Beim Bönener Uwe Manz fängt das Olympia-Kribbeln an

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Seine Akkreditierung für die Olympischen Spiele hat Uwe Manz bereits per Post erhalten. Am 14. August geht es für den Bönener nach Rio de Janeiro.

Bönen - Wenn Freitag Nacht in Rio de Janeiro die 31. Olympischen Spiele offiziell eröffnet werden, wird bei Uwe Manz das Kribbeln losgehen. Denn damit wird auch für den Bönener Kampfrichter im Ringen der Countdown eingeleitet. Fünf Tage sind es noch für den 52-Jährigen, der schon 2012 in London mit dabei war, bis sein Flieger in Düsseldorf abhebt. „Die Vorfreude steigt“, kann er es nicht erwarten, bis es losgeht.

Am 14. August wird er erstmals auf der Ringmatte einen Kampf leiten. Bis dahin sind in der „Carioca Arena 2“ die Judo-Wettkämpfe im Gange. Die Zeit bis dahin hat er auch gut gefüllt. Der 11. August gilt als Anreisetag, der Welt-Ringerverbandes (FILA) hat da keine Termine angesetzt. Darauf hatte Manz gehofft, denn für diesen Tag hat er eine Karte für das Golfturnier ergattert. Also heißt es für ihn, einchecken, frisch machen und ab auf den neu angelegten Golfkurs. „Das wird eine einmalige Geschichte, weil man den ganzen Tag da bleiben kann“, freut sich der Hobby-Golfer.

Tags darauf hat der Polizist ein Ticket fürs Wasserspringen. „Ich hoffe, dass kollidiert nicht mit anderen Veranstaltungen.“ Denn an diesem Tag probieren die Kampfrichter ihre neuen Uniformen. Eventuell erhält Manz sogar eine Einladung zur Gala des Ringer-Weltverbandes, auf der Mitglieder in die Hall-of-Fame aufgenommen werden. Der dritte Wettkampf, den er wahrscheinlich sehen wird, zählt zu den Höhepunkten der Olympischen Spiele. Sein deutscher Kampfrichterkollege Michael Faller aus Neuss hat über Bekannte in Brasilien Karten für das Beachvolleyball-Turnier an der Copacabana organisiert. Dort sehen beide am 17. August das Herren-Halbfinale. „Vielleicht mit deutscher Beteiligung“, hofft Manz. Im Sand geht es erst um 23 Uhr los, dann sind die Ring-Wettkämpfe schon beendet.

Ab 13. August wird es für die 50 nominierten Kampfrichter mit der ersten offiziellen Besprechung langsam ernst. „Da wird uns gesagt, was erlaubt ist und was nicht“, erklärt Manz, der dann auch seine Einsatzzeiten für den kommenden Tag erhalten wird. Regeln spielen dagegen keine Rolle, weil sich nichts geändert hat. „Es wird aber Hinweise geben: ‘Achtet auf Brutalität’. Man will keine blutenden Wunden sehen, weil das im Fernsehen nicht gut aussieht. Wir wollen saubere Wettkämpfe sehen“, rechnet Manz mit einer klaren Ansage. Ihn ärgert übrigens, dass die Offiziellen keine Dinge mit in die Halle nehmen dürfen. Schießlich hatte er vor, mit seiner Kamera zu fotografieren. Ein Handyverbot gibt es ebenfalls. „In den Venues können wir also keine Pokemons sammeln“, schmunzelt der Bönener.

„So viele positive Menschen“

Ab Sonntag ist sein Tagesplan fest geregelt. Ein Fahrservice bringt ihn in die Halle, wo um 10 Uhr die Wettkämpfe starten. Ab etwa 13 Uhr ist eine Pause, um 16 Uhr beginnen die Finalkämpfe. Den Veranstaltungsort dürfen die Kampfrichter nicht verlassen, sich die Beine auf dem Olympischen Gelände zu vertreten, wird aber möglich sein. Wie Manz letztlich eingesetzt wird, ist ihm egal. Bloß nicht die ganze Zeit sitzen: „Ich möchte auf die Matte.“ Beim Ringen gibt es den Mattenrichter, den Mattenpräsident und den Oberschiedsrichter. Neuerdings werden diese Positionen durchgewechselt. „So behält man das Feeling besser“, findet Manz die Entscheidung richtig.

Wann immer es geht, will der Bönener olympisches Flair atmen und über die Anlage schlendern. Er soll Freunden T-Shirts mitbringen, die es nur dort gibt. Für sich selbst will er Pins und alles vom Ringen mitnehmen. „Da sind so viele positive Menschen, die sind alle verkleidet in ihren Landesfarben“, schwärmt er: „Ich habe noch nie so freudige Mongolen wie in London gesehen. Die sind ja immer eher ernst. Da ist alles anders.“

Das sei das Unvergleichliche bei Olympia, auch in den Wettkampfstätten. „Da wird jedem zugejubelt, egal wer da kommt. Das ist anders als bei Weltmeisterschaften. Das ist fair und sportlich – wie Coubertin das wollte“, hat Manz die Atmosphäre aus London direkt wieder vor Augen. Dort leitete er unter anderem den Bronzekampf in der 120-Kiloklasse zwischen einem US-Amerikaner und einem Iraner unter tosendem Applaus der Fans. Das Video ist heute noch auf Youtube zu sehen und ruft bei Manz immer eine Gänsehaut hervor. Für Rio wünscht er sich deshalb einen Finalkampf. Spätestens dann werden die 10 000 Plätze der Carioca Arena 2 komplett besetzt sein. „Das ist für eine Sportart wie Ringen oder Judo mega.“ Druck verspürt der Polizist dabei nicht, im Gegenteil: „Dann habe ich Spaß. Und Spaß bedeutet, dass man eine gute Leistung abliefern kann.“

In Rio wie ein normaler Tourist

Die ganzen Diskussionen über Olympia in Brasilien, die Gefahr durch Terroristen oder den Zika-Virus lassen Manz dagegen kalt. „Sicherheitsbedenken müsste ich ja überall haben“, sagt er. Jens Lang, der als Tischtennistrainer der australischen Tischtennis-Nationalmannschaft als zweiter Bönener vor Ort ist, ist da vorsichtiger. „Für Terroristen ist das das Ziel Nummer eins.“ Im Gegensatz zu Manz muss er die ganze Zeit die Olympiakleidung tragen. „Wir sind ein sofort erkennbares Ziel“, will Lang abwägen, wie sicher es in Rio ist: „Die Tendenz ist nein, es sei denn in einer größeren Gruppe“, sagte Lang vor seinem Abflug auf die Frage, ob er die Sehenswürdigkeiten besuchen will. Im Gegensatz zu Manz ist der Tischtennistrainer schon seit vergangenem Sonntag in Rio, wird mit dem australischen Team auch bei der Eröffnungsfeier einlaufen.

Manz will sich dagegen als ganz normaler Tourist verhalten, die Jesusstatue ist dabei ein Ziel. „Ich gehe natürlich nicht nachts alleine an der Copacabana entlang oder in eine Favela, auch wenn mich einer einlädt“, lässt er durchaus Vorsicht walten. Bis sein Flieger abhebt, wird sich der Bönener weiter fithalten. „Viel frische Luft, Fahrradfahren und Laufen, damit man sich von Anfang gut fühlt.“

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