BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Interview - Trainingslager in La Manga

    • aHR0cDovL3d3dy53YS5kZS9zcG9ydC9idmIvYnZiLXNwb3J0ZGlyZWt0b3ItbWljaGFlbC16b3JjLWludGVydmlldy10cmFpbmluZ3NsYWdlci1tYW5nYS0yNjkyMzUxLmh0bWw=2692351Zorc: "Entwicklung noch nicht abgeschlossen"0true
    • 09.01.13
    • BVB 09
    • Drucken
BVB-Sportdirektor im Interview

Zorc: "Entwicklung noch nicht abgeschlossen"

    • recommendbutton_count100
    • 1

LA MANGA - „Unsere Entwicklung ist doch längst noch nicht abgeschlossen“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Interview. Unser Sportredakteur Peter Schwennecker führte das Gespräch im Mannschaftshotel Principe Felipe in La Manga.

Michael Zorc

Dortmunds Urgestein Michael Zorc hat sämtliche Höhen und Tiefen mit den Schwarz-Gelben erlebt. Als Spieler war er 1995 und 1996 mit dem BVB Deutscher Meister, gewann zum Abschluss der aktiven Laufbahn 1997 Champions League und Weltpokal. Auch als Sportdirektor feierte er jetzt mit dem BVB zwei Titel in Serie, zudem den Pokalsieg. Doch große Parallelen zwischen diesen beiden erfolgreichen Teams sieht Zorc nicht:

Sie waren Mitte der 90er Jahre selbst hautnah dabei, als der BVB zweimal in Folge den Bundesliga-Titel gewann. Jetzt hat die Borussia das zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte geschafft. Gibt es Parallelen zwischen diesen beiden Mannschaften?

Zorc: Die Erfolge sind ähnlich und vergleichbar, doch die beiden Mannschaften sind ganz anders strukturiert, anders aufgebaut worden. Darin liegt eigentlich der größte Unterschied. Die Mannschaft war damals deutlich älter als der Kern des Kaders jetzt. Damals hat der BVB nicht die Spieler selbst entwickelt, sondern fertige, deutsche Nationalspieler aus Italien zurückgeholt. Das waren alles tolle Spieler, doch damit war der Erfolg auch letztlich programmiert. Wenn wir die Jahre 1994 bis 1997 nehmen und jetzt einen Cut machen würden, wäre ein Vergleich gar nicht möglich. Wir haben unsere Entwicklung ja noch nicht abgeschlossen, sondern wollen die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Die meisten Profis des Kaders haben inzwischen mindestens bis 2016 verlängert.

Viele Bundesliga-Trainer haben die Philosophie, durch ständige Personalwechsel frischen Wind in die Mannschaft zu bringen. Welchen Weg verfolgt in dieser Hinsicht der BVB?

Zorc: Das eine schließt das andere nicht aus. Wir haben seit zwei Jahren die klare Priorität, dass wir den Kern der Mannschaft erhalten wollen, weil wir sie sehr jung zusammengestellt haben und es auch gut zusammen passt. Aber natürlich wird es immer wieder die eine oder andere Veränderung geben, um Reizpunkte zu schaffen oder neue Elemente mit einzubringen. Wenn man auf das Paradebeispiel schaut, und das ist für mich nur der FC Barcelona, dann sieht man, dass der Kern der Mannschaft schon seit vielen Jahren zusammen spielt. Das Wichtigste dabei ist, dass man hungrig bleibt.

Mit den Erfolgen steigt natürlich auch die Erwartungshaltung. Sowohl beim Publikum als auch bei den Profis, die natürlich mitverdienen wollen. Ende der 90er Jahre hat das in Dortmund zu großen Problemen geführt. Was unternimmt der Verein, damit das nicht noch einmal passiert?

Zorc: Das entscheidende Kriterium ist, dass man die Ausgaben an der Einnahmesituation orientiert. Und das tun wir.

Die Einnahmeseite ist angesichts des Rekordgewinns im vergangenen Geschäftsjahr, der sicheren Sponsorengelder und des Überwinterns in der Champions League außergewöhnlich gut. Hat der BVB vor, jetzt mehr Geld in die Hand zu nehmen und weiter in die Mannschaft zu investieren?

Zorc: Der Rekordgewinn war zum größten Teil der Transfererlöse geschuldet. Wir machen das, was für Borussia Dortmund am sinnvollsten ist. Wir werden unseren Prinzipien, die wir in dieser Hinsicht haben, nicht untreu. Das schließt aber nicht aus, dass wir, wie im Fall Marco Reus, auch einmal 17 Millionen Euro ausgeben. Das wird aber beim BVB gewiss nicht alle drei Monate passieren. Nur wenn es 100prozentig passt, und wir die Möglichkeit haben, es zu tun.

