TVG-Coach Müller: „Der Teamgeist sucht seinesgleichen“

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Am Spielfeldrand bejubelte Trainer Thorsten Müller jedes der vier Tore im entscheidenden Spiel gegen den Hammer SC.

Bönen - Vor vier Jahren stieg der TVG Flierich-Lenningsen mit nur vier Punkten sang- und klanglos aus der Fußball-Kreisliga A ab. Ein Jahr später wären die Germanen beinahe in die C-Liga durchgereicht worden. Doch im Sommer 2016 wird der TVG wieder im Kreisoberhaus antreten.

Trainer Thorsten Müller spricht im Interview mit Boris Baur über die rasante Entwicklung, die sein Team seitdem genommen hat, die Gründe für die Erfolgsserie im Liga-Endspurt, die die Meisterschaft erst möglich machte, und die neuen Herausforderungen in der Kreisliga A.

Herr Müller, Sie haben vor der Saison gesagt, dass sie oben mitspielen wollen. War da der Aufstieg schon im Hinterkopf?

Thorsten Müller: Nein, überhaupt nicht. Wir sind letztes Jahr Achter geworden und hatten nach oben einen ziemlich großen Abstand. Yunus Emre war damals deutlich stärker. Dann hatten wir vor der Saison nur einen Neuzugang mit Florian von Glahn. Wir wollten ein Stück weit besser abschneiden als letztes Jahr und unter die ersten Fünf kommen. Das war kein Understatement.

Was hat denn dann letztlich den Ausschlag gegeben, dass es zur Meisterschaft gereicht hat?

Müller: Die Mannschaft hat den Glauben an sich selbst gefunden. Wir sind ja nicht so gut gestartet und haben ersatzgeschwächt gegen Uentrop II verloren. Danach kam aber eine Phase, wo wir nacheinander den SSV Hamm und Bockum-Hövel II, die damals jeweils Spitzenreiter waren, geschlagen. Da ist das Selbstvertrauen größer geworden. Dieses Selbstvertrauen fehlte früher. Das war ein Entwicklungsschritt, denn wir gegangen sind. Die Spieler haben jetzt das Vertrauen in sich und ihre Mitspieler, und dann kann ich auch besser Fußballspielen.

Kurz vor Ostern gab es aber eine kleine Schwächephase und die beiden Aufstiegsplätze schienen außer Reichweite.

Müller: Das war auch dem Personal geschuldet. Bei aller mannschaftlicher Geschlossenheit, ein Sebastian Schlieper zum Beispiel mit seiner Schnelligkeit ist einfache eine Waffe. Nach den beiden Niederlagen war es für jeden der Aufstieg erstmal gelaufen. Wir wollen dann einfach nur jedes Spiel gewinnen.

Flierich hat dann Wiescherhöfen geschlagen, und die beiden Kontrahenten leisteten sich schnell Ausrutscher. Das hat sicherlich geholfen.

Müller: Das ist uns natürlich gelegen gekommen. Wir hatten wahnsinnig schwere Spiele und viel Verletzungspech. Wir haben zum Beispiel nur extrem glücklich 2:1 gegen Nordbögge gewonnen. Ohne die Euphorie gewinnt man solche Spiele nicht, und dann hätte es nicht gereicht.

Am Ende sind sie vor einer Mannschaft wie dem SSV platziert, die mit vielen höherklassigen Spielern gespickt ist. Ist das besonders schön, weil Ihr Team ganz anders aufgestellt ist?

Müller: Das ist schon schön. Der SSV hat vor der Saison gesagt, dass er unbedingt Meister werden will. Wir haben aber über die Saison gezeigt, dass wir absolut mithalten können. Das ist schon toll. Wir hatten lange Zeit das Problem, dass uns erfahrene Mannschaften den Schneid abgekauft haben oder uns fußballerisch überlegen waren. Da haben wir einen großen Schritt gemacht und können jetzt ein bisschen mehr als Kampf und Leidenschaft.

Wie groß ist denn die Vorfreude auf die Kreisliga A?

Müller: Da sind gemischte Gefühle. Ich werde es vermissen, rein- und rauszuwechseln, weil ich gerne möchte, dass jeder spielen kann. Das gehört für mich zum Kreisliga-Fußball dazu. Jetzt muss ich bis zehn Minuten vor Schluss warten. Aber wir freuen uns natürlich auf das Derbys mit den ersten Mannschaften. Wir haben eine tolle Mannschaft und werden uns da reinfuchsen.

Wo sehen Sie denn die größten Unterschiede in der Kreisliga A?

Müller: Wir müssen uns alle ein Stück weit umstellen. Was vielleicht für unsere guten Spieler mit dem Ball bis Sonntag funktioniert hat, wird jetzt nicht mehr so leicht gehen. Wir waren das körperlich beste Team. Da werden wir jetzt viel für tun müssen. Die ganze Liga wird fußballerisch besser sein. Aber wir machen uns keine Angst. Wir werden nicht mit fliegenden Fahnen absteigen wie vor vier Jahren. Ich glaube auch nicht, dass wir absteigen. Wir können viele Punkte holen. Unser Teamgeist sucht seinesgleichen.

Vor vier Jahren stieg Flierich chancenlos ab, wäre danach beinahe durchgereicht worden und schaffte den Klassenerhalt am grünen Tisch. Jetzt ist der TVG Meister. Wie kam es zu so einer rasanten Entwicklung?

Müller: Das ist einfach der Teamgeist und der besonderen Mentalität im Verein geschuldet, was hier in zwei, drei Jahren passiert ist. Ein Thorsten Lux fährt 50 Kilometer, weil er sich hier wohlfühlt. Auch ein Florian von Glahn, ein Lukas Kurz und zuletzt ein Holger Westergerling sind nicht aus sportlichen Gründen hierhin gekommen, sondern weil es eine gute Truppe ist und das Umfeld stimmt. Dazu kommt, dass alle Spieler Lust haben, den Weg mitzugehen und mir zu vertrauen. Wir geben uns gegenseitig Feedback und sprechen uns auch ab. Diese Gemeinschaft unterscheidet uns von den anderen.

Aus dem Stamm tritt lediglich Fitti Stura kürzer. Wie sieht es mit Neuzugängen aus?

Müller: Ich gehe davon aus, dass der ein oder andere kommen wird, einige haben schon mittrainiert. Aber ich werden noch keinen Namen nennen. Wir selber werden aber nicht aktiv und werden von uns aus gar nichts machen. Wir werden keinen holen, der Unruhe reinbringt. Dann steigen wir lieber ab.

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