BVB-Trainer vermeidet Blick in Tabelle

Klopp: "Neustart" nach Länderspielpause

Jürgen Klopp
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BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Dortmund - Borussia Dortmund steckt mitten in einer Krise. Nach sieben Spieltagen und vier Begegnungen ohne Sieg dümpelt der deutsche Vizemeister auf Tabellenplatz 13. Der Tabellenführer aus München scheint unerreichbar.

Ungewöhnlich kleinlaut suchte Jürgen Klopp nach Erklärungen. Das Dortmunder Dilemma geht auch an dem Borussen-Coach längst nicht mehr spurlos vorüber. Auf die Tabelle, verriet er, habe er schon lange nicht mehr geschaut. „Denn ich bin nicht masochistisch unterwegs. Ich weiß ungefähr, wo wir stehen - und zwar weit entfernt von dem, wo wir hinwollen“, sagte der 47-Jährige in einem ZDF-Interview.

Rang 13, ein Punkt aus den letzten vier Spielen, 9:12-Tore, und nach sieben Spieltagen schon zehn Punkte Rückstand auf den Erzrivalen und Tabellenführer Bayern München, so die ernüchternden Fakten. „Ich kann jetzt nicht so tun, als würde ich mich im Abstiegskampf fühlen“, äußerte Klopp bei Sky.

Auch beim 0:1 (0:1) gegen den als Liga-Schlusslicht angereisten Hamburger SV kämpfte seine Mannschaft bis zur Schlussminute um den Ausweg aus der Krise, präsentierte sich jedoch erneut glücklos, teilweise kopflos und am Ende ratlos. „Die Tabelle ist das Ergebnis dessen, wogegen wir die ganze Zeit lang kämpfen“, ergänzte Klopp.

Am Ende der vergeblichen Bemühungen zeigten sogar die Fans Mitleid. Noch Minuten nach dem Abpfiff machten sie ihren Idolen mit lauten Sprechchören Mut. Die Verlierer standen, sichtlich überrascht von der Reaktion der treuesten Anhänger minutenlang fassungslos vor der Südtribüne. „Wir lassen uns keine Krise einreden. Wenn man sieht, was für geile Fans wir haben, das müssen wir zurückzahlen“, appellierte Weltmeister Kevin Großkreutz.

„Das ist ungewöhnlich, aber es ist eine Reaktion, die uns helfen wird“, sinnierte Klopp. Denn nur, wer sich für den BVB interessiere, würde wissen, dass es nicht an der Einstellung der Mannschaft liege. Die Fans hätten offensichtlich ein gutes Gefühl für die Situation in der Liga, obwohl der BVB in der Champions League mit sechs Punkten (5:0-Toren) eine bislang makellose Bilanz aufweist. Aber auch dort, wie beim 3:0 am vergangenen Mittwoch beim RSC Anderlecht, konnte die Borussia ihre Abwehrprobleme nicht verbergen.

Und nochmals versuchte der BVB-Coach die Gründe zu skizzieren: „Es gibt Spieler, die sind neu hier, die kennen den Rhythmus, alle drei Tage zu spielen und dazu noch in jedem Spiel Favorit zu sein, nicht. Dann haben wir Spieler, die nach längerer Verletzungspause zurückkommen, aber direkt voll einsatzfähig sein müssen, anstatt langsam reinzufinden. Dann haben wir Spieler mit einer kurzen Vorbereitungszeit, die auch alle Spiele machen müssen und wir bekommen Tore, die skurril und unnötig sind.“ Am Sonntag mussten die Dortmunder den nächsten verletzungsbedingten Ausfall verkünden: Linksverteidiger Marcel Schmelzer steht wegen eines Mittelhandbruchs voraussichtlich vier Wochen nicht zur Verfügung!

Aus der Verletztenmisere resultiere eine große Belastung für einige Akteure, die zuletzt sieben Spiele in 22 Tagen absolvieren mussten. Es gebe also viele Gründe, dass seine Jungs derzeit „keinen Zugriff auf die Festplatte bekommen“. Gegen den HSV, „der körperlich sehr präsent war“, habe seine Mannschaft zu wenig Fußball gespielt.

In der zweiten Halbzeit mobilisierte der BVB alle Kräfte, um die zweite Heimniederlage abzuwenden - vergebens. „Das Gegentor war wie ein Schlag für uns“, betonte Shinji Kagawa, der ebenfalls einen „Neustart“ nach der Länderspielpause prophezeit. Denn in Marco Reus sowie Henrich Mchitarjan werden zumindest zwei torgefährliche Kreativkräfte zurückkehren. Und nach 14-monatiger Pause wird auch Ilkay Gündogan wieder „ein Kadermitglied“ sein, so Klopp.

SID

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