DFB-Kader gegen Tschechien und Nordirland

Kommentar: Castros Nicht-Nominierung ist eine Enttäuschung

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Gonzalo Castro (links) spielt auf dauerhaft hohem Niveau, dennoch blieb der Anruf von Bundestrainer Jogi Löw aus.

Dortmund - Für Trainer Thomas Tuchel war es eine "große Enttäuschung, das jetzt zu hören". Gonzalo Castro wurde von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die Länderspiele gegen Tschechien und Nordirland nominiert. Ein Kommentar.

Am Dienstag hatte Bundestrainer Joachim Löw mit Oliver Bierhoff zusammen das Spiel des BVB gegen Real Madrid (2:2) verfolgt. Wenig überraschend, spielt bei den "Königlichen" doch Löws Mittelfeld-Lenker Toni Kroos und auf Seiten von Borussia Dortmund beispielsweise Mario Götze oder Shooting-Star Julian Weigl.

Wen der Bundestrainer offenbar nicht in seinem Notizbuch hatte, war Gonzalo Castro. Der Deutsch-Spanier spielt bislang die vielleicht stärkste Saison seiner Karriere. Auf der zentralen Position vor der Abwehr ist Castro beim BVB gesetzt, bekommt ergo viel Spielpraxis und bringt internationale Erfahrung mit. Castro ist in der Saison 2016/17 einer der besten deutschen Mittelfeldspieler, ein ruhiger, aber dennoch taktgebender Akteur, auf den beim Vizemeister aktuell Verlass ist wie auf kaum einen anderen. Zudem ist er variabel, kann zentral vor der Abwehr aber im Zweifel auch auf der Seite spielen.

Der Kader der Nationalmannschaft

Castro ist keiner, der sich auflehnt, wenn er nicht spielt. Das war er auch in Dortmund nicht, als es nach dem Wechsel aus Leverkusen noch hakte. Von dem Dortmunder ist wohl keine öffentliche Kritik zu erwarten. Auch ein Punkt, der ihn von manch anderem Akteur unterscheidet, der es im System Löw nicht in den elitären Kreis der Nationalelf schafft. Ein Fehlverhalten Castros kann der Bundestrainer also nicht als Grund anführen. 

2:2 - BVB erkämpft einen Punkt gegen Real Madrid

Castro hat es verdient, sich nach 9 Jahren mal wieder im DFB-Dress zu präsentieren. Weil er an sich gearbeitet, stets die Füße stillgehalten hat und nur ein Argument hat sprechen lassen: Leistung!

Vorbericht: Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund

Ja, die Konkurrenz auf der wichtigen Position vor der Abwehr in der Nationalmannschaft ist auch nach dem Rücktritt von Bastian Schweinsteiger groß, vielleicht noch größer als beim BVB. Toni Kroos, Julian Weigl und Sami Khedira sind nur drei Beispiele für die Dichte im zentralen Mittelfeld. Für den neutralen Beobachter mutet es aber durchaus fragwürdig an, dass der nach vier Monaten Verletzung gerade erst wieder genesene Ilkay Gündogan scheinbar gesetzt ist, während einem dauerhaft auf höchstem Niveau spielenden Castro erneut nur die Zuschauer-Rolle bleibt. Den Nominierten sei der Auftritt im DFB-Trikot gegönnt, ohne Frage. 

Die Nicht-Berücksichtigung von Gonzalo Castro aber hinterlässt einen faden Beigeschmack. Und sie ist eine Enttäuschung. Nicht nur für Thomas Tuchel.

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