BVB-Coach Tuchel freut sich auf Tottenham in der Europa League

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BVB-Coach Thomas Tuchel

Porto - Wirkliche Freude kam über der Biskaya nicht auf. Als der Pilot auf dem Rückflug von Borussia Dortmund vom 1:0 (1:0) beim FC Porto per Durchsage den Gegner für das Achtelfinale in der Europa League verkündete, ging ein Stöhnen durch den mit Profis, Betreuern und Edelfans besetzten Airbus.

"Tottenham ist ein Hammerlos - mit das Schlimmste, das man bekommen konnte", kommentierte Sportdirektor Michael Zorc mit einer Mischung aus Respekt und Vorfreude.

Ähnlich indifferent fiel die Reaktion von Trainer Thomas Tuchel aus: "Ich finde, das ist ein Super-Los. Superschwer, aber auch super attraktiv." Beim Rückspiel am 17. März bestreitet der BVB die bereits fünfte Europapokal-Partie binnen fünf Jahren in London, aber zum ersten Mal an der White Hart Lane von Tottenham Hotspur.

Allerdings wird sich die Borussia gegen den Tabellenzweiten der Premier League im Vergleich zum tristen Auftritt in Porto deutlich steigern müssen, um den Knockout abzuwenden. Nach dem 1:0 (1:0) seines Teams fiel die Freude des Dortmunder Trainers eher verhalten aus. "Wir haben wie ein Orchester gespielt, das nicht im Gleichklang spielt und den Rhythmus nicht findet", monierte der als Perfektionist bekannte Tuchel. Selbst die eigentlich schmeichelnde Frage, ob sein BVB nun ein Favorit auf den Titel sei, verleitete ihn zu einer kritischen Anmerkung: "Es ist nicht wichtig, ob wir Favorit sind, sondern ob wir wie einer spielen."

Die über weite Strecken triste Partie im Estádio do Dragão war schwere Kost für Fußball-Ästheten. Nach der frühen Vorentscheidung durch das Eigentor des einstigen Welttorhüters Iker Casillas (23.), der einen Lattenschuss von Pierre-Emerick Aubameyang ins Netz beförderte, mangelte es angesichts des 2:0-Polsters aus dem Hinspiel an Spannung, Tempo und Spielfreude.

"Das war sicher nicht das, was wir von uns erwarten", gestand Torhüter Roman Bürki, dem in Porto sein bisher bestes Spiel seit seinem Wechsel zum BVB im Sommer gelang. Doch bei aller Selbstkritik überwog beim Schweizer am Ende der Stolz: "Wir haben den FC Porto auswärts mit 1:0 geschlagen. Das spricht definitiv für uns."

Sieht man von der ungewohnt hohen Fehlpassquote ab, hatten die Borussen eigentlich reichlich Grund zur Zufriedenheit. Schließlich waren die Portugiesen von einem anderen Kaliber als die bisherigen Wettbewerbs-Gegner und mit immerhin zehn Punkten aus der Champions League abgestiegen. "Wir müssen uns vor niemandem verstecken", befand Mittelfeldspieler Julian Weigl mit Blick auf die kommende Runde am 10. und 17. März.

Neues Schmückstück des Bundesliga-Zweiten ist neuerdings die noch in der Hinrunde häufig wankende Defensive. In den acht Pflichtspielen seit der Winterpause gab es lediglich zwei Gegentore. "So lange die Null steht, ist alles in Ordnung. Das erleichtert das Leben", kommentierte Sven Bender. Augenzwinkernd fügte der Innenverteidiger hinzu: "Und sollte doch mal einer drin sein, machen wir vorne zwei."

Schon am Sonntag (17.30 Uhr) steht die nächste Aufgabe daheim gegen 1899 Hoffenheim an. Der in der Halbzeit wegen leichter Probleme im Hüftbeuger ausgewechselte Weltmeister Mats Hummels war bereits kurz nach dem Schlusspfiff guter Dinge, bis dahin wieder beschwerdefrei zu sein und seinem Team zur Verfügung zu stehen.

Gut möglich, dass Tuchel im Duell mit dem Vorletzten angesichts der anhaltenden Terminhatz den ein oder anderen Profi schont. Doch selbst für den Fall, dass die Rotation umfangreich ausfallen sollte, stellte Außenverteidiger Marcel Schmelzer erneut den vollen Einsatz des Teams in Aussicht: "Warum sollten wir jetzt in der Bundesliga einen Gang runter schalten? Wir haben in der Tabelle zwar 15 Punkte Vorsprung auf den Dritten. Aber es wäre der falscher Ansatz, jetzt nachzulassen."

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