Kölner Silvesternacht: Was wir wissen, was wir nicht wissen

Übergriffe in Köln
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An Silvester war die Situation am Kölner Domplatz eskaliert.

Köln - Auch mehr als eine Woche nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof sind noch viele Fragen offen. Ein Überblick:

Was wir wissen:

- Nach Polizeiangaben sollen sich kleinere Gruppen aus einer Menge von 1000 Männern gelöst und die Übergriffe auf Frauen begangen haben.

- Bei der Kölner Polizei sind bis Sonntag 516 Strafanzeigen eingegangen. In etwa 40 Prozent der Fälle ermitteln die Kriminalbeamten unter anderem wegen Sexualstraftaten. Bei der Bundespolizei lagen bis Freitag 44 Anzeigen gegen unbekannt vor.

- Die im Fokus der kriminalpolizeilichen Ermittlungen stehenden Personen stammen nach Angaben der Kölner Polizei größtenteils aus nordafrikanischen Ländern. Zumeist handele es sich um Asylsuchende und Personen, die sich illegal in Deutschland aufhielten. Viele Opfer und Zeugern hatten die Täter als Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft bezeichnet.

- Wie viele Tatverdächtige insgesamt im Fokus der Ermittler stehen, war von den verschiedenen Polizeistellen bislang nicht genau zu erfahren. Der Kölner Polizei waren bis Sonntagabend 19 Personen namentlich bekannt, die für Straftaten in der Silvesternacht am und im Hauptbahnhof verantwortlich sein könnten. Bis Freitagmittag hatte die Bundespolizei, die auf dem Bahnhofsgelände zuständig ist, 32 Tatverdächtige identifiziert. Darunter sind neun algerische, acht marokkanische, fünf iranische, vier syrische, ein irakischer, ein serbischer, ein US-amerikanischer sowie drei deutsche Staatsangehörige. 22 seien Asylbewerber. Mit Sexualdelikten sind sie aber bisher nicht in Verbindung gebracht worden.

- Festnahmen: In Gütersloh wurde am Samstagabend ein 19-Jähriger festgenommen, der nach Angaben der Polizei mit einem von einer 23-Jährigen in der Silvesternacht entwendeten Handy in Zusammenhang gebracht werden konnte. Der Mann sei einschlägig vorbestraft. Am Freitag waren zwei von der Kölner Polizei festgenommene 16 und 23 Jahre alte Männer wieder freigelassen worden, weil sich der Tatverdacht gegen sie nicht erhärten ließ. Die Kölner Polizei hatte nach Angaben eines Sprechers Handys bei ihnen sichergestellt.

Was wir nicht wissen:

- Welche konkreten Taten Asylbewerbern vorgeworfen werden.

- Noch immer gibt es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob und wie sich die Täter vorab verabredet oder organisiert haben. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) geht aber davon aus, dass dies der Fall war. "Wenn sich eine solche Horde trifft, um Straftaten zu begehen, scheint das in irgendeiner Form geplant worden zu sein. Niemand kann mir erzählen, dass das nicht abgestimmt oder vorbereitet wurde", bekräftigte er in der "Bild am Sonntag".

- Es ist unklar, ob es zwischen den Taten in Köln und in anderen Städten einen Zusammenhang gibt. Unter anderem in Düsseldorf und Hamburg häufen sich die Anzeigen von Frauen, die sexuell belästigt und ausgeraubt worden seien. Auch hier schließt Maas einen Zusammenhang nicht aus. - dpa

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