Schmitz genießt die Zeit in Rio / Sechster über 100 m

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Für den RGS-Sportler Denis Schmitz sind die Tage in Rio de Janeiro ein Riesenerlebnis. Der Rennrollstuhlfahrer fühlt sich im olympischen Dorf sichtlich wohl.

Rio de Janeiro - Es ist ein Erlebnis, dass Denis Schmitz nicht mehr vergessen wird. Schon als er in das olympische Leichtathletikstadion von Rio de Janeiro einfuhr, war der 24-Jährige begeistert. „Oh mein Gott, was ist denn hier los“, dachte Schmitz, als er die über 30 000 Zuschauer sah und hörte. In seinem Rennen am Samstagnachmittag war er dann aber ganz cool und wurde in 21,22 Sekunden Sechster.

 „Wir sind total zufrieden“, sagte Vater und Trainer Rüdiger Schmitz: „Unser Hauptziel war, dass wir gut durchkommen.“ Zwar erreichte Denis Schmitz nicht seine Bestzeit, die bei 19,71 Sekunden liegt. Doch selbst damit wäre ein Medaillenrang in seiner Schadensklasse T33 nicht möglich gewesen. Die Top Vier waren nach 17 beziehungsweise 18 Sekunden im Ziel. S

o lieferte sich der in Lünern wohnende RGS-Sportler ein packendes Duell um Rang fünf mit dem Kuwaiti Naser Saleh. Schmitz legte einen perfekten Start hin. „Das war total klasse“, lobte sein Coach, der weiß, dass der Rennbeginn lange nicht zu den Stärken seines Sohnes zählte. Im Verlauf der 100 Meter verlor der Bönener aber einmal seinen Rhythmus und damit wertvolle Sekunden. Letztlich wurde für Schmitz und Saleh die gleiche Zeit gemessen. Das Zielfoto entschied dann für den Araber. Der Bönener war über den sechsten Rang dennoch begeistert. „Er war total happy und stolz, dabei zu sein. Er ist jetzt Para-Olympionike“, beschreibt Rüdiger Schmitz die Gefühle seines Sohnes.

Vor dem Start waren alle Augen im Stadion und an den Fernsehschirmen auf Denis Schmitz gerichtet.

Der fand 2009 zum Rennrollstuhlsport, nachdem er auch andere Sportarten ausprobiert hatte. Eine Gehirnblutung nach der Geburt führte bei Denis Schmitz zu einer Spastik, die hauptsächlich die Beine betrifft. Zudem trug er geistige Beeinträchtigungen davon. Jetzt genießt er das Abenteuer in Brasilien. Dabei schien es erst so, als ob der Traum von Rio 2016 schon vorbei ist. Schmitz war zunächst nicht im deutschen Paralympicsteam, wurde jedoch wenige Tage vor dem Start nachnominiert, weil einige Plätze frei geworden waren. „Sein Verein steht Kopf, das Dorf steht Kopf“, sagt Vater Rüdiger, der seit der Eröffnungsfeier unzählige Whatsapp-Nachrichten erhalten hat, auf denen sein Sohn im Fernsehen zu sehen ist. „Das Feedback ist toll.“

Nach seinem Rennen fand Schmitz einen Platz im Publikum, wo Mutter Andrea mitgefiebert hatte, und genoss es, den Wettkämpfen zuzusehen. Denn zuvor war Konzentration angesagt. In den Tagen seit seiner Ankunft hatte der RGS-Athlet auf dem Aufwärmplatz trainiert, wo er auch am Samstag noch einmal alles durchging. Auch ein Besuch des Stadions gehörte zum Programm, doch war es da noch leer. Am Samstag wurde Schmitz 45 Minuten vor dem Start in den Callroom gebeten und dann ins gefüllte Stadion geführt, wo er beim 100-m-Rennen Aufstellung nahm. Am selben Ort, wo drei Wochen zuvor Usain Bolt noch seine Goldmedaillen gesammelt hatte.

Die letzten Tage bis zum Abflug am kommenden Wochenende möchte Familie Schmitz nun genießen. Am Sonntag fuhren alle drei an die Copacabana und schwammen im Meer. „Die Brasilianer wollen alle Fotos mit Denis machen, wenn sie sehen, dass er ein Sportler ist“, sagt Rüdiger, dass sein Sohn ein bisschen wie ein Star behandelt wird. Heute besucht Andrea Schmitz ihren Sohn im Olympischen Dorf. Im Verlauf der Woche steht auch noch ein Empfang im Deutschen Haus an. Außerhalb will der 24-Jährige möglichst viele Wettkämpfe besuchen oder im Aufwärmstadion weiter trainieren. „Die Atmosphäre ist grandios. Das internationale Flair ist toll. Und Denis spricht ja auch mit jedem“, sagt der Vater. Der lobt auch die Gegebenheiten vor Ort. „Alles hier ist rolli-gerecht. Es funktioniert alles reibungslos.“ Und im Gegensatz zu den Olympischen Spielen feiern die Brasilianer bei den Paralympics auch alle Teilnehmer. „Wir werden total gut angenommen“, sagt Rüdiger Schmitz und freut sich auf die verbleibenden Tage.

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