Vor dem Gastspiel in Dortmund

Dicke Luft zwischen Ronaldo und Zidane

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Zinedine Zidane musste sich für die Auswechslung von Cristiano Ronaldo rechtfertigen.

Madrid/Dortmund - Zinedine Zidane hat bei Real Madrid den Status eines Idols. Zuletzt knirschte es aber erstmals ein wenig.

Wie es ist, einen Unantastbaren vor den Kopf zu stoßen, hat Zinedine Zidane am Samstag erfahren. Bei wohl jedem anderen Spieler der Welt wäre eine Auswechslung zwecks Schonung für ein sehr wichtiges Champions-League-Spiel wie selbstverständlich hingenommen worden.

In Madrid jedoch, bei Cristiano Ronaldo, war es ein Drama. Und so hat Zidane, selbst ein Idol als Real-Spieler, vor dem Spiel bei Borussia Dortmund am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) eine Diskussion am Hals. Beleidigt sah Ronaldo von der Bank aus, wie seine Kollegen den sicher geglaubten Sieg bei UD Las Palmas (2:2) verspielten, seine Mutter schaltete sich in den sozialen Netzwerken ein.

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Die Medien entfachten einen Wirbelsturm. Und Zidane? Der stand dumm da und musste sich rechtfertigen. "Wir haben ein Spiel am Dienstag, ich dachte, das wäre wichtig", sagte der Franzose fast entschuldigend: "Er braucht auch einmal eine Pause." Die Medien hingegen schrieben, selbst beinahe beleidigt, Ronaldo sei entsetzt gewesen - und stinksauer. Dabei hat Zinedine Zidane seit seinem Amtsantritt wirklich nicht viel falsch gemacht. Nach nur fünf Monaten Amtszeit schwebte er im Giuseppe-Meazza-Stadion hoch in der Luft, seine Spieler ließen ihn in Mailand fliegen.

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Zidane hatte im Mai 2016 die Champions League gewonnen. Auch danach lief es glatt, erst am Mittwoch gegen den FC Villarreal (1:1) verpasste Zidane mit den Königlichen den Liga-Rekord von 17 Siegen in Folge um ein Spiel. Nun aber der Patzer bei Las Palmas - es kriselt noch nicht vor dem Spiel in Dortmund, jedoch knirscht es erstmals ein wenig. Dennoch scheint Zinedine Zidane, der Europameister, der Weltmeister, perfekt nach Madrid zu passen. Auf der Homepage des Vereins wird er für seine grandiose Zeit als Real-Spieler (2001-2006) weiter als "Genie" gefeiert, "das eine ganze Ära prägte". Er hat auch dieses weltmännische Etwas, das in Madrid nicht unwichtig ist, seine Anzüge passen wie eine zweite Haut. 

Seine Philosophie allerdings ist bodenständig. "Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit" sei das Geheimnis des Erfolgs, betonte er. Dies war nach dem Triumph über den Stadtrivalen Atletico in Mailand. Der Druck sei immens hoch: "Real ist alles. Gewinnen ist der Schlüssel in diesem Verein." Dafür, versichert Zidane, "gebe ich mein Herz und meine Seele". 

Sollte er am Druck zerbrechen, ist der Grundstein für eine weitere Ära Zidane schon gelegt. Enzo Zidane, 21, stand wie sein Bruder Luca, 18, sogar im Kader der ersten Mannschaft für das Spiel um den UEFA-Supercup gegen den FC Sevilla (3:2 n.V.). Beide wurden nicht eingesetzt. Theo (14) und Elyaz (10) spielen in Reals Jugend-Akademie. Verscherzen sollte es sich Real mit Zinedine Zidane jedenfalls nicht. Auch wenn er manchmal Menschen vor den Kopf stößt. - SID

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