Aubameyang gegen Lewandowski: Pokalfinale wird auch Duell der Torjäger

München - Eine klare Sache? "Es war ein Kampf", sagte Robert Lewandowski über das Torjäger-Duell mit Pierre-Emerick Aubameyang in der Bundesliga, und atmete kurz durch, "aber am Ende habe ich den Preis bekommen."

Der Angreifer des FC Bayern hat sich nach einem monatelangen Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Stürmerstar von Borussia Dortmund durchgesetzt, seinen 30 Saisontoren hatte der BVB-Star "nur" 25 entgegenzusetzen. Die Torjägerkanone mag in München stehen, am Samstag beim DFB-Pokalfinale in Berlin will Aubameyang seinem Kontrahenten wenigstens den Cup entreißen - und zwar höchstpersönlich. "Ich glaube, ich werde gegen Bayern München zwei Tore machen", sagte er einem spanischen Radiosender.

Doch Aubameyangs Bilanz gegen die Bayern ist dürftig. In zehn Pflichtspielen traf er drei Mal, Lewandowski brachte es im Bayern-Dress gegen "seinen" BVB in sechs Duellen auf starke fünf Treffer. Auch mit den vollmundigen Ankündigungen von Aubameyang war es bislang nicht allzu weit her. "Ich glaube nicht, dass Bayern in dieser Saison Meister wird", sagte er vergangenen September - Ausgang bekannt.

Robert Lewandowski

"Lewa" und "Auba" mögen auf dem Platz gleichermaßen tödlich sein - außerhalb trennen den biederen Polen und den Paradiesvogel aus Gabun Welten. "Wir sind komplett verschiedene Typen", sagte der Münchner über seinen ehemaligen Teamkollegen. Extravagante Klamotten, fast wöchentlicher Frisurenwechsel - Aubameyang (26) fällt auf. Während Lewandowski (27) selbst zur Gala als Polens Fußballer des Jahres im Jeanshemd kommt, sitzt sein Gegenpart wie Mitte Februar schon mal als "Pinguin" mit weißer Federjacke im Stadion. Wie exaltiert der Dortmunder ist, zeigt auch sein Autogeschmack: Ob froschgrüner Aston Martin, weißer Spiderman-Ferrari, Lamborghini in Schwarz, Gold und Silber oder Batman-Porsche - Hauptsache schnell und originell.

Der Bayern-Star (Ferrari und Audi) wirkt bescheidener. "Auba ist ein super Typ", sagte Lewandowski, "sehr nett und sehr ruhig." Doch das gilt nur außerhalb des Platzes - für beide. Auf dem Rasen verbreiten sie Angst und Schrecken. Und zwar europaweit. Beide sind derart gefürchtet, dass sie wechselweise als neuer Star-Stürmer bei Real Madrid gehandelt werden. Und keiner von beiden macht aus seiner Vorliebe für die Königlichen einen Hehl.

Die Gegenwart heißt aber Deutschland. Das Duell mit Lewandowski pushe ihn, sagte Aubameyang im Frühjahr, doch auf der Zielgeraden der Saison ging ihm, auch verletzungsbedingt, etwas die Puste aus. In den jüngsten neun Bundesliga-Spielen traf er nur drei Mal, obwohl er dank seines erstarkten Partners Adrian Ramos nicht mehr Alleinunterhalter im Borussen-Sturm war. Lewandowski erzielte im selben Zeitraum (seit Anfang März) in zehn Ligaspielen immerhin sieben Treffer.

"Beide sind Topstürmer. Lewy ist für uns sehr wertvoll, er kämpft - nicht nur im Strafraum", sagte Bayern-Coach Pep Guardiola. Bei einer ähnlichen Anzahl an Spielminuten in der Bundesliga (2654:2474) kam Lewandowski in dieser Saison auf wesentlich mehr Zweikämpfe (609:402) - und er gewinnt auch deutlich mehr (46,6:37,6 Prozent). Lewandowski wird deutlich öfter gefoult (48:17), obwohl Guardiola über Aubameyang sagte: "Man kann ihn nicht eins gegen eins kontrollieren." Der Münchner ist der komplettere Fußballer (Passquote 79,4:68,4 Prozent), doch Aubameyang lebt längst nicht mehr allein von seiner Schnelligkeit. Mit sechs Torvorlagen lag er sogar leicht vor Lewandowski (fünf). Ansonsten trennen sie aber oft Welten. - sid

Rubriklistenbild: © dpa

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