EU-Gipfel am Dienstag

Brexit-Votum: Merkels harte Ansage an Briten

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Angela Merkel.

London - Nach dem Brexit herrscht weiterhin Ratlosigkeit und Aufregung. Welche Folgen hat der Ausstieg Großbritanniens? Wie reagieren Deutschland und die EU? Und kann eine Petition dem UK eine neue Abstimmung bringen? Wir halten Sie auch am Dienstag im News-Blog auf dem Laufenden.

  • Der 23. Juni 2016 wird in die Geschichte eingehen: Es ist der Tag, an dem Großbritannien für den Brexit gestimmt hat - 52 Prozent waren dafür.
  • Premierminister David Cameron kündigte sofort seinen Rücktritt an - spätestens im Oktober soll es einen Nachfolger geben.
  • Das Vereinigte Königreich steht vor dem Zerfall: Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.
  • Mittlerweile gibt es eine Petition, die für den Verbleib wirbt. 3,5 Millionen Menschen haben bereits unterzeichnet. Allerdings ist die Zahl mit Vorsicht zu genießen.
  • Die drei großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Italien drängen auf baldige Austrittsverhandlungen.

Heftige Debatte im EU-Parlament

12.30 Uhr: Der Brexit hat Europa mächtig durcheinander gebracht. Am Dienstagnachmittag treffen deshalb die EU-Staatschefs zusammen, um darüber zu beraten, wie es weiter geht. Zunächst kommt auch Englands Premier David Cameron, am Mittwoch sind die 27 Mitgliedsstaaten der EU unter sich. Wir bedanken uns für Ihre ausdauernde Aufmerksamkeit. Ab sofort berichten wir über Neuigkeiten zum Brexit und alle Themen rund um das Treffen im EU-Gipfel-News-Ticker.

12.14 Uhr: Der Rechtspopulist und Brexit-Wortführer Nigel Farage will auch nach einem EU-Austritt Großbritanniens auf Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union nicht verzichten. Im Europaparlament warb der Brite am Dienstag für ein Freihandelsabkommen. „Wir werden mit Euch Handel treiben, wir werden mit Euch kooperieren“, sagte der EU-Abgeordnete. „Wir werden Euer bester Freund auf der Welt sein.“

Farage schickte aber eine Warnung hinterher: Sollte es eine solche Vereinbarung nicht geben, wären die Konsequenzen für die EU viel schlimmer als für sein Land. Der Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei wurde mehrfach von Pfiffen und Buhrufen aus dem Brüsseler Plenum unterbrochen. Parlamentspräsident Martin Schulz musste die Abgeordneten zur Ruhe rufen: „Sie benehmen sich gerade so, wie sich normalerweise die Ukip benimmt.“

11.51 Uhr: SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat Härte gegenüber Großbritannien bei Verhandlungen über den EU-Austritt verlangt. „Es darf keine Belohnung für den Austritt, keine Prämie für Nationalismus und Europafeindlichkeit geben“, sagte Oppermann am Dienstag im Bundestag. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hat die Europäische Union (EU) nach dem britischen Brexit-Votum zu einem Neuanfang aufgefordert. Sozialabbau habe wesentlich zu „Frust gegen Europa“ beigetragen, es sei kein Geld da gewesen für den Abbau der Jugendarbeitslosigkeit und gegen Armut, sagte Bartsch am Dienstag im Bundestag in der Entgegnung auf die Regierungserklärung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Es gebe ein grundsätzliches Demokratie- und Transparenzdefizit in der EU. „Die Menschen haben das Gefühl, es mit abgehobenen Eliten und Technokraten zu tun zu haben.“

11.05 Uhr : Nach dem Brexit-Referendum hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Großbritannien aufgefordert, so schnell wie mögilch den Austritt aus der Europäischen Union offiziell zu erklären. "Ich möchte, dass das Vereinigte Königreich seine Position klarstellt", sagte Juncker am Dienstag vor dem Europaparlament in Brüssel. Dies müsse nicht heute oder morgen passieren, "aber schnell". Denn Europa könne sich keine "längere Phase der Unsicherheit" leisten. Juncker bekräftigte, es werde vor der Austrittserklärung nach Artikel 50 des EU-Vertrages keine "Geheimverhandlungen" mit London über die künftigen Beziehungen geben. Er habe dies seinen Mitarbeitern ausdrücklich verboten. Ein Teil der Brexit-Befürworter hofft darauf, schon vor der Austrittserklärung ein Rahmenabkommen etwa über den künftigen Zugang zum EU-Binnenmarkt zu schließen. "Keine (Austritts-)Mitteilung, keine Verhandlungen", sagte Juncker.

Merkel: "EU ist auch stark genug - auch ohne Großbritannien"

10.49 Uhr: Die EU muss die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, fordert Merkel. Sie hebt vor allem die Freizügigkeit hervor. Junge Menschen könnten in anderen EU-Staaten ohne große Hürden studieren, wir können Produkte aus Niederlande und Portugal kaufen. "Die historischen Errungenschaften bleiben bestehen, auch ohne Großbritannien", sagt sie. "Die EU ist stark genug den Austritt zu verkraften, sie ist stark genug mit 27 Mitgliedsstaaten und sie ist stark genug die eigenen Interessen in der Welt zu behaupten."

10.45 Uhr: Die Bundeskanzlerin hält ein Plädoyer für Europa, sie weiß aber auch, dass schwerwiegende Fehler gemacht wurden. Allerdings könne man die aktuellen Probleme nur gemeinsam lösen. Mit einer starken EU.

10.39 Uhr: Merkel betont die vielen Gemeinsamkeiten mit Großbritannien und schließt daraus, dass man die Freundschaft weiterführen muss. Die Verhandlungen sollen trotzdem im eigenen Interesse stattfinden. Vor allem für die deutschen Bürger, die in Großbritannien leben. Sie lehnt eine Verhandlung der "Rosinenpickerei" ab. Es müsse deutlich werden, wer zur EU gehöre und wer nicht. Wer aus der "Familie austritt, darf nicht die Pflichten abgeben und nur die Privilegien behalten", sagt Merkel.

10.36 Uhr: Merkel zitiert die EU-Verfassung, die besagt, dass Großbritannien formal den Austritt beantragen muss und deshalb auch noch keine Verhandlungen stattfinden können. Weder formell noch informell. Das heißt: Cameron muss den ersten Schritt machen, ehe verhandelt wird. Die Leitlinien der Verhandlungen müssen die 27 Mitgliedsstaaten einstimmig beschließen.

Angela Merkel bedauert und respektiert Austritt der Briten

10.32 Uhr: Angela Merkel sagt bei einer Sondersitzung des Deutschen Bundestag: "Ich bedauere die Entscheidung des britischen Volkes. Allerdings respektieren wir die freie demokratische Entscheidung. Wir müssen nach vorne schauen und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen." Jeder Vorschlag, der die EU der 27 als Ganzes aus dieser Krise führen könne, sei willkommen. „Jeder Vorschlag, der dagegen die Fliehkräfte stärkt, die Europa schon so sehr strapazieren, hätte unabsehbare Folgen für uns alle. Er würde Europa weiter spalten“, sagte Merkel in der Sondersitzung des Parlaments. Sie werde sich dafür einsetzen, das zu verhindern. „Ich sehe gute Möglichkeiten, dass uns das gelingen kann.“

10.27 Uhr: Der britische Brexit-Wortführer Nigel Farage hat Neuseeland bessere Handelsbeziehungen nach einem EU-Austritt Großbritanniens in Aussicht gestellt. Das kleine Land im Pazifik hat 4,5 Millionen Einwohner, die EU ist nach Australien und China drittgrößter Handelspartner. Neuseeland gehört auch zur Organisation Commonwealth, die die ehemaligen britischen Kolonien vereint.

