Vergleichsversuche bei Tönnies gegen Tönnies scheitern

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Bielefeld - Beim Fleischkonzern Tönnies wird mit allen Finessen um die Macht gerungen. Mitgesellschafter Robert Tönnies will den Steuerberater von Firmenchef Clemens Tönnies aus dem Unternehmen herausklagen.

Im Streit um die Macht in Deutschlands größtem Fleischkonzern Tönnies sind am Freitag zwei Vergleichsversuche vor dem Bielefelder Landgericht gescheitert.

Mitgesellschafter Robert Tönnies will mit einer Klage gerichtlich durchsetzen, dass die Tönnies-Gruppe sich von ihrem langjährigen Steuerberater Josef Schnusenberg trennt und auch das Mandat für ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen aus Düsseldorf beendet.

Robert, ein Sohn des verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies, sieht in beiden Fällen Interessenkonflikte. Sowohl Schnusenberg als auch die Wirtschaftsprüfer würden auch privat für Clemens Tönnies arbeiten, der die andere Hälfte am Konzern mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro (2013) hält.

Onkel und Neffe streiten sich seit Jahren um die Macht im Konzern. Eine Entscheidung will das Gericht am 20. Februar verkünden.

Das Gericht muss jetzt prüfen, ob Clemens Tönnies mit seinem Nein zur Abberufung von Steuerberater und Wirtschaftsprüfer eine Pflichtverletzung begangen hat.

Während es in der Frage um die Rolle von Josef Schnusenberg fast eine Einigung gab, bleiben die Fronten beim Streit um die Wirtschaftsberatung verhärtet.

Clemens Tönnies

Die Geschäftsführung schilderte dem Gericht, dass der Aufbau einer eigenen Konzern-Steuerabteilung fast abgeschlossen sei. Mit Schnusenberg, dem ehemaligen Präsidenten des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 und langjährigen Erbverwalters für die Tönnies-Neffen, sei längst vereinbart, dass sein Mandat im Sommer ausläuft.

Sein Honorar würde nur noch ein Viertel der ursprünglichen Summe betragen. Ein Vergleich scheiterte an der Forderung, dass auch für die Zukunft ein Engagements Schnusenbergs kategorisch ausgeschlossen wird.

Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beklagt Robert, dass deren Führung ebenfalls neben der Beratung der Tönnies-Gruppe auch für den Privat-Mann Clemens aktiv sei.

Das Tönnies-Management lehnt in dieser Frage jeden Kompromiss ab und verwies auf das große Vertrauensverhältnis zu der Firma. Ein Partner-Wechsel würde mehr Schaden als Nutzen bringen.

Der Machtstreit bei Tönnies beschäftigt die Gerichte auf mehreren Ebenen. Vor dem Landgericht Bielefeld wird eine Auseinandersetzung um einen geschenkten 5-Prozent-Anteil geführt, den Robert von seinem Onkel zurückfordert. Hier geht es am 9. Februar weiter.

Wäre Robert mit dieser Klage erfolgreich, würde er die Mehrheit am Konzern übernehmen. Das Oberlandesgericht Hamm verhandelt am 9. März in zweiter Instanz über ein umstrittenes doppeltes Stimmrecht für Clemens Tönnies im Gesellschafterkreis. Beide Seiten halten aktuell 50 Prozent der Anteile. - dpa

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