Tödliche Darm-Keime auf Frühchenstation

Bakterien-Herd in Lippstadt noch nicht identifiziert

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Symbolbild eines Frühgeborenen.

LIPPSTADT - Nach dem Tod eines Mädchens auf einer Frühchen-Intensivstation in Lippstadt ist die Quelle der gefährlichen Darmkeime noch unbekannt. Im Evangelischen Krankenhaus war am Freitag ein frühgeborenes Baby an einer Infektion mit einem multiresistenten Coli-Bakterium gestorben.

"Bei einem Geburtsgewicht von 650 Gramm hatte das Frühchen keine eigenen Abwehrkräfte", sagte Thomas van Zütphen, Sprecher des Klinikums, am Dienstag.

Bei zwölf der 19 Frühgeborenen auf der Station waren die gefährlichen Keime ebenfalls entdeckt worden, allerdings ohne dass es bislang zu Infektionen gekommen ist. "Sie sind gesundheitlich stabil und die Klinik geht davon aus, dass sie nach und nach die Intensivstation verlassen können", sagte der Sprecher.

Bei dem Keim handele es sich um eine Variante des Bakteriums "Escherischia coli", das als Darmkeim bei gesunden Erwachsenen meist nicht zu größeren Problemen führe. Der hier aufgetretene Keim sei allerdings gegen normale Antibiotika resistent, so das auf sogenannte Reserveantibiotika zurückgegriffen werden musste.

Derweil versucht die Klinik mit Hilfe von externen Sachverständigen festzustellen, wie sich das Bakterium so drastisch ausbreiten konnte. In der Station wurden Proben genommen, die derzeit in einem Labor untersucht werden, um den Übertragungsweg festzustellen.

"Die Experten sagen uns aber auch, dass es sein kann, dass wir den Herd im Nachhinein nicht mehr feststellen können", sagte van Zütphen.

Es komme gelegentlich vor, dass Bakterien bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden, was im Falle einiger Kinder als sicher gelte. Die weite Ausbreitung wie in diesem Fall sei allerdings alarmierend, so der Sprecher.

Die Klinik habe sich entschlossen, vorerst nur im Notfall weitere Frühgeborene auf der Station aufzunehmen. Die Gesundheitsbehörden sind eingeschaltet. - dpa

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