Dass Großbritannien sich 1973 dem EU-Vorläufer Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) angeschlossen habe, sei ein Fehler gewesen, meinte Farage. „Ich entschuldige mich bei jedem Neuseeländer für das, was die Generation meiner Eltern getan hat“, sagte er am Dienstag dem Radiosender Newstalk ZB. Großbritannien habe Neuseeland damit den Rücken gekehrt. Das werde nach einem Austritt aus der EU rückgängig gemacht. „Jetzt können wir mit euch reden und eine vernünftige, bessere Handelsbeziehung aufbauen“, meinte Farage, der Parteichef der rechtspopulistischen UKIP ist.

10.13 Uhr: Martin Schulz bedauert den Austritt der Briten zutiefst. Bei einer Sondersitzung am Dienstag im EU-Parlament wendete er sich an die britischen Abgeordnete in Straßburg und bedankte sich für ihre Arbeit. Dafür applaudierten die Abgeordneten sehr lange, was Schulz als Signal wertet.

09.31 Uhr: Nach dem massiven Kurseinbruch infolge des Brexit-Votums hat der Dax am Dienstag einen Erholungsversuch gestartet. Kurz nach dem Börsenstart stieg der deutsche Leitindex um 2,00 Prozent auf 9453,67 Punkte. An den beiden vorangegangenen Handelstagen hatte er wegen der britischen Entscheidung zum Abschied aus der Europäischen Union fast 10 Prozent beziehungsweise 1000 Punkte eingebüßt und war auf den tiefsten Stand seit Februar abgesackt.

Röttgen zu Brexit: "Jede Art von Aktionismus vermeiden"

08.38 Uhr: Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, hat das Agieren von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz nach dem britischen Brexit-Votum kritisiert. „Ich finde die Einlassungen der beiden sehr emotional geprägt und auch nicht hilfreich“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Das ist keine emotionale Stunde, sondern das ist eine sehr sehr ernste Stunde.“ In dieser Situation müsse man „jede Art von Aktionismus vermeiden“.

Röttgen kritisierte auch das Treffen der sechs EU-Gründerstaaten in Berlin, zu dem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am vergangenen Samstag eingeladen hatte. Dieses Treffen habe andere verstört und in der Sache nichts gebracht. Es habe jetzt keinen Sinn, die Briten zu drängen, rasch Verhandlungen über einen Austritt Großbritanniens aus der EU zu starten.

„Ich glaube, dass unübersehbar in Großbritannien das letzte Kapitel in dieser Geschichte noch nicht geschrieben ist“, betonte Röttgen. „Die Linie muss nun sein: Kein Aktionismus, weder die Briten drängen - welchen politischen Sinn soll das eigentlich machen - noch natürlich, wie die Briten wollen, schon mal informell mit Verhandlungen beginnen. Sondern ich finde, man muss nun die Briten mit dem, was sie angerichtet haben, auch mal eine Weile alleine lassen.“

08.11 Uhr: Die liberale dänische Tageszeitung „Politiken“ (Kopenhagen) kritisiert den britischen Premier David Cameron: „Das ganze politische System Großbritanniens befindet sich im totalen internen Zusammenbruch. David Cameron hat erklärt, dass er abtreten will, aber auf ungeheuer verantwortungslose Weise entschieden, dass das erst im Herbst passieren soll. Das Ziel scheint vor allem zu sein, Zeit zu gewinnen, um eine Alternative zu seinem Erzrivalen, dem EU-Gegner Boris Johnson, in Stellung zu bringen. Selbst jetzt, wo Cameron im Spiel um die Zukunft des Landes in Europa gezockt - und verloren - hat, erzwingt er ein Machtvakuum bis zum Herbst, nur um zu versuchen, seinem Rivalen den Posten als Premierminister zu verwehren.“

08.03 Uhr: Der britische Finanzminister George Osborne will sich nicht um die Nachfolge von Premierminister David Cameron bewerben. Er sei nicht der Richtige, um die konservativen Tories zu führen, weil er für einen Verbleib in der EU geworben habe, schrieb Osborne in der "Times" vom Dienstag. Obwohl er das Ergebnis des Referendums akzeptiere, sei er "nicht die Person, die der Partei die Einigkeit geben kann, die sie braucht." "Ich habe beim Kampf für die Referendums-Kampagne alles gegeben", schrieb Osborne in dem Zeitungsbeitrag. "Ich habe an die Sache geglaubt und hart dafür gekämpft." 

Cameron hatte nach dem Brexit-Votum am vergangenen Donnerstag seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef angekündigt. Sein Nachfolger soll bis Anfang September bestimmt werden. Als Favoriten gelten der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson und Innenministerin Theresa May. Johnson war einer der Wortführer des Brexit-Lagers. May hatte für den Verbleib in der EU geworben, aber keine prominente Rolle in der Kampagne gespielt. Auch Gesundheitsminister Jeremy Hunt wird als möglicher Cameron-Nachfolger gehandelt.  

Queen bleibt cool

07.16 Uhr: Im ihrem Königreich geht es seit dem Brexit-Votum drunter und drüber - Elizabeth II. bewahrt die Fassung. "Jedenfalls bin ich noch am Leben, ha!", erwiderte die britische Königin am Montag bei einem Besuch in Nordirland auf die Frage, ob es ihr gut gehe. Die Antwort der 90-Jährigen hörte sich an wie ein Stoßseufzer, allerdings war unklar, ob Elizabeth dabei lediglich ihre Gesundheit oder auch den Zustand ihres Landes nach dem Referendum im Sinn hatte. 

Offiziell hat sich die Königin bislang nicht zu dem Votum für einen EU-Austritt geäußert, welches Großbritannien in politische und wirtschaftliche Turbulenzen gestürzt hatte. Aus der Tagespolitik hält sich Elizabeth II. heraus, sie ist in Großbritannien nicht Aufgabe des Monarchen.  

07.14 Uhr: Der Vize-Präsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff, will die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien spätestens vor der nächsten Europawahl abgeschlossen wissen. „Wann die Verhandlungen über den Brexit beginnen müssen, ist weniger wichtig, als dass sie bis zum Mai 2019 abgeschlossen sein müssen“, sagte Lambsdorff der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstag). Dann finde die nächste Europawahl statt, und an der könne Großbritannien „natürlich nicht mehr“ teilnehmen. „Deswegen brauchen wir jetzt einen verlässlichen Fahrplan, denn Politik und Wirtschaft brauchen Planungssicherheit.“

06.56 Uhr: Die Konservativen und Christdemokraten im EU-Parlament nehmen den scheidenden britischen Premier David Cameron in die Pflicht. „Von Premier Cameron erwarten wir, dass er beim Gipfel Klarheit schafft, wie es nach dem Referendum weitergehen soll“, sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Der Gipfel beginnt am Dienstagnachmittag in Brüssel. Zuvor kommt das Europaparlament zu einer Sondersitzung zusammen. „Er (Cameron) hat die Pflicht dafür zu sorgen, dass für sein Land und Europa keine Phase der Unsicherheit eintritt“, fuhr Weber fort. Die Staats- und Regierungschefs der verbleibenden 27 Staaten müssten bei dem zweitägigen Spitzentreffen „ein Signal der Besonnenheit, Geschlossenheit und Stärke“ geben.

