Im Alter von 97 Jahren gestorben

Früherer Bundespräsident Walter Scheel ist tot

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Walter Scheel war der vierte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Berlin - Er war einer der Väter der sozialliberalen Ostpolitik - und wurde später als singender Bundespräsident populär. Nun starb der FDP-Politiker Walter Scheel mit 97 Jahren.

Der frühere Bundespräsident Walter Scheel ist tot. Er starb am Mittwoch mit 97 Jahren, wie das Bundespräsidialamt am Nachmittag in Berlin mitteilte. Zuerst hatte die „Süddeutsche Zeitung“ vom Tod des Ex-Außenministers und langjährigen FDP-Mitglieds berichtet. Scheel hatte seit Jahren in einem Pflegeheim in Bad Krozingen bei Freiburg gelebt. Gesundheitlich angeschlagen und unter Demenz leidend, zeigte er sich nur noch selten in der Öffentlichkeit.

Scheel führte die Liberalen von 1968 bis 1974 auch als Parteichef. Von 1969 bis 1974 war er Außenminister und Vizekanzler in der SPD/FDP-Koalition von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Danach, von 1974 bis 1979, amtierte Scheel als Bundespräsident und war damit viertes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde als singender Präsident („Hoch auf dem gelben Wagen“) äußerst populär.

Gauck würdigt das politische Lebenswerk Scheels 

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Ost- und Europapolitik seines Vorgängers Scheel. „In seinen öffentlichen Ämtern, ganz besonders als Bundespräsident, hat Ihr Mann Großes geleistet“, schrieb Gauck nach Angaben des Präsidialamtes am Mittwoch an Scheels Witwe Barbara. „Die Einigung Europas voranzutreiben, lag ihm besonders am Herzen.“

Früh habe er die Bedeutung einer europäischen Integrationspolitik für Deutschland erkannt. „Mit seiner Ost- und Europapolitik hat er sich bleibende Verdienste für die Verständigung und Versöhnung auf unserem Kontinent erworben“, schrieb Gauck.

Für Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) war Scheel „ein Menschenfreund, ein glänzender Redner, weltgewandt, optimistisch, humorvoll und volksnah. Unser Land, um das er sich höchste Verdienste erworben hat, ist ihm zu großem Dank verpflichtet.“ Er denke „gerne an die Begegnungen mit Ihrem Mann gerade auch nach seiner aktiven Zeit zurück (...)“, schrieb Lammert der Witwe Scheels.

FDP-Chef Christian Lindner erklärte: „Die Freien Demokraten trauern um einen großen Liberalen. Walter Scheel hat als Parteivorsitzender, als erster Entwicklungsminister, als Außenminister und Vizekanzler sowie als Bundespräsident Spuren hinterlassen. Er hatte den Mut, mit Willy Brandt eine sozialliberale Koalition zu begründen, die durch die neue Ostpolitik und mehr gesellschaftliche Liberalität ein neues Kapitel für Deutschland aufgeschlagen hat.“

FDP verliert weiteren prominenten Kopf

Scheel sei „ein Mann der Heiterkeit und Menschenfreundlichkeit“ gewesen, „aber auch der Härte, wenn es nötig war“. Die FDP hatte mit dem Tod der früheren Außenminister Guido Westerwelle und Hans-Dietrich Genscher in diesem Jahr bereits zwei ihrer prominentesten Köpfe verloren.

Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) hob Scheels Rolle als Brückenbauer zwischen Politik und Bürgern hervor. Auch nach seiner aktiven politischen Zeit sei Scheel ein „überzeugter und überzeugender Europäer und deutscher Weltbürger“ geblieben, der sich für internationale Belange genauso wie für Kunst und Kultur engagiert habe, sagte der sächsische Ministerpräsident in Dresden. „Deutschland hat einen Liberalen der ersten Stunde und Staatsmann verloren.“

Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen als Sohn eines Stellmachers geboren. 1946 trat er in die FDP ein. Der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftsberater war fast 25 Jahre lang Abgeordneter. Er amtierte als Bundesminister unter den CDU-Kanzlern Konrad Adenauer und Ludwig Erhard sowie später unter Brandt. Unter Adenauer war Scheel erster Entwicklungshilfeminister der Republik.

Scheel trieb mit Brandt die Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik voran

An der Seite Brandts setzte Scheel schließlich die umstrittenen Ostverträge durch und vollzog eine Neuausrichtung der deutschen Politik. „Willy Brandt konnte nur deshalb das Land verändern, weil er mit Walter Scheel einen kongenialen Partner hatte“, sagt der heutige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Nach seinem 95. Geburtstag vor zwei Jahren hatte Scheel seinen letzten großen öffentlichen Auftritt, um in Bad Krozingen Glückwünsche entgegenzunehmen. Bereits damals überschatteten aber Querelen um die Pflege und den Gesundheitszustand des Demenzkranken die festliche Stimmung. Der Grund: Seine dritte Frau Barbara lag im juristischen Streit mit Scheels Pflegeheim.

AFP

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