Sportlich ist die Mannschaft, zumindest was die Besetzung der ersten Elf angeht, mit den Bayern auf Augenhöhe. Doch die Bank der Münchner scheint deutlich stärker zu sein. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

Zorc: Die Bayern haben in den vergangenen zwei Jahren knapp 100 Millionen in den Kader investiert. In dieser wirtschaftlichen Situation sind wir nicht, das müssen wir ganz klar sagen. Das ist in Dortmund in dieser Form nicht machbar, deswegen werden wir immer einen ganz anderen Weg gehen müssen. Wir haben auch großen Spaß daran, Spieler weiter zu entwickeln.

Das heißt, Borussia Dortmund wird immer nur einen jungen und keinen erfahrenen Spieler verpflichten, wenn auf einer Position Bedarf besteht?

Zorc: Ich mag keine Dogmen. Das eine schließt das andere nicht aus. Es geht doch nur um die Summe. Wir haben vor Jahren auch Patrick Owomoyela verpflichtet. Voraussetzung ist, dass es passt. Und wir müssen von der Sache überzeugt sein. Wir sind da vollkommen offen und werden das tun, was für Borussia Dortmund am besten ist. Da lass ich mich auf nichts festlegen.

In sämtlichen Internetforen wird derzeit darüber diskutiert, ob Nuri Sahin zurück zum BVB kommt. Wie steht der Verein dazu?

Zorc: Ich habe das auch gelesen. Die Geschichte kommt von der Daily Mail, die noch Tage zuvor darüber berichtet hat, dass Sven Bender zu Manchester United wechselt. Wir haben seine Vertragsverlängerung schon vor Weihnachten weitestgehend ausgehandelt gehabt. Ich bin nicht für jedes Gerücht verantwortlich und möchte das auch nicht kommentieren. Das wird mir einfach zu viel. Im Zeitalter des Internets gibt es für uns jeden Tag drei neue Kadervorschläge. Da hätten wir irgendwann 100 Spieler im Aufgebot. Gegen diese Gerüchte können wir uns nicht wehren, wir müssen damit leben, dass permanent mit uns spekuliert wird.

Hier im Trainingslager sind bereits die Vertragsverlängerungen von Neven Subotic und Sven Bender bekanntgegeben worden. Wie sieht es bei Roman Weidenfeller, Marcel Schmelzer, Kevin Großkreutz und Sebastian Kehl aus?

Zorc: Wir sind kein Ankündigungsweltmeister. Ich lasse mich auch ungern öffentlich unter Druck setzen, was bis wann erledigt sein muss.

Sehen Sie Bedarf, wann und wo der Kader weiter verstärkt werden muss?

Zorc: Natürlich machen wir uns permanent Gedanken darüber, wie wir dem Kader mehr Substanz zufügen können. Das ist ein ständiger Prozess. Im Fußball ist alles im Fluss, es gibt Entwicklungen, die man zu beachten hat. Natürlich wird es im Sommer auch wieder Veränderungen geben, das ist ganz klar.

Auf den Außenverteidigerpositionen ist der BVB recht dünn besetzt.

Zorc: Darüber kann man sich sicherlich Gedanken machen. Im Sommer werden wir auch die Situation mit Felipe Santana neu besprechen müssen. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte.

Diskussionsthema Nummer eins ist derzeit die Zukunft von Robert Lewandowski. Der BVB hat ihm ein gutes Angebot vorgelegt. Wie ist der aktuelle Stand?

Zorc: Es gibt keinen neuen Stand. Wir haben einen Vertrag bis 2014. Wir haben auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert sind. Das wird sich nicht in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden. Da muss man die aktuelle Situation sehen und bewerten. Wir fühlen uns da in einer relativ komfortablen Position. Wir haben ein super Verhältnis zu Robert und pflegen einen sehr vernünftigen Umgang miteinander. Wir können immer den direkten Draht suchen. Und wenn ein Spieler aktuell seinen Vertrag noch nicht verlängern möchte, dann müssen wir das erst einmal akzeptieren.

zurück zur Übersicht: BVB 09

Regeln fürs Kommentieren:
Um einen Kommentar abzugeben, müssen Sie sich registrieren. Warum, das erklären wir hier.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.

Kommentare

Kommentar verfassen

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.