Weber kritisierte das von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) initiierte Ministertreffen der sechs Gründerstaaten vom vergangenen Samstag: „Wir brauchen jetzt keine elitären Zirkel, sondern den Zusammenhalt aller.“

Britischer Minister fordert zweites Referendum

06.53 Uhr: Nach der britischen Volksabstimmung für einen EU-Austritt hat der Gesundheitsminister des Landes ein zweites Referendum vorgeschlagen. Darin solle es aber nicht darum gehen, einen Brexit doch noch abzuwenden, schreibt Jeremy Hunt in einem Gastbeitrag für den „Daily Telegraph“. Vielmehr müssten die Bedingungen, unter denen Großbritannien die EU verlasse, den Wählern nochmals zur Abstimmung vorgelegt werden. Dies könne entweder in einem weiteren Referendum geschehen oder über das Wahlprogramm seiner konservativen Partei bei den nächsten Parlamentswahlen.

An dem in Brüssel mit Entsetzen aufgenommenen Ergebnis des ersten Votums will Hunt nicht rütteln. „Großbritannien muss und wird die EU verlassen“, bekräftigte er. Ihm schwebe aber der Status einer Art „Norwegen Plus“ vor - mit vollem Zugang zum EU-Binnenmarkt und einer Kompromisslösung bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit, um Zuwanderung besser kontrollieren zu können. Wenn die Europäische Union eine schnelle Trennung von Großbritannien wolle, müsse sie einem solchen Modell zustimmen, meint Hunt.

06.50 Uhr: Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), sieht nach dem Brexit stärkere militärische Anforderungen auf Deutschland zukommen. "Jedenfalls hat Deutschland jetzt noch mehr Verantwortung", sagte Bartels den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Für EU-Missionen gebe es nach Großbritanniens Ausscheiden einen potenziellen Truppensteller weniger. "In Europa wird es sicherheitspolitisch in Zukunft noch mehr auf Deutschland und Frankreich ankommen", sagte Bartels voraus. 

Der Wehrbeauftragte rechnet nach eigenen Worten mit einem engen Schulterschluss zwischen London und Washington: "Die Briten werden sich militärisch noch stärker an den USA orientieren." Wahrscheinlich werde Großbritannien "sicherheitspolitisch in einigen Jahren für Europa ein Partner sein wie die USA". 

Brexit-Folge: Ratingagenturen stufen Großbritanniens herab

06.47 Uhr: Das Votum für den Austritt aus der EU schadet der Kreditwürdigkeit Großbritanniens. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch stuften das Land am Montag (Ortszeit) herab. Damit kann es für London teurer werden, Kredite aufzunehmen. Die Agenturen verwiesen auf die unsichere Lage nach dem Brexit-Votum. Sie verbanden ihre Entscheidung mit einer negativen Perspektive, womit weitere Herabstufungen möglich erscheinen. Standard & Poor's erkannte der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt nach einem halben Jahrhundert den AAA-Beststatus ab und senkte Großbritanniens Kreditwürdigkeit um zwei Stufen auf AA. Fitch stufte Großbritannien von AA+ um eine Stufe auf AA herunter.

Die US-Ratingagentur Moody's hatte bereits am Freitag die Aussichten für die Kreditwürdigkeit Großbritanniens negativ beurteilt. Sie stufte die Bonität zwar unverändert mit Aa1 ein, erklärte aber, die Entscheidung für den Brexit könne der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes schaden.

06.45 Uhr: Fünf Tage nach dem Votum der Briten für einen Brexit verlieren die Regierungsparteien in Deutschland an Rückhalt. Die Parteien der großen Koalition kommen in dem neuen Meinungstrend des Instituts Insa für die "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) nur noch auf 49 Prozent. Die Unionsparteien CDU und CSU erreichten 30 Prozent, die SPD nur noch 19 Prozent. Beide büßten jeweils einen Punkt im Vergleich zur Vorwoche ein. 

Die AfD und die FDP gewannen jeweils einen Punkt hinzu: Die Rechtspopulisten stiegen auf 14 Prozent, die Liberalen auf acht Prozent. Die Linke (elf Prozent) und die Grünen (13 Prozent) hielten ihre Ergebnisse der Vorwoche. Im Bundestag kämen die Parteien der großen Koalition auch mit einem Stimmenanteil von nur 49 Prozent bei einer Bundestagswahl voraussichtlich auf eine Mehrheit. Eine Mehrheit gäbe es auch für ein so genanntes Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, Grünen und FDP, das auf zusammen 51 Prozent käme. Rot-Rot-Grün erreicht zusammen nur 43 Prozent. Für den Meinungstrend befragte das Institut Insa vom 24. bis zum 27. Juni 2016 insgesamt 2054 Bürgerinnen und Bürger.

Brexit-News vom Montagabend

22.22 Uhr: Wegen des Brexit-Votums will sich Billigflieger Ryanair verstärkt auf Kontinentaleuropa konzentrieren. Es sei „höchst unwahrscheinlich“, dass im kommenden Jahr auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte Firmenchef Michael O'Leary dem „Wall Street Journal“ (Online-Ausgabe vom Montag). „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“ Bisher hat die irische Ryanair einen beträchtlichen Teil ihrer Flotte in Großbritannien stationiert.

21.31 Uhr: Nach dem britischen Brexit-Votum wird Großbritannien aus Sicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wohl definitiv die EU verlassen. „Ich glaube nicht, dass die Entscheidung reversibel ist“, sagte Schäuble am Montag in Künzelsau. „Jetzt ist die Entscheidung gefallen.“ Ihn selbst habe das Ergebnis des Votums tief enttäuscht. „Ich finde es schon zum Weinen“, sagte Schäuble. Offenbar sei den Briten nun zwar ebenfalls zum Weinen zumute. „Das nützt jetzt aber auch nichts, das hätten sie sich vorher überlegen sollen.“ Man brauche jetzt einen kühlen Kopf, „dass nicht aus der schlechten Entscheidung noch größerer Schaden wird“.

21.00 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel  (CDU) traf sich am Montag mit Frankreichs Präsident François Hollande sowie dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi. Vorab-Vereinbarungen mit London erteilten sie eine Absage.Stattdessen üben die drei großen EU-Staaten den Schulterschluss: Deutschland, Frankreich und Italien wollen schnell zu Verhandlungen über einen Austritt Großbritanniens kommen. Einen Tag vor dem EU-Gipfel in Brüssel wies der britische Premierminister David Cameron dagegen Forderungen nach umgehenden Verhandlungen zurück. Offizielle Austrittsgespräche sollten erst aufgenommen werden, wenn Großbritannien eine Entscheidung über die Art seiner künftigen Beziehung zur EU getroffen habe, sagte er vor dem Parlament in London.

20.45 Uhr: Schulden machen kann für Großbritannien jetzt richtig teuer werden: In Reaktion auf das Brexit-Votum hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Großbritannien die Top-Kreditwürdigkeit aberkannt. Die Bonität des Landes sei von der besten Bewertung „AAA“ um zwei Stufen nach unten auf „AA“ herabgestuft worden, teilte die Agentur am Montag mit. Zudem sei der Ausblick negativ. 

16:31 Uhr: Berichte über Anfeindungen gegen Muslime und Polen: Seit dem Brexit-Referendum hat es dem britischen Muslimrat und der polnischen Botschaft in London zufolge zahlreiche Anfeindungen gegen Muslime und Einwanderer in Großbritannien gegeben. Dem Muslimrat lagen nach einer Mitteilung vom Montag Berichte über mehr als 100 Verbrechen aus rassistischen Motiven vor. Mehr dazu.

15:49 Uhr: Der neue Chef der konservativen Partei und damit der Nachfolger des scheidenden britischen Premierministers David Cameron soll nach Ansicht eines einflussreichen Tory-Parteikomitees bis zum 2. September feststehen. Der Parteivorstand muss diesem Vorschlag vom Montag allerdings noch zustimmen. Das 1922-Komitee ist ein Ausschuss konservativer Parlamentarier, der traditionell großen Einfluss in der Tory-Partei hat.

15:24 Uhr: US-Außenminister John Kerry hat die EU ermahnt, mit Besonnenheit auf das Austrittsvotum der Briten zu reagieren. Es sei "absolut entscheidend, dass wir konzentriert bleiben, dass niemand den Kopf verliert", sagte Kerry am Montag bei einem Besuch in Brüssel. Er warnte vor einem "vorschnellen" oder gar "rachsüchtigen" Vorgehen. Eine "starke EU" sei für Washington wichtig, sagte Kerry. Die US-Regierung sei bereit, gemeinsam mit Europa nach Wegen zu suchen, "die Interessen und Werte zu erhalten, die uns ursprünglich zusammenbrachten".

15:00 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schließt informelle Verhandlungen mit Großbritannien noch vor der offiziellen Mitteilung über die Absicht eines EU-Austritts aus. "Wir können nicht anfangen mit informellen Gesprächen, ohne die Mitteilung aus Großbritannien zu haben, das ist für mich völlig klar", sagte Merkel am Montag in Berlin. Die Reihenfolge müsse eingehalten werden.

13:53 Uhr: Der Brexit-Wortführer und Rechtspopulist Nigel Farage wird nach Angaben aus dem Europaparlament am Dienstag in der EU-Volksvertretung auftreten. Es sei geplant, dass er bei der Parlaments-Sondersitzung zum britischen Referendum sprechen werde, teilte das Büro der stellvertretenden AfD-Bundesvorsitzenden Beatrix von Storch am Montag in Brüssel mit. Von Storch ist auch stellvertretende Vorsitzende der rechtspopulistischen EFDD-Fraktion im EU-Parlament, der auch die Ukip-Partei von Farage angehört.

Nach Brexit-Entscheid: Berlin und Rom üben Druck auf London aus

13:49 Uhr: Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) ruft zu einem verantwortungsvollen und ruhigen Umgang mit den Folgen des Referendums auf. "Niemand hat die Konsequenzen einer Rückabwicklung eines solchen Beitrittsvertrages durchdacht", sagte er bei der Mitgliederversammlung der Europäischen Bewegung in Berlin.

13:27 Uhr: Noch noch einer haut in die gleiche Kerbe: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen EU-Staaten davor gewarnt, die Brexit-Verhandlungen mit London hinauszögern. „Das Signal der Staats- und Regierungschefs muss lauten: Klarheit statt Taktiererei, entschlossenes Handeln statt Zaudern“, sagte der Vizekanzler der dpa.

13:25 Uhr: Geht es nach dem Willen der Tschechen soll eine Debatte der 27 Staaten über die Zukunft der EU geführt werden. Mit einem Krisentreffen in Tschechien haben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault versucht, den mittelosteuropäischen EU-Staaten Sorgen vor den Brexit-Folgen zu nehmen. „Wir stimmen überein, dass die Debatte über die Zukunft der EU auf einer Plattform stattfinden muss, die alle 27 EU-Staaten umfasst“, sagte der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek nach dem Treffen in Prag.

13:22 Uhr: Es bestehen große Zweifel an einer britischen EU-Ratspräsidentschaft 2017. Der britische Premier David Cameron werde beim EU-Gipfel am Dienstagabend das Reizthema ansprechen, berichteten Diplomaten vor dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. London soll nach bisherigem Fahrplan vom 1. Juli 2017 bis 31. Dezember 2017 wichtige EU-Amtsgeschäfte führen. Das jeweilige Präsidentschaftsland führt den Vorsitz in der Runde der EU-Botschafter in Brüssel ebenso wie bei wichtigen Ministertreffen.

13:03 Uhr: Nach Berlin übt auch Rom Druck auf die sich Zeit lassenden Briten aus: Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi dringt auf den raschen Austritt Großbritanniens aus der EU: "Europa kann alles tun, außer eine einjährige Diskussion über das Verfahren zu beginnen", sagte er. "Wenn sich alles auf eine Diskussion über das Verfahren reduziert, verlieren wir aus dem Blick, was geschehen ist." Renzi kritisierte, es fehle "das Bewusstsein für den Ernst der Situation". Europa habe keine Zeit zu verlieren, sondern müsse "sich bewegen." Am Abend trifft sich Renzi in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande.

Neue Brexit-Petition nicht ganz koscher

Online-Petition für ein neues Brexit-Referendum.

12:33 Uhr: 48,1 Prozent der Briten waren für den Verbleib in der EU - sie verloren knapp. Nicht nur diese Menschen Großbritanniens hadern mit der Wahl. Mittlerweile bemerken offenbar auch viele aus dem einstigen Brexit-Lager die Dimension ihrer Entscheidung. So erhält die Petition für ein erneutes Referendum weiterhin gigantischen Zulauf. Über 3,5 Millionen Menschen haben bereits online unterschrieben. Mit der Petition soll das britische Unterhaus aufgefordert werden ein Gesetz einzuführen, wonach ein zweites Brexit-Referendum angesetzt werden muss, wenn die Entscheidung von weniger als 60 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von weniger als 75 Prozent herbeigeführt wurde. Die Wahlbeteiligung des Brexit-Referendums vom 23. Juni 2016 lag bei 72 Prozent.

Allerdings ist die Zahl mit Vorsicht zu genießen. Auf Twitter teilte das Unterhaus mit, dass 77.000 Unterschriften entfernt wurden, weil sie in betrügerischer Weise hinzugefügt worden seien. Mehr.

12:30 Uhr: Der Brexit-Schock setzt den Börsen in Europa weiter zu: An der Londoner Börse brachen die Kurse von Banken, Fluggesellschaften und Immobiliengesellschaften am Montag geradezu ein. Der dortige Leitindex lag bis zum Mittag aber nur mit 1,3 Prozent im Minus. Der Deutschen Aktienindex (Dax) sackte um mehr als zwei Prozent ab, die britische Währung erreichte neue Tiefstände. Die Entscheidung der Briten für den EU-Austritt sahen die Anleger in London vor allem als Gefahr für Banken, Airlines und Immobiliengesellschaften. Der Aktienkurs der Royal Bank of Scotland rauschte mehr als 15 Prozent ins Minus; die Papiere der Großbank Barclays verloren gut zehn Prozent an Wert. Der Aktienkurs von Easyjet brach um mehr als 16 Prozent ein.

