Trotz Rekord-Aufnahme von Migranten

Studie: Schweden kann Integration von Flüchtlingen bewältigen

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Junge Transitflüchtlinge, die nach Skandinavien wollen, im Seehafen Rostock.

Stockholm - Schweden hat im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich mehr Flüchtlinge aufgenommen als beispielsweise Deutschland. Eine Studie der OECD hat die Integrations-Möglichkeiten untersucht.

Schweden hat nach Einschätzung der OECD gute Voraussetzungen zur Integration Zehntausender Flüchtlinge. Vor allem die Kinder der Zuwanderer hätten gute Integrationschancen. Auch bei den Bemühungen, Einwanderern möglichst schnell Arbeit zu verschaffen, gebe es vielversprechende Ansätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Freitag in Stockholm vorgestellt wurde.

Das skandinavische Land hatte im vergangenen Jahr mit 163.000 Asylbewerbern die höchste Zuwanderung im Verhältnis zur Bevölkerungszahl in Europa - bei gerade einmal neuneinhalb Millionen Einwohnern. „Schweden gilt für viele andere Länder als Vorbild, und nun schauen alle, wie es die Herausforderungen bewältigt“, sagte Stefano Scarpetta von der OECD.

Flüchtlinge dürfen auch arbeiten

Studienautor Thomas Liebig verwies darauf, dass in Schweden viele Neuankömmlinge schon während des laufenden Asylverfahrens die Chance auf einen Sprachkurs haben. Sie dürfen auch arbeiten. Nach Anerkennung als Flüchtling starten die Zuwanderer ein zweijähriges Einführungsprogramm, das unter anderem darauf abzielt, sie schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Vor allem bei Fachkräften gebe es eine gute Zusammenarbeit mit Unternehmen, so Liebig. „Was Sprachkurse und Weiterbildungsangebote angeht, sind die Schweden gut.“

Probleme mit Geringqualifizierten

Schwieriger sei es hingegen, Geringqualifizierte in Beschäftigung zu bringen, weil der schwedische Arbeitsmarkt nur wenig Bedarf für sie habe. Hier müsse der Staat mehr in Bildung investieren und zu Beginn Arbeitsplätze subventionieren, empfiehlt die Studie - denn eine Beschäftigung sei der Schlüssel zur Integration. Wichtig sei auch, Einwanderer da anzusiedeln, wo Arbeitskräfte gebraucht werden. Ein Hindernis sei allerdings das knappe Angebot an Wohnungen in Schweden, das Problem habe sich durch den Flüchtlingszustrom verstärkt.

Der Auftrag für die Studie kam von der schwedischen Regierung. Arbeitsministerin Ylva Johansson sagte: „Es ist gut, eine Sicht von außen zu bekommen.“ In Schweden sei es man gewohnt, für alles System zu haben, doch nun müsse man neue Systeme entwickeln.

dpa

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