Verleihung des Aachener Karlspreises

Merkel sucht beim Papst Rat zur Flüchtlingskrise

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Papst Franziskus und Kanzlerin Angela Merkel unterhalten sich während der Privataudienz vor der Verleihung des Karlspreises.

Rom - Für seine Verdienste hat Papst Franziskus am Freitag den Aachener Karlspreis erhalten. Davor empfing er Kanzlerin Angela Merkel zu einer Privataudienz - und machte ihr ein Geschenk.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Rede von Papst Franziskus bei der Verleihung des Karlspreises an das Kirchenoberhaupt als „Ermutigung“ und „klare Botschaft“ gewürdigt. „Er hat uns aufgefordert, drei Dinge zu beachten: Die Fähigkeit zum Dialog, die Fähigkeit zur Integration und die Fähigkeit, etwas hervorzubringen“, sagte Merkel am Freitag nach dem Festakt in Rom. „Ich glaube, das Hervorbringen (...), das ist Auftrag für uns, zu handeln, Europa zusammenzuhalten“, ergänzte die CDU-Politikerin.

Merkel hatte zuvor im Vatikan am Festakt zur Verleihung des Aachener Preises an Franziskus teilgenommen. Es sei eine „beeindruckende Karlspreisverleihung“ gewesen, lobte Merkel. „Beeindruckend war dies deshalb, weil sehr klare Botschaften ausgesendet wurden“, sagte sie.

Auch die Privataudienz beim Pontifex zuvor sei für sie sehr wichtig und eine Ermutigung gewesen, betonte Merkel. In dem gut 20-minütigen privaten Gespräch im Vatikan sei es unter anderem um Themen wie Frieden und „den Auftrag Europas, auch Hilfe zu leisten, Unterstützung zu leisten als reicher Kontinent“ gegangen, ergänzte Merkel. Papst Franziskus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Privataudienz einen Friedensengel überreicht. Die protestantische CDU-Politikerin bedankte sich und sagte: „Den können wir gut gebrauchen in Europa.“

Papst Franziskus fordert Erneuerung des europäischen Gedankens

Papst Franziskus hat zur Karlspreis-Verleihung ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Erneuerung Europas gehalten. Er träume von einem „neuen europäischen Humanismus“, der sich durch die Fähigkeit zu Integration, Dialog und Kreativität auszeichne, sagte er bei dem Festakt am Freitag im Vatikan. Nachdrücklich verteidigte er Kulturoffenheit und Mut zur Veränderung im Alten Kontinent: „Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität“, so der Papst. Angesichts einer „zerrissenen und verwundeten Welt“, müsse Europa zu der gleichen „Solidarität der Tat“ und konkreten Großzügigkeit zurückkehren, die auf den Zweiten Weltkrieg folgte, mahnte Franziskus.

Das Karlspreisdirektorium würdigte laut der Verleihungsurkunde das „herausragendes Engagement für Frieden, Verständigung und Barmherzigkeit in einer europäischen Gesellschaft der Werte“ des Papstes. An der Zeremonie nahmen unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Spitzen der EU teil.

Der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, sagte bei der Verlesung der Urkunde in der Sala Regia des Apostolischen Palastes, Franziskus gebe „Mut und Zuversicht, Europa wieder zu dem Traum zu machen, den wir seit mehr als 60 Jahren zu träumen gewagt haben“. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp beklagte eine Erosion des kulturellen und moralischen Fundaments in Europa. Es sei ein „großes Glück“, dass Franziskus ohne einen „Wohlstandsschleier“ auf den in Widersprüche verzerrten Kontinent schaue.

Papst Franziskus verglich Europa mit einer Großmutter

Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und den Mächtigen die Leviten gelesen. Dabei verglich er Europa mit einer Großmutter, sprach von einem müden und gealterten Kontinent. Er warb für ein gemeinsames Europa, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten im Mittelmeer.

Erst im April hatte Franziskus die griechische Insel Lesbos besucht und die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Dies gelte besonders für die Europäer, mahnte er.

Der Andrang im Vatikan ist riesig

Schon vor Beginn des eigentlichen Festaktes herrschte großer Andrang im Vatikan. Allein aus Aachen wollten Hunderte Delegierte teilnehmen. Schulz, Tusk, Juncker und der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp wollten Reden halten.

Franziskus erhält den Karlspreis für seine ermutigenden Worte und seine Verdienste um Europa. Der Argentinier ist der erste Papst, der den regulären Karlspreis erhält. Johannes Paul II. war 2004 ein außerordentlicher Karlspreis verliehen worden.

kna/dpa

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