12:25 Uhr: Der britische Oppositionschef Jeremy Corbyn bekommt nach dem Brexit-Referendum immer mehr Druck aus seiner Labour-Fraktion. Bereits am Sonntag war ein Dutzend Mitglieder seines Schattenkabinetts zurückgetreten, am Montag folgten weitere. Der Parteilinke Corbyn, der unter den Labour-Abgeordneten im Unterhaus nie großen Rückhalt hatte, holte Unterstützer ins Schattenkabinett und machte klar, dass er sich dem Druck nicht beugen wolle. Sollte ein neuer Parteichef gewählt werden, werde er kandidieren. Corbyn war vergangenen Herbst überraschend in einer Urwahl von Parteimitgliedern und -unterstützern an die Labour-Spitze gewählt worden.

12:00 Uhr:Deutschland erhöht den Druck auf London. „Die Bundesregierung will keine Hängepartie“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Das kann auch in niemandes Interesse in Europa sein. Wir haben ein klares Verhalten. Daran sollten wir uns halten.“ Cameron will erst im Oktober abtreten. Dann erst sollen auf Wunsch vieler britischer Politiker die Austritts-Verhandlungen starten.

Seehofer will "besseres" Europa

11:27: Die ersten Folgen des Brexits sind offenbar schon zu spüren: Nach dem Brexit-Votum planen laut Studie viele britische Unternehmen die Verlagerung von Geschäftsaktivitäten aus dem Vereinigten Königreich. In einer Umfrage des Firmenchef-Netzwerks Institute of Directors (IoD) gaben 22 Prozent der Mitglieder an, dass sie solche Überlegungen hegten, wie der Verband am Montag mitteilte. Knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) will demnach vorerst keine neuen Arbeitskräfte einstellen.

11:19 Uhr: Nach dem Brexit hat sich die große Mehrheit der Deutschen gegen eine Volksbefragung auch hierzulande über die Zugehörigkeit zur EU ausgesprochen. 71 Prozent quer durch alle Alters- und Wählergruppen wollen dies nicht, wie aus einer Umfrage des Instituts Forsa für das "Handelsblatt" vom Montag hervorgeht. Fast jeder dritte Bundesbürger ist dagegen für ein solches Votum.

Horst Seehofer.

11:13 Uhr: CSU-Chef Horst Seehofer hat eine „bessere“ EU gefordert. Europa müsse sich auf zentrale,herausgehobene Fragen konzentrieren und dürfe sich nicht in vielen bürokratischen Kleinigkeiten verzetteln, sagte der bayerische Ministerpräsident. Es könne nicht so weitergehen wie in den vergangenen Jahren. Keiner in Deutschland zweifle ernsthaft die Sinnhaftigkeit der europäischen Integration an, betonte er. „Die Bevölkerung ist in der ganz großen Mehrheit für Europa, und das ist ja auch unsere Zukunft - aber wir brauchen ein besseres Europa.“ Und weiter: „Die EU war nicht immer in Bestform, als es darum ging, die Zuwanderungsfrage als Europa zu beantworten“, erläuterte Seehofer. Er bedauerte zudem das Brexit-Votum ausdrücklich und sprach von einer „historischen Herausforderung“. Er warb aber auch um „Respekt vor den Entscheidungen einer Nation“. Nötig seien nun Ruhe und Gelassenheit.

11:00 Uhr: Es ist noch so vieles unklar. Auch für die Europäische Union. Deshalb hat sich Merkur-Redakteurin Barbara Wimmer damit beschäftigt. Das sind die drei Szenarien: So könnte es ohne die Briten weitergehen.

Brexit: Das sagt Europas Presse zu den Folgen des EU-Austritts

10:20 Uhr: Die internationalen Medien geben nach dem Brexit-Entscheid unterschiedliche Prognosen ab. Die bulgarische Zeitung Sega befürchtet ein Vakuum und eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse: „In Europa zeichnet sich eine neue Konfiguration ab, bei der das sehr starke Deutschland nicht durch ein ausreichend großes Gegengewicht ausbalanciert werden könnte - dies war bislang das schwächelnde Frankreich gewesen, allerdings in Kombination mit Großbritannien. (...) Der Glücklichste nach dem Ausgang des (Brexit-)Referendums wird wohl der russische Präsident Wladimir Putin sein."

Die lettische Zeitung Neatkariga Rita Avize kommentiert: „Seit der Antike gibt es in englischsprachigen Ländern die Tradition des „Mooning“ - jemandem seinen blanken Hintern zeigen. Dies wird getan, um Protest, Ungehorsam, Geringschätzung auszudrücken oder einfach nur als Witz. Nun ist es passiert, dass Großbritannien mit der Volksabstimmung über den Austritt aus der EU dem Rest Europas den blanken Hintern gezeigt hat. Doch Europa ist darüber so schockiert, dass es fast die Sprache verloren hat. Auch die Briten selbst verstehen immer noch nicht wirklich, was sie getan haben und was in Zukunft passieren wird.“

Die Regionalzeitung La Charente Libre aus Westfrankreich kritisiert: "Die abwartende Haltung und die relative Isolation von Angela Merkel in dieser Anfangsphase des Brexit zeugen von der Verlegenheit der deutschen Kanzlerin, vollständig die Lehren aus der scharfen Zurückweisung einer europäischen Politik zu ziehen, deren maßgebliche Initiatorin sie ist. Sie will weder von einer drastischen Neuorientierung, noch von einem neuen europäischen Vertrag reden hören. Damit steht sie faktisch einer Anti-Sparpolitik-Front gegenüber, die von (Italiens Regierungschef) Matteo Renzi über die SPD und (Frankreichs Staatschef) François Hollande führt. Für Hollande ist es eine schwierige Gratwanderung zwischen der Bewahrung eines deutsch-französischen 'Tandems', das eigentlich nur noch Fassade ist, und der Notwendigkeit, Europa wahrhaft neu zu gründen, in Übereinstimmung mit den Werten seiner Gründerväter und den Erwartungen seiner Völker."

Boris Johnson kämpfte für den Brexit und hat nun Chancen auf den Posten des Premiers.

10:05 Uhr: Der frühere Londoner Bürgermeister und Brexit-Wortführer Boris Johnson geht davon aus, dass Großbritannien weiter vom europäischen Binnenmarkt und der Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren wird. Briten würden weiterhin in der Lage sein, in der EU zu reisen, zu arbeiten, Häuser zu kaufen und sich niederzulassen, schrieb Johnson in einem Gastbeitrag imDaily Telegraph (Montag). Auch der freie Zugang zum europäischen Binnenmarkt für Waren und Dienstleistungen werde nicht eingeschränkt, prophezeite Johnson, der als Nachfolger des scheidenden Premierministers David Cameron gehandelt wird.

Gleichzeitig werde Großbritannien aber wieder „demokratische Kontrolle über die Einwanderungspolitik übernehmen“. Demnach soll ein „humanes Punktesystem, das an den Interessen von Handel und Industrie ausgerichtet ist“, die Zuwanderung zum Vereinigten Königreich beschränken.

10:00 Uhr: Der Dax beruhigt sich. Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach dem Brexit-Schock am Montag zunächst etwas stabilisiert, rutschte dann aber wieder um 1,39 Prozent auf 9424,13 Punkte ab. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex mit Verlusten von bis zu 10 Prozent auf das überraschende britische Votum gegen die EU-Mitgliedschaft reagiert und letztlich knapp 7 Prozent tiefer geschlossen.

