Starke Polizeipräsenz

Erste Randale bei Anti-G7-Demo: Mehrere Verletzte

+
Stunden vor Beginn der G7-Demonstration in Garmisch-Partenkirchen hat die Polizei ihre Präsenz deutlich verstärkt.

Garmisch - Bei der Demonstration der G7-Gipfelgegner in Garmisch-Partenkirchen hat es am Samstag eine gewaltsame Auseinandersetzung gegeben. Nach Angaben der Polizei wurden Beamte mit Flaschen und Feuerlöschern angegriffen.

Ein Polizist wurde am Auge verletzt - es sei aber noch unklar, durch was, sagte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Auch Demonstranten wurden von Sanitätern behandelt, offensichtlich ebenfalls an den Augen. Zudem hätten Demonstranten zwei Rauchkerzen gezündet, sagte Kammerer. Kurz darauf beruhigte sich die Lage wieder.

Das Aktionsbündnis „Stop G7“ sprach von Attacken der Polizei und einer Festnahme. Die Gipfelgegner machten die Polizei für die „Eskalation“ verantwortlich. Bis zu diesem Zwischenfall war die Demonstration über Stunden hinweg friedlich verlaufen.

Die Polizei schrieb auf Twitter: „Feuerlöschpulver auf Polizisten sprühen und Flaschenwerfen ist NICHT friedlich und GEHT GAR NICHT.“ Sie fügte hinzu: „Pfeffersprayeinsatz der Polizei war notwendig, weil Polizisten mit Flaschen und Feuerlöschern angegriffen wurden.“

Den Einsatz von Schlagstöcken bestätigte die Polizei zunächst nicht - das hatten die Gipfelgegner den Beamten vorgeworfen.

Einzelne Demonstranten versuchten, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Dazu benutzen sie zwei bunte bemalte Styroporplatten. Sie wurden aber durch das massive Polizeiaufgebot daran gehindert.

Das Aktionsbündnis „Stop G7 Elmau“ berichtete, ebenfalls auf Twitter, es seien Demonstranten verletzt worden. Eine junge Frau habe viel Pfefferspray abbekommen, Verletzte würden am Lautsprecherwagen behandelt.

Demo begann am Nachmittag  mit 2500 Teilnehmern

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot waren die Demonstranten am Samstag gegen 14.45 Uhr vom Bahnhof aus in Richtung des Ortsausgangs nach Mittenwald gestartet. Die Polizei sprach zunächst von rund 2500 Teilnehmern. Der Demonstrationszug muss am Ortsausgang kehrt machen und auf der selben Strecke wieder zurück, bevor er nach einer kleinen Schleife durch den Ortsteil Partenkirchen dann wieder zum Bahnhof zurückkehren soll. Grund für den späteren Start waren laut Polizei zu lange beziehungsweise verknotete Transparente sowie Probleme mit einem Lautsprecherwagen.

Die Polizei rechnete mit rund 7000 Teilnehmern. Eventuell könnten es auch 8000 werden, sagte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Man gehe davon aus, dass der Anteil von „Protestteilnehmern“ zwischen 40 und 50 Prozent liege. Ihnen könne man unterstellen, „dass sie eher zum gewaltbereiten autonomen Spektrum gehören“.

Stunden vor Beginn der G7-Demonstration in Garmisch-Partenkirchen hatte die Polizei ihre Präsenz bereits deutlich verstärkt. Im Ort waren am Samstagmorgen die Straßen voll mit Polizeiwagen. Allein in der Ludwigstraße, durch die der Demonstrationszug gegen den G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau führen soll, parkten eng aneinander Dutzende Fahrzeuge der Landes- und Bundespolizei. Am Bahnhof bauten Beamte Sperrgitter auf. Die Bundespolizei kontrollierte die Ankömmlinge am Bahnhof. Gitter leiten die Reisenden zu den Beamten. „Wir kontrollieren nach Lageerkenntnis, wenn wir den Eindruck gewinnen, dass es G7-Gegner sein könnten“, sagte die Sprecherin der Bundespolizei, Martina Dressler.

Alle aktuellen Informationen zum G7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen finden Sie im Live-Ticker von Merkur.de

Vereinzelt kamen Gäste mit Rucksack, Isomatte und Schlafsack an - sie können gewöhnliche Urlauber sein oder Teilnehmer der Demonstration auf dem Weg zum Protestcamp. Am Bahnhofsvorplatz war ein Schnellrestaurant mit weiß-roten Bändern abgesperrt, Geschäfte blieben geschlossen. Am Mittag begann im Ortskern die zentrale Kundgebung. Die Organisatoren rechneten mit 10.000 Globalisierungsgegnern.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben führender Industrienationen im nahe liegenden Schloss Elmau beginnt am Sonntag und dauert bis Montag.

Griechenland-Gespräche bei G7-Gipfel erwartet

Die zugespitzte griechische Schuldenkrise wird nach Einschätzung von Diplomaten „mit Sicherheit“ am Rande des G7-Gipfels zur Sprache kommen. Es seien wichtige Akteure wie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Sonntag an im bayerischen Elmau versammelt, hieß es am Samstag vor dem Treffen. Auf der offiziellen Tagesordnung des zweitägigen Spitzentreffen steht das griechische Schuldendrama nicht.

Griechenland und seine Geldgeber streiten sich seit Wochen um ein Reform- und Privatisierungspaket. Ohne eine verbindliche Abmachung dazu können blockierte Hilfen von insgesamt 7,2 Milliarden Euro an das akut pleitebedrohte Land nicht fließen. Da Expertenverhandlungen ergebnislos blieben, versuchen nun die „Chefs“, unter ihnen auch der französische Präsident François Hollande, einen Ausweg aus der gefährlichen Krise zu finden. Auch Hollande wird in Elmau erwartet.

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir bereits für Sie zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Demo in Garmisch

Bilder: G7-Gegner demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen

dpa

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare