Bei Weltmeister Cetin kribbelt es noch

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Ein oft gesehenes Bild: Der Bönener Senol Cetin feiert einen Sieg. Nach seinem Comeback im Jahr 2012 gewann alle Kämpfe durch k.o. und holte sich den WM-Titel zurück.

BÖNEN - Den Ring vermisst Senol Cetin nicht, aber an seine Erfolge im Ring denkt der Bönener gerne zurück. Sein Weltmeistergürtel liegt gut sichtbar auf einem Sideboard, seine Pokale stehen in mehreren Trophäenschränke, schließlich sind es etwa 180 an der Zahl. Und die wecken schöne Erinnerungen an seine Karriere als Boxer und Kickboxer.

 Seit Mitte Mai ist der Bönener sozusagen Kampfsportrenter, nachdem er im stolzen Alter von 42 Jahren noch ein letztes Mal seinen WM-Titelgegen den früheren Profikämpfer Hugo Tasabat verteidigt hatte. 600 Zuschauer waren zu seinem finalen Kampf in der Kamener Koppelteichhalle gekommen. Eine Kulisse, über die sich Cetin noch heute freut: „600 Leute für einen Kämpfer, das war schon gut“, sagt er nicht ohne Stolz.

Sein Comeback, das er 2012 mit 39 Jahren und drei Jahren nach seinem ersten Rücktritt in Angriff nahm, bewertet er nicht nur wegen dieses Auftritts absolut positiv. „Ich habe viel Feedback bekommen“, sagt er, und: „Ich hätte nie gedacht, dass es so gut klappt.“ Acht Kickbox-Kämpfe bestritt Cetin in den vergangenen vier Jahren, alle acht gewann er durch K.o.

Insgesamt stand er 250 Mal im Ring und verließ das Viereck 204 Mal als Sieger. Dabei hat er erst mit 21 Jahren mit dem Boxen angefangen. Eine Sache, die er heute bereut. „Es ist schade um das Talent“, findet er: „Wenn ich mit zehn oder elf Jahren angefangen hätte, hätte ich es vielleicht in die ARD geschafft“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. So reichte es unter anderem im Boxen zum westdeutschen Meister und im Kickboxen zum Weltmeister im Cruisergewicht (bis 86 kg). Nach dem Ende seiner aktiven Karriere liegt der Bönener aber nicht auf der faule Haut. Im Gegenteil, zweimal die Woche ist Training in Kamen, am Wochenende wird Fahrrad gefahren oder gelaufen. „Mindestens zehn Kilometer. Ab fünf Kilometer werde ich erstmal warm“, erklärt er. Ein Rennen, wie den der Lauffreunde am Förderturm würde er sich jedenfalls locker zutrauen.

Beim Training immer vorne weg

Dazu ist der 42-Jährige noch Trainer beim BSC Kamen, und auch da marschiert er vorne weg. „Ich bin einer der immer mitmacht. Ich muss ja auch was tun, sonst würde ich in einem halben Jahr zehn Kilo zunehmen“, sagt er und lacht. In seiner Gruppe, in der auch ein paar Bönener sind, reicht das Alterspektrum von elf bis 53 Jahre. Mit Laufen, Seilchenspringen, Zirkel- und Gerätetraining und natürlich Technik- und Taktikübungen macht er seine Schützlinge fit. Wichtig sind ihm dabei vor allem Disziplin, Ehrgeiz und Fleiß. Dinge, die er auch selbst immer gelebt hat.

Auch nach seinem Rücktritt kribbelt es bei Cetin noch in den Fingern, ein erneutes Comeback schließt er aber aus. „Offiziell werde ich nicht mehr antreten. Ich lass es so sein, wie es ist“, betont er, lässt sich allerdings die Option offen, vielleicht einmal einen Rahmenkampf zu bestreiten. Und was mit seinem Nachfolger als Weltmeister wird, interessiert den Bönener eher wenig. Der Verband hat ihm seinen WM-Gürtel geschenkt und einen neuen angefertigt, um den sich zwei Herausforderer streiten. „Aber das ist mir egal“, hat Cetin mit dem Leistungssport abgeschlossen. Mit 42 ist das schließlich auch nicht verwunderlich. J bob

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