DFB-Pokalfinale

BVB-Mannschaft will den Sieg in Berlin

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Berlin - Kann er Finale oder kann er es nicht? Nachdem Vorgänger Jürgen Klopp die letzten drei Endspiele mit dem BV Borussia Dortmund vor seinem Wechsel nach Liverpool verlor, will es sein Nachfolger Thomas Tuchel heute ab 20 Uhr im Olympiastadion im DFB-Pokalendspiel gegen den FC Bayern München bei seiner Premiere besser machen und die dritte Pleite der Schwarz-Gelben in Berlin in Folge verhindern.

Wie es funktioniert, hat Tuchel selbst schon beobachten dürfen. Am 12. Mai 2012 war er als Privatmann Zeuge des grandiosen 5:2-Triumphes der Borussen über den Rekordmeister in Berlin, übrigens dem letzten Erfolg der Schwarz-Gelben in einer so bedeutenden Partie. 

Doch der Dortmunder Fußball-Lehrer will sich durch den Saisonhöhepunkt in der Hauptstadt nicht den sehr guten Gesamteindruck seiner ersten Saison bei den Westfalen trüben lassen. „Wie sollte unsere außergewöhnliche Bundesligarunde durch eine eventuelle Finalniederlage im Pokal entwertet werden?“, fragt Tuchel. „Aber im Pokal geht es um den Finaleinzug und letztendlich um den Sieg. Und ein Sieg wäre die Krönung unserer Saison.“ Dass das Endspiel etwas Besonderes ist, bemerkte Tuchel bereits auf der Anreise nach Berlin. 

„Das fühlte sich schon anders an“, sagt der Coach, der sich bei der offiziellen Pressekonferenz im Olympiastadion vor dem Abschlusstraining sogar demütigt präsentiert. „Ich bin hier, weil ich das Glück habe, den BVB mit sehr selbstbewussten und talentierten Spielern zu trainieren. Nach fünf Finals in fünf Jahren geht es nun darum, eine neue Stufe zu nehmen. Mit dem Endspiel ist nicht alles erreicht. Ein paar Prozent sind noch übrig. Ich möchte, dass wir dieses Selbstvertrauen ausstrahlen, um das Spiel auch zu gewinnen.“ 

Der Trainer hofft, dass sich beide Mannschaften in Berlin auf Augenhöhe begegnen, auch wenn er nach den letzten beiden enttäuschenden Bundesliga-Saisonspielen gegen Köln (2:2) und in Frankfurt (0:1) schon Alarm geschlagen und einen Spannungsverlust angemahnt hatte. 

Die Chance zur Wiedergutmachung bietet sich nach einer sehr strapaziösen Runde im 56. Pflichtspiel der Saison, vor dem Tuchel nicht von Favoriten oder Außenseitern reden will. „Wir sind bescheiden genug anzuerkennen, dass in einem Finale alles passieren kann – vor allem in einem Finale gegen Bayern München. Aber wir sind selbstbewusst, fühlen uns gut vorbereitet und bereit.“ 

Das ist auch der allgemeine Tenor der Dortmunder Profis, die ihrem scheidenden Kapitän Mats Hummels in seinem letzten Spiel im BVB-Trikot den Weg für eine rauschende Pokalnacht ebnen wollen. Dann könnte sich zudem der Wunsch von BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball erfüllen, der es Hummels gönnen würde, nach Finale und Feier volltrunken mit dem Pokal im Bett einzuschlafen. Ein Gedanke, mit dem sich der nach München wechselnden Innenverteidiger durchaus anfreunden kann. Dass der anstehende Wechsel negativen Einfluss auf das Finale haben könnte, glaubt Dortmunds Außenverteidiger Marcel Schmelzer nicht. „Natürlich haben wir in der Mannschaft darüber gesprochen, aber die Sache ist längst geklärt. Mats selbst ist damit sehr gut umgegangen.“

 Schmelzer sieht gute Chancen, im dritten Anlauf endlich mal wieder ein Endspiel gegen die Bayern zu gewinnen. Auf die Qualität der einzelnen Akteure kommt es für ihn dabei nicht an. „Wichtig ist, dass wir als Mannschaft, als ganzer Verein funktionieren. Wenn uns das gelingt, dann werden wir auch den Pokal mit nach Dortmund nehmen“, so Schmelzer, der nach der Nichtnominierung durch Bundestrainer Joachim Löw für die Europameisterschaft besonders motiviert sein wird, vor einem Millionen-Publikum eine klasse Leistung abzuliefern. Bis auf die verletzten Joo-Ho Park, den am Knie operierten Ilkay Gündogan und Neven Subotic (Thrombose im Arm) ist der BVB übrigens mit dem kompletten Kader angereist. 

Shinji Kagawa hatte wegen muskulärer Probleme zuvor in Dortmund nur individuelle Übungseinheiten absolviert. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, bestätigt Tuchel, der auf jeden Fall mit Kagawa plant. Dass auf der Gegenseite Pep Guardiola die Bayern vor seinem Wechsel zu Manchester City letztmals betreuen wird, bedauert übrigens auch Tuchel. „Ich werde ihn vermissen“, beteuert der BVB-Coach. „Wir haben uns gegenseitig zu Höchstleistungen getrieben.“ Doch gewinnen kann heute nur einer.

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