Kauder zum Brexit: Partner ohne Extrawürste

09:22 Uhr: Der britische Finanzminister George Osborne hat versucht, die nach dem Brexit-Votum in Unruhe versetzten Märkte zu beruhigen. „Die britische Wirtschaft ist von Grund auf stark, hochgradig wettbewerbsfähig und offen für Investitionen“, sagte Osborne am Montagmorgen. Nun gehe es darum, sich mit den EU-Ländern auf ein möglichst vorteilhaftes Handelsabkommen zu einigen. Er wolle dabei eine aktive Rolle spielen, sagte Osborne. Zudem wies er den Ruf nach raschem EU-Austritt zurück. Die britische Regierung könne das Verfahren gemäß Artikel 50 des EU-Vertrags erst "auslösen", wenn sie dazu bereit sei und "klare Vorstellungen" über den weiteren Weg habe, sagte Osborne am Montag kurz vor Öffnung der Londoner Börse.

09:15 Uhr: Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini will ungeachtet der Brexit-Turbulenzen die Sicherheitszusammenarbeit in der EU stärken. „Wir müssen als Europäer eine größere Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen“, zitiert die „Welt“ aus einem Strategiepapier Mogherinis für die Außen- und Sicherheitspolitik Europas. „Wir müssen bereit und in der Lage sein abzuschrecken, zu antworten und uns zu schützen gegenüber Aggressionen, Provokationen und Destabilisierung.“ Mogherini wolle das Papier beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in dieser Woche in Brüssel vorstellen.

08.41 Uhr: Unionsfraktionschef Volker Kauder hat für faire Austrittsverhandlungen der EU mit Großbritannien plädiert, weil das Land als Partner auch künftig gebraucht werde. „Jetzt müssen wir mit ihnen so verhandeln, dass wir auch in Zukunft mit ihnen zusammenarbeiten können“, sagte der CDU-Politiker am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies er auf die Zusammenarbeit in der Nato und auf die Bedeutung Großbritanniens als Handels- und Wirtschaftspartner, etwa für die Autoindustrie. Kauder sagte aber auch: „Da gibt es keine Extrawürste, da gibt es keine Geschenke, das ist auch klar.“

Wie Merkel sieht auch Kauder keinen allzugroßen Zeitdruck für die formelle Einleitung des Scheidungsprozesses durch London.

06.59 Uhr: Großbritannien wird nach Einschätzung eines ranghohen EU-Diplomaten "möglicherweise nie" den Austritt aus der Europäischen Union erklären. "Ich würde nicht ausschließen, und das ist meine persönliche Überzeugung, dass sie es vielleicht nie tun werden", sagte der Diplomat am Sonntagabend in Brüssel.

Er erklärte nicht, ob er davon ausgehe, dass Großbritannien stattdessen ein erneutes Referendum über die EU-Mitgliedschaft abhalten oder aber den Trennungsprozess mit der EU ewig herauszögern werde, um den bestmöglichen Deal für sich herauszuschlagen.

Nach dem britischen Austrittsvotum drängen zahlreiche EU-Vertreter Großbritannien, rasch das formelle Austrittsgesuch einzureichen. In Brüssel wird jedoch nicht damit gerechnet, dass der britische Premier David Cameron das Gesuch bereits bei dem EU-Gipfel am Dienstag einreicht. Cameron hat seinen Rücktritt bis Oktober angekündigt und will den Schritt seinem Nachfolger überlassen.

Der EU-Diplomat berichtete, seit dem Brexit-Referendum seien bei der EU tausende E-Mails von Briten eingegangen, die das Ergebnis bedauerten - darunter etliche von Leuten, die für den Ausstieg aus der EU gestimmt hätten und dies nun bereuten. "Das ist das erste Mal nach einem Jahrzehnt der Hass-Mails aus Großbritannien, dass wir mit Liebes-Mails überflutet werden", sagte er.

Papst Franziskus mahnt Europäer zu Besonnenheit nach Brexit

06.49 Uhr: Nach dem Brexit-Votum in Großbritannien hat Papst Franziskus die Europäer zu kreativen und praktikablen Lösungen aufgerufen. Zugleich zeigte er sich besorgt über den Zustand der EU. „Es weht ein Wind der Trennung“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntagabend auf dem Rückflug von seinem dreitägigen Besuch in Armenien nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. „Da ist etwas, das nicht funktioniert in dieser schwerfälligen Union. Vielleicht muss man über eine neue Form der Union nachdenken, eine freiere“, so der 79-Jährige. „Aber man muss auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, fügte er hinzu.

Für ihn stehe Einigkeit immer über dem Konflikt, aber es gebe unterschiedliche Formen von Einigkeit. Brüderlichkeit sei besser als Feindschaft und Distanz. „Brücken sind besser als Mauern.“ Es sei nun wichtig, praktikable Lösungen zu finden. Die EU müsse sich auf ihre Wurzeln besinnen und kreativ sein, etwa was Arbeit und Wirtschaft angehe.

06.21 Uhr: Guten Morgen! Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union verstärkt nach den Worten von Chinas Premier Li Keqiang die Unsicherheiten für die Erholung der Weltwirtschaft. „Wir müssen die Herausforderungen gemeinsam angehen und ein stabiles internationales Umfeld schaffen“, sagte der chinesische Regierungschef am Montag auf dem „Sommer-Davos“ genannten Weltwirtschaftsforum in der chinesischen Metropole Tianjin.

Europa sei ein wichtiger Partner für China, das seine Beziehungen sowohl mit der Europäischen Union als auch mit Großbritannien weiter ausbauen wolle, sagte Li Keqiang. Zu dem dreitägigen Treffen ist nach jüngsten Angaben der Organisatoren mit mehr als 2000 Wirtschaftsvertretern, Politikern und Experten eine Rekordzahl von Teilnehmern aus mehr als 80 Ländern angereist. Es ist das zehnte jährliche Forum dieser Art in China.

Brexit: Das war der Sonntag nach dem Referendum

22.48 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident François Hollande sind aus Sicht des Élysée-Palastes einig in der Einschätzung über Konsequenzen aus der britischen Entscheidung für einen Ausstieg aus der EU. Beide Politiker seien in einem rund 30 Minuten währenden Telefongespräch „völlig einig“ gewesen über die Behandlung der Situation nach dem Referendum, berichtete die französische Agentur AFP am Sonntag unter Berufung auf das Umfeld des französischen Staatschefs. Notwendig seien Initiativen für Europa und schnelles Handeln mit konkreten Prioritäten, hieß es.

21.24 Uhr: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) trifft sich am Montag zu Gesprächen mit seinen Kollegen aus den sogenannten Visegrad-Staaten Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei in Prag. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen das britische Votum für einen Austritt aus der Europäischen Union und seine Folgen. Für 10.00 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz vorgesehen.

20.10 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am Montag bei einem Krisentreffen mit drei europäischen Spitzenpolitikern in Berlin über die Folgen des britischen Votums für einen EU-Austritt. Um 15.00 Uhr trifft sich Merkel mit EU-Ratspräsident Donald Tusk, um 18.00 Uhr folgt ein Gespräch mit dem französischen Präsidenten François Hollande und Italiens Regierungschef Matteo Renzi.

19.45 Uhr: Der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als Konsequenz aus dem Brexit-Votum indirekt zum Rücktritt aufgerufen. „In diesem Moment ist der Kommissionspräsident nicht der richtige Mann an dieser Stelle“, sagte der Sozialdemokrat am Sonntag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. „Wir müssen den Rest Europas zusammenhalten und große Integrationsinitiativen vermeiden“, forderte der 59-Jährige.

