Ein Freundschaftslauf nach Billy Montigny

460 Kilometer legten die Bönener bei ihrem Staffellauf in die französische Partnerstadt zurück. Sie liefen dabei rund um die Uhr und waren vier Tage unterwegs. - Fotos: pr

Bönen - Gerade einmal etwas mehr als ein Jahr alt waren die Lauffreunde Bönen, als sie 1986 mit etwas Besonderem – manche sagen etwas Einmaligem – auf sich aufmerksam machten. Am Abend des 15. Oktober, also am Samstag vor 30 Jahren, fiel der Startschuss für einen Lauf der besonderen Art, der die Ausdauersportler in die 460 Kilometer entfernte Bönener Partnerstadt Billy Montigny führen sollte.

Den Weg nach Nordfrankreich gestaltete der Verein als Staffellauf „rund um die Uhr“, aufgeteilt in machbare 10-km-Etappen. „Wir wollten mit unserem Friedens- und Freundschaftslauf positive Signale in Richtung Frankreich senden. Ich glaube, das ist uns auch gelungen“, erinnert sich Dieter Maletz, der heute Ehrenvorsitzender der Lauffreunde ist: „Außerdem trug der Staffellauf zum Zusammenhalt in unserem damals noch kleinen Verein bei, denn das Ganze war eine echte Gemeinschaftsleistung. Es war ein Schub, der die Lauffreunde-Familie nach vorne brachte.“

Wer die Idee für dieses Projekt hatte, lässt sich nicht mehr recherchieren. Der Erfolg des ersten Laufes rund um Flierich hat die damaligen Verantwortlichen sicherlich beflügelt. Vermutlich ist die bei irgendeinem Training entstanden. Am 25. März 1986 – dem 60. Geburtstag des Bönener Bürgermeisters Jakob Wienhusen – stellte die Lauffreunde dem französischen Bürgermeister Otello Troni ihr Vorhaben vor. „Ich glaube immer noch, dass er uns nicht ganz ernst genommen hat. Das hat uns aber eher angespornt“, erklärt der damalige Geschäftsführer Leo Olschewsky. Sein Brief nennt auch die Eckdaten des Events: Start am Mittwoch, 15. Oktober; Ankunft am Samstag, 18. Oktober.

Bereits im Frühjahr begannen die Vorbereitungen. Mitläufer waren schnell gefunden. Und ebenso schnell waren sich die Organisatoren auch darüber im Klaren, dass sie eine Laufstrecke nicht allein mit dem Autoatlas planen konnten. Am 27. September machten sich Werner Rabura, damals 2. Vorsitzender, Peter Sikora, Günter Holtkötter und Karl-Heinz Baltzer auf den Weg, um die genaue Strecke zu erkunden. „Es kam uns darauf an, auf wenig befahrenen Straßen zu laufen, um die Läufer besonders nachts nicht unnötig zu gefährden. Außerdem wollten wir geeignete Punkte für die Wechsel finden“, so Sikora.

„Ein tolles persönliches Erlebnis“

Es entwickelte sich folgende Streckenführung: Bönen – Werne – Oer-Erkenschwick – Dorsten – Wesel – Straelen – Weert – Leopoldsburg – Westerlo – Boom – Aalst – Oudenarde – Roubaix – Billy Montigny. Am Ende kam eine sorgfältige Streckendokumentation mit der Beschreibung markanter Punkte und Kreuzungen heraus. Von komplizierten Stellen wurden sogar Fotos geschossen. Die Lauffreunde wollten schließlich nichts dem Zufall überlassen – und so kamen alle ohne ungewollte Umwege am Ziel an.

Neben den bereits genannten Lauffreunden waren Klaus Budde, Manfred Engel, Hans Fabian, Uli Gesk, Herbert Groß, Wolfgang Hermann, Lothar Kotulla, Walter Kotulla, Andreas Krunke, Willibald Michels, Wolfgang Petschak, Günther Sief, Walter Teumert und Lothar Wierike dabei. Walter Kotulla war damals mit 60 Jahren der älteste Teilnehmer, Andreas Krunke mit 23 Jahren der jüngste.

Nicht alle sind gelaufen. Es galt ja auch, vier Wohnmobile zu bewegen und die Truppe zu versorgen. Außerdem begleitete jemand mit einem Fahrrad den Läufer: „Hin und wieder haben wir auf das Rad verzichtet und waren als Duo zu Fuß unterwegs“, berichtet Manfred Engel. Das Ganze war so angelegt, dass immer nur ein Wohnmobil im Einsatz war. Die Insassen der anderen drei hatten Zeit und Muße zur Entspannung.

Der Start wurde in Bönen zu einem großen Volksfest. Einige hundert Menschen schickten die Läufer mit viel Beifall auf die Strecke. Christa Vahlensieck, 18-malige deutsche Langstreckenmeisterin und Inhaberin mehrerer Rekorde, gab um 19.30 Uhr den Startschuss ab. Erster Läufer war Wolfgang Petschak.

In Billy-Montigny liefen die Bönener natürlich als Gruppe ein. Im Gepäck ein Scheck bestimmt für einen Kindergarten in der Partnerstadt. Die Zahl der französischen Läufer, die die Gäste im Vorort Courriers empfingen, um mit ihnen zusammen in die Stadt einzulaufen, hielt sich jedoch in Grenzen. „Hobbyläufer gab es nicht allzu viele in Frankreich. Man setzte sich lieber auf das Fahrrad, wenn man Ausdauersport betreiben wollte,“ meint Dieter Maletz. Umso intensiver waren die Kontakte zum dortigen Freundeskreis Bönen, zumal noch eine mit dem Bus angereiste Gruppe aus der Heimat für Verstärkung sorgte.

„Die Aktion war ein voller Erfolg und ein tolles persönliches Erlebnis,“ stellten die Teilnehmer am Ende fest. Das Wetter spielte nur in der ersten Nacht nicht mit, da wurden die Lauffreunde durch und durch nass. Doch letztlich musste „Sanitäter“ Günter Sief auf der ganzen Strecke lediglich drei Blasen versorgen.

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