Jens Lang bei Olympia auf Du und Du mit Sam Stosur

Der Bönener Jens Lang (Mitte) mit seinem Teamleiter Scott Houston (links) und Spieler David Powell. - Fotos: pr

Rio de Janeiro - Bei den Olympischen Spielen beginnt für Jens Lang heute der zweite Abschnitt. Der Bönener ist Tischtennistrainer der australischen Nationalmannschaft, und die startet Freitag in die Teamwettbewerbe. Die Australier sind klarer Außenseiter, was aber natürlich nicht heißt, dass sie ohne sportlichen Ehrgeiz in die Partie am Freitag gegen Nordkorea (Damen) und am Samstag gegen Hongkong (Herren) hineingehen.

Für Lang ist das ein Spagat. „Bei Olympia geht es um Leistung und wir wollen gewinnen“, sagt er: „Aber wir müssen realistisch sein. Unser Ziel ist es, den Gegner so weit wie möglich zu fordern.“ Alles andere als deutliche Niederlagen wäre ein Erfolg. Denn die australischen Teams sind als letzte der 16 teilnehmenden Mannschaften gelistet. 

Nordkoreas Damen wurden dagegen erst im März bei der WM in Malaysia Dritte. Hongkong wiederum verfügt über zwei Spitzenspieler, die an Nummer neun und 25 der Weltrangliste rangieren. Zum Vergleich: Der beste Australier, David Powell, ist 270.

Auf jeden Fall hat Lang sein Team sich bestens vorbereitet auf die Aufeinandertreffen. Nach dem Ausscheiden der letzten Australierin Jian Fang Lai, am Sonntagabend hatten die Spieler eineinhalb frei Tage, dann begann das Training. „Wichtig ist der Mannschaftszusammenhalt“, gibt Lang für die Partien aus. Außerdem müsse er als Trainer im taktischen Bereich tüfteln. Wer darf in zwei Einzeln an die Platte, wer in Einzel und Doppel und wer nur in Einzel oder Doppel.

Ein Vorteil der langen Pause ist für seine Schützlinge, dass sie sich in den Doppeln intensiv lange einspielen konnten. Allerdings müsse er als Coach aufpassen, dass sich die Spieler in den teaminternen Duellen nicht abnutzten. „Wir sind jetzt seit drei Wochen zusammen. Da spielt man immer gegen die gleichen Trainingspartner, da muss man variabel bleiben“, hat Lang deshalb Partien gegen andere Länder wie die USA ausgemacht. Auch seien die Spieler mental im Vorteil, die länger im olympischen Wettbewerb vertreten sind, weil sie ihren Motivationslevel hochhalten könnten, so Lang.

Super Stimmung im australischen Team

Der Bönener war in der Zwischenzeit weiterhin in der Tischtennishalle, traf den deutschen Trainer Jörg Roskopf, mit dem er befreundet ist, unterhielt sich mit Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov. Außerdem tauschte er sich mit dem englischen Teamkoordinator aus. Dabei ging es vermehrt um außersportliche Aspekte. So haben beide Länder, die zu den kleinen in der Tischtenniswelt zählen, ein ähnliches Fördersystem.

Außerdem schaute sich Lang natürlich die Spiele an. Und da war für ihn der Auftritt des Brasilianers Hugo Calderano am Montag gegen Tang Peng ein Erlebnis. Die Fans feuerten ihren Lokalmatadoren frenetisch an. „Das war wie im Fußballstadion. Das ist etwas, was Tischtennis braucht, wenn wir das Interesse steigern wollen“, fand er die lautstarke Atmosphäre super. Einige Spieler waren hingegen nicht so begeistert.

Natürlich genießt Lang aber die Olympischen Spiele auch außerhalb der Tischtennishalle. Er war beim Beachvolleyball an der Copacabana. „Das war super interessant, weil die Arena super geil ist.“ Verfolgte das Tennismatch zwischen der Australierin Sam Stosur und Angelique Kerber, saß beim Spiel von Serena Williams zufällig in deren Loge, als die Favoritin gegen die Ukrainerin Elina Svitolina verlor. Überhaupt versteht er sich mit den australischen Tennisspielern sehr gut. „Im australischen Haus stehen zwei Tischtennisplatten, und da haben die Tennisspieler immer dran gespielt und sich für die besten gehalten. Sie wollten dann auch gegen uns spielen, und so hat sich das entwickelt“, sagt Lang.

Der Spirit im Team sei super und besser als in London, gemeinsam mit den Schwimmern schauten am Mittwoch alle das Basketballspiel gegen die USA auf den Fernsehern in einem großen Gemeinschaftssaal, während die Basketballer später den Schwimmern zuschauten. Der Umgang sei dabei meist recht locker. Sportler und Trainer fühlen sich bei Olympia als große Gruppe. - bob

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