Dortmunds Youngster

Weigl: Dortmunds Passmaschine mit Ladehemmung

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Julian Weigl ist aktuell eines der größten talente im deutschen Fußball.

Lissabon - Er wurde schon als Ballmagnet oder Passmaschine bezeichnet. Der Dortmunder Julian Weigl zählt aktuell zweifellos zu den größten Talenten im deutschen Fußball.

Mit 214 Ballkontakten stellte er in der vergangenen Saison beim 2:2 gegen den 1.FC Köln einen beeindruckenden Bundesliga-Rekord auf, mit einer aktuellen Passquote von durchschnittlich über 91 Prozent steht er sogar in Europa ganz weit vorn. „Weigl taktiert wie der jüngste Routinier der Welt“, titelte die Süddeutsche Zeitung im Sommer vor der Europameistershaft in Frankreich. 

Eigentlich müsste der 21-Jährige mit seinen Werten bei allen Top-Klubs des Kontinents ganz weit oben auf der Wunschliste stehen. Doch in seiner Statistik gibt es ein gravierendes Manko. Als Profi hat Weigl bisher noch kein Tor erzielt, weder in 38 Zweitligabegegnungen für den TSV 1860 München noch in 62 Pflichtspielen für den BVB. Inzwischen wird im Mannschaftskreis schon über die chronische Ladehemmung geflachst. „Ein Tor wäre nicht schlecht“, sagt deshalb der Jung-Nationalspieler, der sich vor der Saison im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz ein großes persönliches Ziel gesetzt hatte: „Ich muss torgefährlicher werden.“

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Wenn er bisher auch noch nicht selbst jubeln durfte, so sieht er inzwischen zumindest eine positive Entwicklung. „Ich versuche, nach vorn aggressiver zu arbeiten, mit meinen Pässen mehr Gegner auszuspielen“, erklärte Weigl jüngst im Gespräch mit Stadionsprecher Norbert Dickel bei „BVB total“. Dortmunds Fußball-Lehrer Thomas Tuchel weiß die Entwicklung seines Shooting-Stars, der in der vergangenen Saison von allen deutschen Profis zum Newcomer des Jahres gewählt wurde, richtig einzuschätzen. „Es gibt immer Luft nach oben“, beantwortet der Coach die Frage nach dem aktuellen Leistungsstand Weigls.

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Und legt auch gleich den Finger in die Wunde. „Nur die Passquote allein reicht nicht. Es geht immer darum, wo gehen die Bälle hin, wie viel Gegner werden damit ausgespielt, wann nehme ich welches Risiko“, setzt auch Tuchel darauf, dass sich der in Bad Aibling geborene Mittelfeldspieler kontinuierlich weiterentwickelt. Weigls Bedeutung für die Mannschaft ist auch für Tuchel unumstritten: „Er ist für die Statik in unserem Spiel verantwortlich und daher ein sehr, sehr wichtiger Spieler.“ Tuchel wird seinem Schützling weiter die Zeit lassen, die ein junger Spieler auch benötigt. „Ich sehr zufrieden mit seiner sportlichen Entwicklung, mit seinem Wert für die Mannschaft und der Entwicklung seiner Persönlichkeit. Es ist nicht selbstverständlich, den Weg den er genommen hat, in dieser Geschwindigkeit und mit der Konstanz zu nehmen. Er hat im Sommer noch einmal einen großen Schritt gemacht“, sagt Tuchel, wohl mit dem Wissen, dass auch Weigl Rückschläge erleben wird. 

Dass er damit umgehen kann, steht für Tuchel außer Frage. „Er ist sich seiner Rolle hier sehr bewusst, ein sehr intelligenter, reflektierter junger Mann, der eine sehr wichtige Schaltstelle für uns im Spiel einnimmt.“ Nicht nur wegen der langen Verletztenlisteist Weigl daher derzeit gesetzt, wird deshalb auch in Lissabon die Regie in der Dortmunder Zentrale übernehmen. Und vielleicht schießt er ja auch einmal auf das Tor. Mit einem Erfolgserlebnis würden dann auch die Sprüche seiner Teamkollegen verstummen.

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