Niederlage im Spitzenspiel

BVB gefrustet: "Es ist nur noch nervig"

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Nach der Niederlage gegen den FC Bayern war der Frust bei Dortmund groß.

München - Das Spitzenspiel der Hinrunde ist vorbei. Nun müssen Wunden geleckt und zu große Freude eingeordnet werden. Während die Münchner einen emotionalen Triumph feierten, rang der BVB um Fassung.

(SID) Was für ein Duell! Nach 95 aufreibenden und überaus packenden Minuten eines hochklassigen Topspiels brachen sich die Emotionen der Beteiligten ungehindert Bahn. Matchwinner Arjen Robben atmete tief durch und fiel Robert Lewandowski in die Arme, Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer herzte Trainer Pep Guardiola: 2:1 (0:1) gegen Dauerrivale Borussia Dortmund - was für ein Sieg! Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge riss es aus seinem Sitz, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dagegen versank tief in seinem Stuhl, und Coach Jürgen Klopp fühlte sich „absolut beschissen“.

Während die tief deprimierte Borussia nach der fünften Niederlage hintereinander und dem schwächsten Saisonstart der Klubgeschichte endgültig in den Tabellenkeller rutschte, schwebten die Bayern auch gefühlsmäßig in ganz anderen Sphären. 17 Punkte Vorsprung auf den BVB! Nach zehn Spielen! Auch wenn die Münchner wie Robben „überhaupt keine Zweifel haben, dass Dortmund wieder nach oben kommen wird“: Dieser Dreier schmeckte besonders süß. Und diese Pleite tat auf der anderen Seite besonders weh. Klopp nannte sie „brutal hart“, weil Dortmund gut dagegengehalten und nach dem Tor des von den Bayern umworbenen Marco Reus (31.) lange geführt hatte.

Auch deshalb fielen die verbalen Reaktionen der Bayern einigermaßen nüchtern aus. „Wir sind sicher nicht unschlagbar“, sagte Robben, der nach Lewandowskis Ausgleich (72.) den Sieg per Foulelfmeter (85.) sichergestellt hatte. „Wir müssen selbstkritisch bleiben und dürfen nicht denken, dass wir jetzt locker durchmarschieren“, fügte er an. Zumal die Dortmunder in ihrer „besten Halbzeit seit langem“ (Klopp) gezeigt hatten, wie der FCB zu packen ist. „Manndecker“ Shinji Kagawa nahm den zuletzt überragenden Xabi Alonso aus dem Spiel. Reus' Treffer per Kopf nur 11,5 Sekunden nach einem Abwurf des überragenden Roman Weidenfeller war überdies ein Muster an Konterfußball, wie ihn der Rekordmeister fürchtet.

So eine erste Hälfte, monierte Robben, „darf uns nicht passieren“. Trainer Guardiola kritisierte, seine Spieler seien „Zuschauer des BVB“ gewesen, Weltmeister Thomas Müller meinte: „Wir hätten viel aggressiver anlaufen und früher stören müssen.“ Den Bayern half, dass sich Dortmunds stark verbesserter Abwehrchef Mats Hummels am linken Sprunggelenk verletzte. „Damit fehlte uns ein spielerisches Element im Aufbau“, sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Hummels' Ersatz Neven Subotic nahm zu Recht „beide Gegentore auf meine Kappe“. Einen Querschläger des Serben nutzte Lewandowski zum Ausgleich - gejubelt hat der Pole aus Respekt vor seinem ehemaligen Klub nur verhalten, er schickte lediglich einen Gruß an seinen Vater „oben im Himmel“. Er leide mit seinen Ex-Kollegen, meinte „Lewa“. Vor allem wohl mit Subotic, der auch den Elfmeter verursachte, als er den eingewechselten Franck Ribery festhielt.

„Franck hat uns sehr geholfen“, sagte Guardiola, der den Franzosen vor seinem Einsatz angewiesen hatte, gezielt mit Subotic ins Duell zu gehen („Feuer frei mit Subotic!“). Dass Dortmund wie zuvor schon Gladbach seinen Spielmacher Alonso kaltstellte, sah Guardiola indes nicht als Problem. „Wir haben dafür eine Lösung gefunden“, sagte er. Weltmeister Jerome Boateng habe den Spielaufbau von Alonso „super“ übernommen, zudem sei der FC Bayern in Hälfte zwei „das gewesen, was wir sind“: Eine hungrige und endlich auch effektive Passmaschine. „Das war teilweise richtig geiler Fußball“, schwärmte Robben, der seinem Ruf als BVB-Schreck wie in Wembley 2013 oder beim Pokalfinale im vergangenen Mai abermals gerecht wurde.

Der Niederländer stürzte Dortmund endgültig in eine Lage, die der frühere Kapitän Sebastian Kehl „sehr brenzlig“, und Klopp wahlweise „verrückt“ oder „beschissen“ nannte. „Daran haben wir richtig zu knabbern“, meinte Klopp, zumal die bereits siebte Niederlage (so viele wie in der kompletten Vorsaison) wieder „selbst verschuldet“ war: „Wir haben unsere Marschroute verlassen und viel zu wenig Fußball gespielt“, sagte Klopp über die zweiten 45 Minuten. Nur eine „Weltklasseleistung“ (Zorc) von Weidenfeller verhinderte, dass die Bayern das nicht früher bestraften.

Dennoch könne Dortmund auch Positives mitnehmen, meinte Zorc. Die erste Halbzeit oder den Auftritt von Reus. Der Nationalspieler klopfte sich nach seinem Tor demonstrativ auf das BVB-Wappen auf seiner Brust. Ein Treuebekenntnis? Reus wollte sich weder dazu noch zum Spiel äußern und ließ sich von Scoutingchef Sven Mislintat aus der Arena geleiten. „Wir haben da schon so viel drüber gesagt, es ist nur noch nervig“, meinte Zorc zum Thema Reus, und schlurfte geknickt hinterher.

SID

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