinem Heimatland (10. Juni bis 10. Juli) auf seine Rückkehr auf den UEFA-Chefsessel.

SID

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