Ulla Kunz seit zehn Jahren in der Kreisjugendspruchkammer

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18 Jahre lang gehörte Ulla Kunz dem Führungsteam der SVD-Jugendfußballabteilung an, die meiste Zeit als Obfrau. Seit 2006 engagiert sich die 65-Jährige in der Kreisjugendspruchkammer des Fußballkreises Münster und bestraft unter anderem Rot-Sünder bei schweren Vergehen. Der fünfjährige Emil Kunz, eins ihrer sechs Enkelkinder, spielt für die Minikicker des SV Drensteinfurt.

Drensteinfurt -  Wenn auf dem Fußballplatz getreten, beleidigt oder gespuckt wird, kommt sie ins Spiel. Ulla Kunz ist 2. Vorsitzende der Kreisjugendspruchkammer des Fußballkreises 24 Münster. Das sechsköpfige Gremium sorgt dafür, dass die Täter bestraft werden.

Im Jugendfußballbereich kennt sich die 65-Jährige bestens aus. 1986 wurde sie in den Abteilungsvorstand des SV Drensteinfurt gewählt, von 1987 bis 2004 war sie Jugendobfrau. Für ihre langjährigen Verdienste bekam Kunz 2004 das Jugendleiterehrenabzeichen in Gold vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) verliehen. Seit 2006 ist sie Mitglied der Kreisjugendspruchkammer. „Die haben mich angerufen, weil ich viele Leute kenne“, erinnert sich Kunz. Seit 2012 hat sie das Amt der 2. Vorsitzenden inne.

In der vergangenen Saison wurden 40 Fälle behandelt. „Das ist Rekord. In der Saison zuvor waren es deutlich weniger, ungefähr 30 Verfahren.“ Der Grund: Durch die Auflösung des Fußballkreises Lüdinghausen ist die Anzahl der Vereine im Münsteraner Kreis größer geworden. Hauptthemen der Sitzungen sind Beleidigungen gegenüber Schiedsrichtern und Gegenspielern. „Wir sind gehalten, diese Fälle besonders hart zu bestrafen.“ Kleinigkeiten, zum Beispiel Rote Karten nach Notbremsen, regelt der Staffelleiter. „Zu uns kommt der Fall, wenn der Schiedsrichter oder der Verein einen Sonderbericht geschrieben hat.“

An den Haaren über den Platz gezogen

„Das Übelste“, das Kunz und ihre Kollegen behandelt haben, war im vergangenen Jahr ein „Karate-Tritt“, mit dem ein A-Jugendlicher negativ aufgefallen ist. „Er hat ein halbes Jahr Sperre bekommen – mindestens.“ Einen Trainer, der sich nicht regelkonform verhalten hat, sperrte die Kreisjugendspruchkammer sogar für ein Jahr. „Es gab auch schon mal den Fall, dass sich zwei Mädchen an den Haaren über den Platz gezogen haben.“

Besonders auffällig, sagt Kunz, seien Vereine aus dem ehemaligen Kreis Lüdinghausen. „Viele müssen sich erst an die Gerichtsverfahren gewöhnen“, meint Kunz. Der SV Drensteinfurt und der SV Rinkerode seien dagegen unauffällig. Verfahren im E- und F-Jugend-Bereich gebe es eher selten. „Wenn dann betrifft es die Trainer. Und für die übernehmen meist die Vereine die Geldstrafen.“ Finanzielle Sanktionen spricht die Spruchkammer unter anderem aus, wenn Trainer ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen oder Zuschauer randalieren.

Im letzten Quartal gab es wegen der vermehrten Verfahren im Schnitt zwei Sitzungen pro Monat. „Die dauern meist zwei Stunden, es können aber schon mal drei Stunden werden“, sagt die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. „Wir diskutieren die Fälle und entscheiden dann über die Höhe der Geldstrafe oder die Länge der Sperre.“ Immer dabei: ein Ordner mit den Fußballregeln und möglichen Strafen.

Ärgerlich sei es, wenn sich Vereine schwer tun, ins Online-Portal DFBnet zu schauen. „Mittlerweile geht alles über das elektronische Postfach“, sagt Kunz. Eins liegt der Stewwerterin, die sich ehrenamtlich auch bei den Maltesern engagiert und demenzkranke Menschen sowie deren Angehörige unterstützt, besonders am Herzen: „Die Trainer sollen darauf achten, dass keine zu alten Spieler in den Mannschaften eingesetzt werden. Das ist schlicht und einfach unfair“, betont die 65-Jährige. Auch in diesen Fällen kann die Kreisjugendspruchkammer Strafen verhängen – und damit nicht nur, wenn auf dem Fußballplatz getreten, beleidigt oder gespuckt wird.

Verfahren 2015

Im Jahr 2015 eröffnete die Kreisjugendspruchkammer Münster 27 Verfahren mit insgesamt 42 Beschuldigten (17 Spieler, 14 Trainer, 10 Vereine, 1 Schiedsrichter). 19 Sperren, 18 Geldstrafen und vier Verweise (Verwarnungen) wurden ausgesprochen. In sechs Fällen gab es einen Freispruch. Die meisten Verfahren wurden wegen Beleidigungen eingeleitet. „Die rassistischen und sexistischen Übergriffe verbaler Art haben zugenommen. Zudem ist der Anteil der beschuldigten Trainer/Betreuer extrem hoch“, heißt es in einem Bericht des Vorsitzenden Wilfried Lübbeling.

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