Uwe Manz wird in Rio mit goldener Pfeife ausgezeichnet

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Der Bönener Uwe Manz leitete bei den Olympischen Spielen viele Kämpfe auf der Ringmatte.

Rio de Janeiro - Die Flamme ist erloschen, die Olympischen Spiele sind seit Sonntagnacht vorbei. Doch Uwe Manz wird seine Zeit in Rio de Janeiro nicht vergessen. Und das liegt nicht nur daran, dass der Bönener vom Ringer-Weltverband (Fila) zu einem der besten Kampfrichter des Turniers und des vergangenen Jahres ausgezeichnet wurde und dafür die goldene Pfeife erhielt.

„Ich hatte ein bisschen gehofft, war mir aber eigentlich sicher, dass die Ehrung andere bekommen würden“, sagte Manz. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung etwas unspektakulär. Weil dem Weltverband ein Organisationsfehler unterlief, fand die Zeremonie nicht am Samstagabend im feierlichen Rahmen im „Home of Wrestling“, dem Haus der Ringer statt, sondern am Sonntag vor den letzten Wettkämpfen im Kampfrichterraum. In der Halle durften die Fila-Vertreter nicht, weil das Olympia-Protokoll dies nicht vorsah. Manz war es egal, er freute sich über die Ehre, die er sich mit einem Marokkaner und einem Tschechen teilte.

Der Bönener war mit seinen Leistungen in Rio zufrieden. „Ich wurde ziemlich oft eingesetzt und hatte nicht gerade einfache Kämpfe, nach denen es viel Diskussionsbedarf gab“, sagte der 52-Jährige. Spätestens im Nachhinein erhielt Manz dank des Videobeweises aber stets Recht mit seine Entscheidungen. Besonders erinnert sich der Polizeibeamte an einen Kampf zwischen zwei Olympiasiegern aus Korea und Russland, in dem er zwischen einer Zweier- und Viererwertung wählen musste. Er verteilte die Zwei, und die TV-Aufnahmen gaben ihm später recht. Auch nach einer Entscheidung gegen einen Puerto Ricaner kochten die Emotionen hoch, woraufhin Manz sogar Nachrichten aus dem karibischen Inselstaat auf sein Facebook-Profil erhielt. „Man muss manchmal seinen eigenen Kopf durchsetzen“, lässt sich der Schiedsrichter von den Kommentaren in der Halle und im Internet nicht beeinflussen.

Manz war es übrigens auch, der am Sonntag den letzten Kampf der Ringer-Wettbewerbe in Rio als Mattenpräsident leitete. In der letzten Sekunde krönte sich der 21-jährige Amerikaner Kyle Snyder gegen Khetag Goziumov aus Aserbaidschan zum jüngsten Olympiasieger der US-Ringerhistorie. Für den Bönener ein schöner Abschluss.

Das war auch die Schlussfeier der 31. Olympischen Spiele, auch wenn der Weg zum Maracana-Stadion noch einmal die ganze Bandbreite der chaotischen Verhältnisse im Straßenverkehr der Millionenmetropole aufzeigte. Drei Stunden war Manz mit seinen Kampfrichter-Kollegen vom Hotel aus unterwegs, das Programm in Brasiliens Wahrzeichen schien schon längst angefangen zu haben. Irgendwann hörten die Schiedsrichter, dass sich ihr Busfahrer wohl verfahren hatte. „Englisch hat keiner beherrscht, und von uns konnte niemand portugiesisch“, fühlte sich Manz Lost in Translation. Während die Hälfte seiner Mitstreiter bereits wieder den Rücktritt angetreten hatte, ging es auf der letzten Etappe dann schnell. Manz und Co. erhielten Plätze im Bereich der „Olympic Family“ und hatten Glück, denn der Beginn der Feier hatte sich auch um eine Stunde verzögert. So konnte der Bönener den Abend in Ruhe genießen. „Das war schon cool und rundum gelungen“, freute sich Manz trotz des Regens. So lautet sein Resümee seiner zehn Tage, die er vor Ort war. „Es waren farbenfrohe Spiele. Die Organisation war alles in allem doch akzeptabel“, sagte er. Nur die Verkehrssituation eben nicht.

Ein gutes Fazit zieht der 52-Jährige auch bei den Ringen-Wettbewerben. Die standen im Vorfeld unter Beobachtung, nachdem die Sportart vorübergehend auf die Olympia-Streichliste gerutscht war. Alles habe gut funktioniert, so Manz. Dass am Ende zwei mongolische Betreuer sich fast komplett ausgezogen, weil sie mit einer Entscheidung in einem Bronzekampf – in den Manz nicht involviert war – nicht einverstanden waren und für einen Eklat sorgten, fand der Bönener aber indiskutabel. „Das war kein Aushängeschild für das Ringen. Die Mongolen haben sich zwar entschuldigt, aber das kann man nicht zurücknehmen. Die Bilder gingen um die Welt.“

In zwei Tagen steigt der 52-Jährige wieder in den Flieger gen Heimat. „Olympia“, bilanziert er, „ist immer wieder etwas Neues. Man kommt mit Sportlern und Zuschauern aus aller Welt ins Gespräch“, hat er die Zeit in Rio genossen. - bob

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