19.15 Uhr: Nach dem Nein der Briten zu Europa sind die übrigen 27 EU-Länder bemüht, Druck vom scheidenden britischen Premier David Cameron zu nehmen. Es gebe in den Hauptstädten Verständnis dafür, dass Cameron beim EU-Gipfel am Dienstag nicht das Austrittsverfahren förmlich auslösen werde, sagte ein EU-Diplomat am Sonntag in Brüssel. Zuvor hatten sich 27 Topdiplomaten aus allen Mitgliedsländern ohne Großbritannien getroffen, um Linien für den Gipfel abzustimmen. Im Europaparlament wird hingegen gefordert, dass Cameron schon beim Gipfel den Brexit anschieben soll.

„Es gibt eine sehr bedeutende politische Krise im Vereinigten Königreich“, sagte der Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte. Es werde aber von London erwartet, das im Artikel 50 des EU-Vertrags geregelte Austrittsverfahren „so wie schnell wie möglich“ zu beginnen. London muss dafür einen Antrag in Brüssel stellen.

Brexit: Der Ruf nach einem zweiten EU-Referendum wird lauter

16.30 Uhr: Der drohende Brexit muss nicht das Ende der EU einläuten. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die europäischen Staatenlenker aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

15.55 Uhr: Großbritanniens Regierung will sich nicht zu schnellen Brexit-Verhandlungen drängen lassen. „Das Referendum ist eine interne Angelegenheit“, sagte Außenminister Philip Hammond dem Sender ITV am Sonntag, „den Zeitplan hat nur Großbritannien zu bestimmen.“ Am Freitag hatte Premierminister David Cameron angekündigt, im Oktober zurückzutreten und es seinem Nachfolger zu überlassen, den Austritt aus der EU in Gang zu setzen. Nur wenn es einen Nachfolger für Cameron gebe, würden Gespräche beginnen, sagte Hammond. Die EU-Spitzen in Brüssel, Deutschland und andere Mitgliedstaaten hatten schnelle Verhandlungen verlangt.

15.00 Uhr: Ist der Brexit unumkehrbar? Nicht ganz. Nach dem Referendum kann der Austritt Großbritanniens noch verhindert werden. Diese Optionen sind möglich.

12:21 Uhr: Nach dem Brexit-Votum der Briten kommt US-Außenminister John Kerry am Montag zu Gesprächen nach Brüssel und London. Die beiden zusätzlichen Stopps seien kurzfristig zu der Europareise Kerry hinzugefügt worden, sagten mitreisende US-Diplomaten am Sonntag in Rom. Kerry trifft sich in der italienischen Hauptstadt mit Italiens Außenminister Paolo Gentiloni und später mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Den Angaben zufolge will Kerry am Montag in Brüssel mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zusammenkommen, bevor er weiter nach London fliegt, wo er mit Außenminister Philip Hammond und anderen Mitgliedern der Regierung des scheidenden Premierministers David Cameron sprechen will. Die US-Regierung hatte sich vor dem britischen EU-Referendum am Donnerstag vehement dafür eingesetzt, dass das Land weiter in der Europäischen Union bleibt.

12:01 Uhr: Der Ruf nach einem zweiten EU-Referendum wird lauter: Mehr als drei Millionen Briten verlangen inzwischen per Petition, noch einmal abstimmen zu dürfen. Allerdings dämpfen Experten die Hoffnung. Eine zweite Volksbefragung werde es nicht geben, sagte der Wahlforscher John Curtice der britischen Nachrichtenagentur PA. Das Gesuch ans Parlament stammt aus der Zeit vor dem Referendum. Ende Mai hatte William Oliver Healey verlangt: Sollte die Wahlbeteiligung unter 75 Prozent liegen und das Ergebnis knapper als 60 zu 40 Prozent sein, solle nochmal abgestimmt werden. Beides ist eingetreten. Nachdem das Land für den Brexit gestimmt hatte, wuchs die Zahl der Unterstützer schnell. Am Samstagnachmittag waren es noch 1,5 Millionen Unterzeichner. 

11:20 Uhr: Nach dem Brexit-Votum ist laut der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit ihres Landesteils "höchst wahrscheinlich". Das Vereinigte Königreich, für das Schottland 2014 gestimmt habe, "existiert nicht mehr", sagte Sturgeon am Sonntag im Rundfunksender BBC. Bei dem ersten Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands im September 2014 hatte sich eine Mehrheit für den Verbleib in Großbritannien ausgesprochen.

10:38 Uhr: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat Großbritannien aufgefordert, schon beim EU-Gipfel am Dienstag den Austritt aus der Europäischen Union zu beantragen. "Ein Zögern, nur um der Parteitaktik der britischen Konservativen entgegenzukommen, schadet allen", sagte Schulz der Bild am Sonntag. Eine lange Hängepartie führe "zu noch mehr Verunsicherung und gefährde dadurch Arbeitsplätze. "Deshalb erwarten wir, dass die britische Regierung jetzt liefert. Der Gipfel am kommenden Dienstag ist hierfür der geeignete Zeitpunkt."

Am Dienstag und Mittwoch berät der EU-Gipfel in Brüssel über die Folgen des britischen Ausstiegs. Auch das Europaparlament kommt zu einer Sondersitzung zusammen.

Geschehnisse vom Samstag

19.20 Uhr: Mehr als anderthalb Millionen Briten haben bis Samstagnachmittag eine Petition für ein zweites Referendum über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU unterzeichnet.

15.30 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel  (CDU) hält es nicht für notwendig, besonders hart mit den Briten über den EU-Austritt zu verhandeln, um andere EU-Wackelkandidaten abzuschrecken. Sie plädierte für "sachgerechte" Diskussionen. Es gebe "keinen Grund, besonders garstig zu sein". Die Gespräche müssten auch deswegen sachlich geführt werden, weil EU-Staaten und Großbritannien sich als Partner in Nato, G7, G20 oder UN-Sicherheitsrat weiterhin begegneten.

15.03 Uhr: Der nach dem Brexit-Referendum unter Druck geratene Labour-Chef Jeremy Corbyn will als Oppositionsführer weitermachen. „Ja, ich bin hier“, sagte er am Samstag in London. Den von Finanzminister George Osborne ins Spiel gebrachten Not-Haushalt zur finanziellen Abfederung der Brexit-Folgen wolle er nicht zulassen: Der Brexit dürfe nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden. Corbyn war unter Druck geraten, weil auch viele Wähler in Labour-Hochburgen für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU gestimmt hatten.

14.31 Uhr: CSU-Chef Horst Seehofer  hat zu einer besonnenen Reaktion Deutschlands und der EU auf den Brexit aufgerufen. Die Europäische Union müsse näher an die Menschen heranrücken, verlangte er am Samstag. „Wir brauchen in großen Fragen, (...) sogar mehr Europa, aber (...) in den vielen kleinen Alltagsfragen darf sich Europa nicht so verzetteln, wie oft in der Vergangenheit.“ Das habe zu mehr Bürokratie und damit bei den Menschen zu Unmut geführt.

13.57 Uhr: Die rechtsextreme slowakische Volkspartei (LSNS) sammelt ab kommender Woche Unterschriften für ein Referendum über den Austritt des Landes aus der EU. Am 1. Juli übernimmt die Slowakei den EU-Ratsvorsitz. „Es wird höchste Zeit, dass auch die Slowakei diese untergehende europäische Titanic verlässt“, sagte der LSNS-Vorsitzende Marian Kotleba am Samstag zur Brexit-Entscheidung der Briten.

