"Ich glaube, dass das Leben gerecht ist"

Wegen Reus: BVB verärgert über Bayern

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Jürgen Klopp steht mit Borussia Dortmund lediglich auf Platz 15 der Bundesliga-Tabelle.

Dortmund - Auf Augenhöhe begegnet Vizemeister Borussia Dortmund dem Rekordchampion Bayern München diesmal nicht. 14 Punkte trennen die beiden Rivalen vor dem Spitzenspiel am Samstag.

Der Rückstand ist riesig, die Probleme sind groß, doch Borussia Dortmund macht sich vor dem Klassiker bei Bayern München Mut. "Wir werden es noch allen zeigen", tönte Weltmeister Kevin Großkreutz vor dem Duell mit dem Rekordmeister am Samstag (18.30 Uhr/Sky), "damit wollen wir in München anfangen."

14 Punkte trennen die alten Rivalen vor der Neuauflage des einstigen Gigantenduells, der FC Bayern ist unangefochten auf Titelkurs, der BVB als Tabellen-15. nach vier Niederlagen gefährlich nah an den Abstiegsplätzen. Auch wenn Großkreutz' Aussage anderes vermuten lässt - das Dortmunder Selbstvertrauen ist derzeit nicht sonderlich groß. "Das sind alles normale Menschen", sagte Trainer Jürgen Klopp, "wenn's nicht läuft, denkt man mehr nach, das ist nicht immer positiv. Deshalb ist doof manchmal stabiler."

Der BVB-Coach hält angesichts der akuten Bundesliga-Krise der Schwarz-Gelben Kampfansagen für unangebracht. "Das steht uns im Moment nicht zu", sagte er, "wir werden aber alles versuchen, und ein bisschen was geht immer."

Trotz aller Sorgen gab sich auch Klopp kampfeslustig. Angesprochen auf die wiederholten Aussagen von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge über einen möglichen Wechsel von Nationalspieler Marco Reus nach München meinte er: "Ich glaube, dass das Leben gerecht ist. Wer sich im Erfolg schlecht verhält, bekommt einiges davon zurück."

Deutlicher wurde Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Er hätte ja einfach nichts sagen können, aber das ist eben sein persönlicher Stil, und das kann er auch so weitermachen“, sagte der BVB-Chef im Sky-Interview in Richtung Rummenigge. Früher sei der Umgang ein anderer gewesen. „Ich hatte immer ein sehr spannendes Verhältnis zu Uli Hoeneß, den ich da auch echt vermisse, weil das jemand war, der immer mit offenem Visier und von vorne kam“, sagte Watzke über den früheren Bayern-Präsidenten, der zurzeit eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung absitzt.

Wie man die Bayern ärgert, weiß niemand besser als Klopp und der BVB. Drei der letzten vier Bundesligaspiele in München gewannen die Dortmunder, zuletzt am 12. April mit 3:0. Seitdem hat der FC Bayern alle sieben Heimspiele mit 24:3 Toren gewonnen.

Beim Tabellenführer ist man deshalb auch weit davon entfernt, den alten Rivalen angesichts dessen aktueller Probleme auf die leichte Schulter zu nehmen. "Dortmund ist nach wie vor eine der besten Mannschaften in Europa", betonte Weltmeister Jerome Boateng. Und Torhüter Manuel Neuer sprach trotz des gewaltigen Abstands in der Tabelle vom Duell der "beiden besten Mannschaften".

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Sollte der BVB in München verlieren, würde er einen neuen Tiefpunkt unter Klopp erreichen. Nach der fünften Bundesliga-Niederlage in Folge wäre der schlechteste Saisonstart in der Vereinsgeschichte perfekt. Selbst in der Abstiegssaison 1971/72 standen nach zehn Spieltagen mehr Punkte zu Buche.

Der Ausflug in einen anderen Wettbewerb bescherte den Dortmundern am Dienstag wieder ein Erfolgserlebnis. Das 3:0 in der zweiten DFB-Pokal-Runde beim FC St. Pauli zeigte einmal mehr, dass es auch anders geht als in der Liga. "Bei den Spielen unter der Woche haben wir zuletzt keine Gegentore bekommen. Das sollten wir jetzt auch mal am Wochenende hinbekommen", sagte Mittelfeldspieler Sebastian Kehl. Nach den drei Siegen in der Champions League mit insgesamt 9:0 Toren gelang das nicht - es folgte jeweils eine Bundesliga-Pleite.

Ein gutes Omen gibt es indes: Am Samstag wird in München unter Flutlicht gespielt, bislang hat der BVB in Abendspielen noch nicht verloren. "Vielleicht tut den Jungs der Mittagsschlaf gut", meinte Klopp, "wir stellen den Antrag, dass wir nur noch abends spielen."

SID

 

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