Borussia Dortmund Hertha BSC

"Männer-Fußball" begeistert nur Pal Dardai

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In einer hitzigen Schlussphase sah Borussia Dortmunds Emre Mor ebenso die Rote Karte wie der Berliner Valentin Stocker

Dortmund - Die Protagonisten hielten sich diesmal dezent zurück. Weder Dortmunds Fußball-Lehrer Thomas Tuchel noch sein Berliner Kollege Pal Dardai wollten nach dem 1:1 (0:0) im direkten Duell der Verfolger des FC Bayern München das unter der Woche heiß gekochte Thema wieder aufwärmen.

Dabei hatte die Hertha zuvor zum vierten Mal in dieser Saison die für Tuchel bedenkliche Grenze mit 21 Fouls in einem Spiel gegen den BVB überschritten. Während der Dortmunder Trainer jeden Kommentar verweigerte, wischte Dardai das Thema mit zwei prägnanten Sätzen endgültig vom Tisch: „Ich habe ein richtig geiles Spiel gesehen. Das war Männer-Fußball, denn Fouls gehören nun einmal zum Fußball dazu.“ Es war ein sehr intensives, aber nie unfaires Spiel, in dem sich die beiden Kontrahenten 90 Minuten lang bearbeiteten. 

Immerhin griffen diesmal auch die Borussen in Zweikämpfen 13 Mal zu regelwidrigen Mitteln. Hektik kam erst in der Schlussphase nach der Roten Karte für den Dortmunder Neuzugang Emre Mor auf, der sich nach einem Foul von Sebastian Langkamp mit einem Schubser revanchierte und deshalb von Schiedsrichter Patrick Ittrich des Feldes verwiesen wurde. Bemerkenswert, dass sich Langkamp nach dem Schlusspfiff vor laufenden Fernsehkameras sogar entschuldigte. „Ich habe mich von der Stimmung anstecken lassen. Da war von meiner Seite sehr viel Theatralik dabei. Das tut mir leid, es war keine Rote Karte für Mor“, gestand der Berliner ein. 

Borussia Dortmund - Hertha BSC Berlin 1:1

Derweil hielt Herthas Trainer Dardai den Totalverweis für den Berliner Torschützen Valentin Stocker, der Matthias Ginter böse von den Beinen holte, für berechtigt. Während die Berliner mit einem breiten Grinsen die Heimreise antraten, war es für die große BVB-Familie ein äußerst bitterer Abend. Zwar hatte die mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren drittjüngste Dortmunder Elf aller Zeiten mit dem 1:1 den vereinseigenen Rekord auf 25 Bundesliga-Heimspiele ohne Niederlage verbessert, doch war nicht nur Routinier Sebastian Rode der Meinung, „dass heute einfach mehr drin war“. 

Julian Weigl zum Spiel gegen Hertha BSC

Pierre-Emerick Aubameyang glich mit seinem sechsten Saisontor (80.) den Berliner Führungstreffer durch Stocker (51.) aus, scheiterte aber kurz zuvor mit einem schwach geschossenen Handelfmeter an Schlussmann Rune Jarstein. Drei der letzten vier Strafstöße haben die Borussen nicht verwandelt. Bitterer als das Ergebnis war für die Gastgeber der verletzungsbedingte Ausfall von Marcel Schmelzer. Eine genaue Diagnose liegt noch nicht vor. Er wäre der elfte Profi der „Lazarett-Abteilung“. Denn vermutlich wird Tuchel bis zum Abflug am Sonntag nach Portugal, wo am Dienstag um 20.45 Uhr das nächste Champions-League-Vorrundenspiel bei Sporting Lissabon angepfiffen wird, keinen aktuell Verletzten von der Liste streichen können. 

Lediglich Innenverteidiger Marc Bartra, der gegen Berlin geschont wurde, wird in die Startelf zurückkehren. Für ihn feierte am Freitagabend Mikel Merino sein Bundesliga-Debüt im BVB-Trikot, den Tuchel vor Saisonbeginn nicht für die Königsklasse gemeldet hat. Mit der Leistung des Spaniers war der Trainer zufrieden: „Mikel hat eine Weile gebraucht. Man hat gemerkt, dass es für ihn ein großer Schritt war - in der Anpassung an die Geschwindigkeit und die Intensität“, erklärte der Coach. „ Nach anfänglicher Unsicherheit hat er sich dann später in die wichtigen Räume getraut. Das war ein wesentlicher Faktor dafür, dass wir den Druck aufrechterhalten konnten.“

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