13.51 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat von der britischen Regierung Auskunft über das weitere Vorgehen im nun anstehenden konkreten Scheidungsprozess mit der EU verlangt. Großbritannien müsse nun sagen, wie es sich die Beziehungen zur Europäischen Union weiter vorstelle, sagte Merkel am Samstag zum Abschluss eines Spitzentreffens von CDU und CSU in Potsdam. Die EU müsse sich dann auch vor dem Hintergrund der eigenen Interessen mit den Konsequenzen aus dem EU-Austritt der Briten befassen.

13.44 Uhr: Nach dem Brexit-Votum seiner Landsleute hat der britische EU-Finanzkommissar Jonathan Hill seinen Rücktritt angekündigt. Das wurde am Samstag in Brüssel mitgeteilt.Nach dem Votum könne er als EU-Kommissar nicht einfach so weitermachen, als sei nichts geschehen, erklärte Hill am Samstag in Brüssel.

13.30 Uhr:  Die sechs europäischen Gründerstaaten drängen auf ein zügiges Austrittsverfahren der Briten. "Dieser Prozess sollte so schnell wie möglich losgehen", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg am Samstag in Berlin. Ziel müsse es sein, "nicht in eine längere Hängepartie zu geraten".

13.14 Uhr:  Für den Brexit gestimmt - und jetzt schon reuig: Nicht wenige Briten würden ihre Entscheidung gegen die EU gern korrigieren. Und dem Schlagwort #Bregret - einer Mischung aus Britain und regret (= Bedauern), war der Kater nach dem Referendums-Rausch am Wochenende ein großes Thema in den sozialen Netzwerken. Auch der Hashtag #WhatHaveWeDone  - was haben wir getan - gab dem Schrecken Ausdruck.

13.05 Uhr:  Die schottische Regionalregierung bereitet ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien vor und will eigene Gespräche mit der EU aufnehmen. Die notwendigen rechtlichen Schritte würden jetzt vorbereitet, sagte Regierungschefin Nicola Sturgeon am Samstag in Edinburgh nach einem Treffen des Kabinetts.

12.34 Uhr: Donald Trump ist gerade in Schottland - und könnte sich dort ein genaues Bild machen zur Stimmung der Schotten zum Brexit. Doch das hat der US-Präsidentschaftskandidat offenbar nicht. Auf Twitter schrieb Donald Trump eine Nachricht, mit der er sich blamierte: „Ich bin gerade in Schottland angekommen. Alle drehen gerade durch wegen der Abstimmung. Sie haben ihr Land zurückgeholt, so wie wir uns Amerika zurückholen werden. Keine Spiele!“ Dass die Schotten mehrheitlich gegen den EU-Austritt der Briten gestimmt haben, hat Trump wohl nicht mitbekommen. Auf Twitter erntete er dafür reichlich Spott und Häme.

12 Uhr: Über eine Million Briten fordern auf der Petitionsseite der britischen Regierung ein zweites Referendum über den EU-Ausstieg  Großbritanniens. Der Server der Homepage brach wegen des riesigen Andrangs kurzzeitig zusammen. Die Zahl der Unterzeichner der Online-Petition steigt von Minute zu Minute. Das britische Parlament wird sich mit der Petition befassen müssen - denn das ist aber einer Zahl von 100.000 Unterzeichnern der Fall.

11.48 Uhr:  Nach dem EU-Referendum gerät der britische Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn unter Druck. Kritiker in den eigenen Reihen werfen ihm vor, sich im Wahlkampf nicht nachdrücklich genug für einen Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt zu haben. Das Brexit-Lager habe bei der Abstimmung auch in Labour-Hochburgen unerwartet gut abgeschnitten. Allerdings wies die Partei Spekulationen zurück, dass Corbyn bereits in Kürze selbst das Handtuch werfen könne, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA.

+++ Nach dem ersten Schock wollen sich die Außenminister der sechs EU-Gründerstaaten sortieren und beraten, wie es nach dem Brexit-Votum der Briten weitergehen soll. Die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Italien und der Benelux-Staaten kamen am Samstag in Berlin zu einer Krisensitzung zusammen. Von dem Treffen solle die Botschaft ausgehen, "dass wir uns Europa nicht nehmen lassen".

+++ Ordentlich blamiert hat sich der spanische Fußball-Nationalspieler Nolito  mit einer Aussage zum Brexit: Bei einer Pressekonferenz wurde er von einem Journalisten gefragt, was er über den Brexit denke. Nolito antwortete zunächst ausweichend, das sei eine Frage, von der er nicht viel verstehe. Der Journalist ließ nicht locker: "Sie wissen schon, worum es da ging, oder?" Dann folgte der Hammer: "Brexit - das ist ein Tanz, oder? Irgendwas, das sie in der NBA tun..." stammelte Nolito. Im Internet hagelt es jetzt Häme und Spott für den spanischen Fußballer, der obendrein bald nach England zu Manchester City wechseln soll.

+++ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker befürchtet weitere Austritts-Referenden in anderen Ländern. Das sei nicht auszuschließen, „da Populisten in der Regel keine Gelegenheit auslassen, um mit viel Lärm für ihre Anti-Europa-Politik zu werben“, sagte Juncker in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung (Samstagsausgabe). Allerdings könnten die Auswirkungen des Brexit „solch plumper Hetze“ schnell ein Ende bereiten. „Es dürfte sich nämlich rasch zeigen, dass es Großbritannien in der EU besser ging - wirtschaftlich, sozial und außenpolitisch“, sagte Juncker. 

+++ Nigel Farage, der Rechtspopulist und Chef der Unabhängigkeitspartei Ukip, hatte den EU-Ausstieg zu seinem Lebensziel erkoren. Nun ist er angekommen. „Möge der 23. Juni als unser Unabhängigkeitstag in die Geschichte eingehen“, tönte Farage am Freitag, nachdem das Ergebnis des Referendums feststand. Er sorgte mit einer Geschmacklosgkeit für Empörung, denn, so sagte er, die Briten hätten das geschafft, „ohne kämpfen zu müssen - ohne dass auch nur eine einzige Kugel abgefeuert werden musste“.

+++ Die US-Ratingagentur Moody's droht Großbritannien nach dem Votum für einen EU-Austritt mit einer Herabstufung. Der Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes sei von „stabil“ auf „negativ“ gekappt worden, teilte die Agentur am Freitagabend mit. Das Rating blieb mit „AA1“ aber zunächst unverändert. Es liegt eine Stufe unter der Topnote.

Das historische Datum: Brexit am 23. Juni 2016

Viele Menschen aus anderen europäischen Ländern hätten es nicht wirklich geglaubt, doch nun ist es Realität: 52 Prozent der Briten haben ihr Kreuzchen im historischen EU-Referendum bei "Leave" gemacht, sie wollen raus aus der Europäischen Union. Etwa 48 Prozent stimmten für "Remain".

Premierminister David Cameron reagierte schnell. Um 8.15 Uhr Ortszeit am Freitagmorgen verkündete er vor 10 Downing Street, dass er sich innerhalb der kommenden drei Monate von seinem Amt zurückziehen wird. Als sein Nachfolger wird bereits Boris Johnson gehandelt, der ehemalige Bürgermeister Londons und Camerons Gegner in der Brexit-Kampagne.

In unserem Brexit-Live-Ticker vom Freitag, in dem wir die gesamte Nacht über den Ausgang der Wahl berichtet haben, können Sie nachlesen, wie das Referendum die Börsen beeinflusst hat und wie Politiker auf aller Welt auf den Brexit reagiert haben.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP.

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