RGS-Sportler Denis Schmitz auf dem Weg nach Rio

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Im Unnaer Herderstadion absolvierten Denis und Rüdiger Schmitz die letzten Einheiten vor dem Abflug Richtung Rio de Janeiro.

Bönen - Kurz vor dem Abflug übte Denis Schmitz mit seinem Vater und Trainer Rüdiger Schmitz noch Starts. Am Sonntag steigt der Sportler des RGS Bönen in den Flieger nach Rio de Janeiro, wo vom 7. bis 18. September die Paralympics ausgetragen werden. „Das ist der Wahnsinn überhaupt dabei zu sein“, sagte der Rennrollstuhlfahrer, als er in der vergangenen Woche von seiner Nachnominierung erfuhr.

Eigentlich war der Traum von Rio schon ausgeträumt. Schmitz, der in seiner Schadensklasse T33 den deutschen Rekord über 100, 200 und 400 Meter hält, schaffte trotz einer erheblichen Steigerung in diesem Jahr, die Norm über die Kurzdistanz nicht. Seine 19,71 Sekunden lagen rund fünf Zehntel über der Zeit, die der Deutsche Behindertensportverband (DBS) vorgegeben hatte. Erst kurzfristig wurden noch Plätze für die alle vier Jahre stattfindenden Paralympics frei, weil die russischen Athleten wegen des staatlich durchgeführten Dopings ausgeschlossen wurden und andere Nationen ihre Kontingente nicht vollständig abriefen.

Nach einem ersten Anruf des Verbands, um abzufragen, ob Vater Rüdiger als Begleitperson überhaupt Urlaub erhält, begann die Warterei. „Wir haben drei Tage zuhause gesessen und gezittert, wann denn endlich der Anruf kommt“, sagt Denis Schmitz. Am 25. August war es soweit. Der in Lünern wohnende RGS-Sportler erhielt Bescheid, und darf in Rio über 100 Meter an den Start rollen. Die anderen Strecken sind bei den Paralympics nicht vorgesehen. An der Eröffnungsfeier am 7. September können Vater und Sohn teilnehmen und mit der deutschen Mannschaft das Stadion betreten. „Es ist alles nur das pure Erlebnis“, sagt Rüdiger Schmitz voller Vorfreude zu den Tagen in Rio.

Nach der Nominierung ging alles ruckzuck. Der Verband organisierte Tickets und die Unterkunft im Olympischen Dorf. Allerdings hatten Denis Schmitz und sein Vater das Trainingsprogramm bereits Ende Juli reduziert. Diese rund drei Wochen fehlen natürlich nun in der Vorbereitung. Der Zeitplan für Rio war sowieso eng. Im vergangenen Jahr gehörte Denis Schmitz noch dem D-Kader an, wurde 2016 in den B-Kader hochgestuft und später, als dem Verband bewusst wurde, dass beim RGS ein potenzieller Paralympics-Kandidat schlummerte, zur besonderen Förderung zu Bundeslehrgängen eingeladen.

Weltweit auf Platz sechs über 100 Meter

 Vor dem großen Auftritt in Brasilien schraubt Familie Schmitz, zu der auch Mutter Andrea gehört, die ebenfalls für ein paar Tage einfliegen wird, die Erwartungen herunter, obwohl der RGS-Athlet weltweit in seiner Schadensklasse auf Platz sechs gelistet ist. „Ziel ist erst mal dabei zu sein, und überhaupt das Erlebnis zu haben“, sagt Denis Schmitz und geht getreu seinem Motto für jeden Wettkampf vor: „Ich hole alles raus, was geht.“

Viel wird von der Konkurrenz abhängen. Die Schmitz´ wussten vor der Abfahrt jedoch nicht, wer der weltweit 13 Kontrahenten in dieser Schadensklasse tatsächlich teilnimmt. Am Samstag, 10. September, zwischen 17.30 und 20.30 Uhr fällt der Startschuss, eventuell ist der Lauf dann auch im Fernsehen zu sehen. Vor Ort hofft das Team Schmitz auf Trainingszeiten. In der Heimat absolvieren die beiden zwei bis drei Einheiten pro Woche. Trainiert wird im Unnaer Herderstadion und freitags in Bönen. Zuhause ist für den Rennrollstuhl zusätzlich ein Rollstand aufgebaut, ähnlich dem wie ihn auch Rennradfahrer benutzen. Über die 100 Meter ist der natürlich das Entscheidende. „Man muss schnell wegkommen, muss mit dem Schuss losfahren. Dann kommt es auf die hohe Frequenz beim Anfahren an und außerdem auf die Kraft“, beschreibt der Trainer das Rennen.

Sohn Denis hat 2009 zum Rennrollstuhlsport gefunden, gehört seit 2012 zum vom Reha-Hilfsmittel-Hersteller Invacare gegründeten Team „Rio ruft“. „Das sind sonst alles nur Einzelkämpfer“, ist Rüdiger Schmitz froh über die Unterstützung und dass sein Sohn so zu einer Mannschaft von Gleichgesinnten gehört. Allein der speziell angefertigte Rollstuhl kostet 7000 Euro, ein Reifen schon 100 Euro. Die Fahrten zu den Wettkämpfen bezahlen die Schmitz‘ selbst, der Vater opfert zudem seinen ganzen Urlaub. Denn er muss dabei sein, weil sein Sohn nicht alles alleine schafft. Durch eine Gehirnblutung nach der Geburt hat er nicht nur eine Spastik, die hauptsächlich die Beine betrifft, sondern auch eine geistige Beeinträchtigung davongetragen, die allerdings für die Wettkämpfe unberücksichtigt bleibt. Auf seiner Webseite macht Denis anderen Behinderten Mut, erklärt dort, „dass man auch mit geistiger und körperlicher Behinderung Sport mit Begeisterung ausführen kann“. Die Begeisterung legt der 24-Jährige immer an den Tag, nicht nur bei Olympia.

Zur Homepage von Denis Schmitz

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