Verdacht der Vorteilsnahme im Amt

Im NRW-Landgestüt rollen erste Köpfe

Große Historie – schwere Vorwürfe: Im Landgestüt Warendorf wird wegen Vorteilsnahme ermittelt.
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Große Historie – schwere Vorwürfe: Im Landgestüt Warendorf wird wegen Vorteilsnahme ermittelt.

Warendorf - Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Münster gegen drei Beschäftigte des nordrhein-westfälischen Landgestüts in Warendorf hat erste organisatorische Konsequenzen. Die leitenden Mitarbeiter wurden vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium bis auf weiteres von ihren Aufgaben entbunden und frei gestellt, berichtet Ministeriumssprecher Frank Seidlitz.

Mit sofortiger Wirkung wird Hans Leser, der im Ministerium die Funktion des stellvertretenden Leiters der Abteilung „Landwirtschaft, Gartenbau und Ländliche Räume“ wahrnimmt, bis auf weiteres kommissarischer Leiter des Landgestüts in Warendorf. 

Das Gestüt mit 190 Jahre alter Geschichte gilt weltweit als Vorzeigegestüt für die Nachzucht von Qualitätspferden. Wegen des Verdachts der Vorteilsnahme im Amt hatte es in der vergangenen Woche Durchsuchungen im Landgestüt gegeben, wobei Beweismaterial – etwa Computer – sichergestellt wurde. 

Die Recherchen wurden durch einen ausführlichen anonymen Hinweis ans Landwirtschaftsministerium ausgelöst, der ans Landeskriminalamt weitergeleitet wurde. 

Wie der münstersche Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape bestätigte, soll es Unregelmäßigkeiten bei Reisen gegeben haben, die im Zusammenhang mit langjährigen Beziehungen zur Pferdezucht und zum Reitsport im Emirat Katar stehen. 

Vorläufig vom Dienst suspendiert wurden neben der Gestütsleiterin auch der Finanzchef und der Rittmeister des weltweit renommierten Zentrums der Pferdezucht und des Reitsports in NRW. Das Ministerium hat den ermittelnden Behörden volle Kooperation zugesichert. 

Außerdem wurden am Montag die Fraktionen des Landtags über ihre Fachabgeordneten über die Verfahrensschritte des Ministeriums informiert. 

„Um dem international guten Ruf des Landgestüts keinen Schaden zuzufügen, kommt es jetzt darauf an, eine rasche Klärung der Vorwürfe herbeizuführen und gleichzeitig die erfolgreiche Arbeit des Landgestüts in ruhigerem Fahrwasser weiterzuführen“, teilt das Ministerium mit. 

Die Staatsanwaltschaft Münster geht davon aus, dass die ergebnisoffenen Ermittlungen mehrere Monate dauern werden.

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