Thomas Tuchel: Angespannt, aber optimistisch vor dem Spitzenspiel

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Dortmund - Es ist eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung, die Thomas Tuchel beschleicht. „Derzeit bin ich noch sehr ruhig“, erklärt der BVB-Trainer vor dem Bundesliga-Gipfel gegen die Münchner Bayern. „Doch das wird sich ändern.“

Spätestens am Samstag um 18.30 Uhr, wenn der Hamburger Schiedsrichter Tobias Stieler den Bundesliga-Gipfel anpfeifen wird, werden nicht nur 81359 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park elektrisiert sein. Auch Tuchel und sein Münchner Kollege Pep Guardiola dürften ihre Emotionen am Spielfeldrand kaum verbergen können. 

Die überraschende Bayern-Pleite gegen den FSV Mainz 05 hat zusätzliche Brisanz in den deutschen „Classico“ gebracht. Das hat auch Tuchel nach dem 2:0-Erfolg des BVB in Darmstadt registriert. „Wir haben das Gefühl, dass alle von diesem Spiel sprechen. Die seit Mittwoch veränderte Ausgangslage hat die Vorfreude gesteigert, es wird nochmal eine andere Stimmung im Stadion sein“, verspricht der Dortmunder Fußball-Lehrer dem Tabellenführer einen „heißen Abend“ in Westfalen. Denn mit einem Sieg können die Borussen das Titelrennen doch noch einmal spannend gestalten, den Rückstand auf die Münchner auf zwei Punkte verkürzen. Aber Tuchel warnt vor allzu großen Hoffnungen. „Ich erwarte die besten Bayern“, schätzt der Coach die Situation realistisch ein. „Es wäre nicht das erste Mal, dass die Bayern diese Situation nutzen, um mit einem Auswärtssieg eine Vorentscheidung herbeizuführen.“ Bei einem Erfolg des Spitzenreiters würden alle Dortmunder Träume wie eine Seifenblase zerplatzten.

Beeindruckende Konstanz

So wie im Hinspiel, als die Borussia in München eine empfindliche 5:1-Klatsche kassierte und erst einmal den Anschluss an den Rekordmeister verlor. Mit einer beeindruckenden Konstanz in der Rückrunde hat sich der BVB zurück ins Geschäft gebracht, von sieben Rückrundenspielen sechs gewonnen und nur in Berlin bei der Hertha unentschieden (0:0) gespielt. Auch eine Konsequenz der Pleite an der Isar, wie Tuchel bemerkt. „Die Niederlage war bitter, aber auch heilsam und wichtig“, erklärt der Trainer. „Das Spiel hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Füße auf dem Boden zu halten. Die Niederlage in München aber hat uns aber zu dem gemacht, was wir jetzt als sind Mannschaft.“

Aktuell sieht Tuchel sein Team sogar psychologisch im Vorteil. „Wir trauen uns zu, zu gewinnen. Schließlich spielen wir vor eigenem Publikum. Das ist schon einmal nicht schlecht“, beteuert der 42-Jährige. „Zudem haben wir viel zu gewinnen in dieser Konstellation. Ich hoffe, dass man uns das anmerkt.“ Dabei kommt den Schwarz-Gelben natürlich entgegen, dass sie im Gegensatz zu den Münchnern bis auf eine Ausnahme in Bestbesetzung antreten können. Lediglich Innenverteidiger Sokratis hat nach seinem Muskelfaserriss erst wieder mit Lauftraining begonnen. Der Grieche wird in einigen Tagen ins Mannschaftstraining zurückkehren. Ansonsten sind alle fit, auch Schlussmann Roman Bürki (Grippe). „Wenn er keinen Rückschlag erleidet, wird er auch spielen“, bestätigt Tuchel.

Tuchels Rezept

Seine Profis werden gegen die Bayern einem enormen Druck ausgesetzt sein, dabei keine Zeit haben, um nachzudenken. Tuchels Rezept: Automatisiert spielen, mutig sein, um dem Druck zu entkommen. „Die Bayern möchten schnelle Entscheidungen beim Gegner herbeiführen, die sind dann oft ungenau“, erklärt der Trainer. „Wir müssen gut vorbereitet sein.“ Seine Mannschaft werde alles daran setzen, den Bayern eine schwere Zeit in Dortmund zu bereiten. Doch Tuchel warnt: „Es wird auch Phasen geben, in denen wir leiden werden. Wenn wir mutig sind und ruhig bleiben, wenn wir uns trauen, die Besten zu sein, die wir sein können, dann wird es auch Phasen geben, in denen die Bayern leiden.“

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